: Ifo senkt Konjunktur-Ausblick deutlich ab

14.12.2021 | 14:38 Uhr
Corona und Lieferengpässe bremsen die Wirtschaft "spürbar" aus: Das Ifo-Institut hat seine Konjunkturprognose für 2022 deutlich abgesenkt. Die Inflationsrate werde dagegen steigen.
Die Lieferengpässe belasten unter anderem die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer stark.Quelle: dpa
Angesichts der vierten Corona-Welle und der anhaltenden globalen Lieferengpässe hat das Münchner Ifo-Institut seine Konjunkturprognose für das kommende Jahr deutlich abgesenkt. Die Ökonomen rechnen nun noch mit einem Wirtschaftswachstum von 3,7 Prozent - 1,4 Punkte weniger als noch im Herbst geschätzt.
Die zunächst erwartete kräftige Erholung für 2022 verschiebt sich weiter nach hinten.
 Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser
Die Verschiebung sei "weitgehend der vierten Corona-Welle und den Produktionsschwierigkeiten im Verarbeitenden Gewerbe geschuldet", erklärte das Ifo-Institut. Dadurch werde die deutsche Wirtschaft "spürbar" ausgebremst.
Die Experten rechnen erst im Sommerhalbjahr 2022 mit einer kräftigen Erholung, denn dann werde die Corona-Welle abebben und ein "allmähliches Ende der Lieferengpässe einsetzen".
[Auch die Wirtschaftsweisen erwarten ein schwächeres Wirtschaftswachstum in Deutschland - mehr dazu im Artikel]. 

Experten rechnen mit steigender Inflationsrate

Zugleich rechnet das Institut noch einmal mit einer steigenden Inflationsrate - von 3,1 Prozent in diesem auf 3,3 Prozent im kommenden Jahr. Grund dafür seien die mit den Lieferproblemen verbundenen höheren Kosten sowie die verzögerte Anpassung an die gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise. Erst 2023 rechnet das Ifo wieder mit einer Normalisierung der Teuerungsrate auf 1,8 Prozent.
Auf dem Arbeitsmarkt erwartet das Institut insgesamt eine spürbare Erleichterung bei der Kurzarbeit: So dürfte die Zahl von durchschnittlich rund 1,7 Millionen Beschäftigten in diesem auf rund 313.000 im kommenden Jahr sinken. Bei der Arbeitslosenquote erwarten die Experten einen Rückgang von 5,7 Prozent 2021 auf im Schnitt 5,2 Prozent im kommenden Jahr.

Prognose "mit einer Reihe von Risiken verbunden"

Die vorliegende Prognose sei indes "mit einer Reihe von Risiken verbunden", warnte das Ifo-Institut. Ein "bedeutendes Abwärtsrisiko" ergebe sich aus dem weiteren Pandemie-Verlauf, etwa ob es einen erneuten Lockdown geben wird. Zudem dürften die Produktionseinbußen deutlich größer sein als geschätzt, wenn sich die Engpässe bei der Lieferung von Vorprodukten zuspitzen statt entspannen.

Die Angst vor der Inflation

01.06.2021 | 06:25 min
Eine weitere "Unsicherheit" gehe zudem von der künftigen Finanzpolitik der neuen Regierung aus. Der Koalitionsvertrag sehe Anpassungen beim Steuer- und Abgabesystem, bei Investitionen und Sozialleistungen vor, die "kurzfristig die Konjunktur stimulieren könnten". Indes sei fraglich, ob der Kurs tatsächlich eingeschlagen und wie die Finanzierung der Mehrausgaben gelöst werde.

IWH erwartet 3,5 Prozent Wirtschaftswachstum

Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) rechnet indes mit einem Plus von 3,5 Prozent im Jahr 2022. Das IWH verwies am Dienstag ebenfalls auf die neue Pandemie-Welle und die Lieferengpässe. Das Verarbeitende Gewerbe leide "weiter überall unter Knappheiten bei der Güterproduktion und hohen Rohstoffpreisen".
Ab dem Frühjahr werde hingegen eine deutliche Zunahme des privaten Konsums erwartet, da sich die Infektionszahlen jahreszeitlich bedingt entspannen dürften.

Lieferengpässe dämpfen Maschinenbau-Erholung

Die Lieferengpässe belasten unter anderem die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer stark. Das Produktionswachstum schätzt der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) für dieses Jahr auf sieben Prozent - bisher war er von einem Plus von zehn Prozent ausgegangen.
Wir hätten mehr produzieren können, wären die verschiedenen Lieferengpässe nicht so hartnäckig gewesen.
Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA)

Maschinenbauer sind dem Branchenverband VDMA zufolge stark vom Materialmangel betroffen. 80 Prozent der Mitgliedsunternehmen berichteten von erheblichen Lieferproblemen.

14.12.2021 | 01:33 min
Quelle: AFP

Wirtschaft in Pandemie-Zeiten

Hintergründe zu Covid-19

Mehr

Die wichtigsten Daten zum Coronavirus

Aktuelle Nachrichten zur Corona-Krise