: Warum Musikverlage kaum Geld sehen werden

von Teresa Corceiro
19.12.2020 | 15:21 Uhr
Kulturbetriebe sind in der Corona-Krise, vielen geht das Geld aus. Novemberhilfe gibt es bis jetzt nicht. Und es wartet ein Problem, das vor allem Musikverlage betrifft.
Der November ist passé und die Novemberhilfen noch in weiter Ferne. Wir haben mit Künstlern in Leipzig gesprochen, wie sie ohne Engagements und Konzerte durch die Krise kommen.
Der Leipziger Krystallpalast ist eine Institution. In der Weihnachtszeit spielen in dem Varieté-Theater Artistinnen und Artisten aus aller Welt im größten Spiegelzelt der Welt. Damit macht Geschäftsführer Peter Matzke die Hälfte seines Jahresumsatzes. Normalerweise. Jetzt ist das Zelt leer.

Krystallpalast-Chef rechnet nicht mehr mit Geld in 2020

Hilfe könnte vom Staat kommen. Auf die schon Ende Oktober angekündigte Novemberhilfe reagiert Matzke mit bitterer Ironie: "Pfeilschnell", sagt er "gerade drei Wochen später stand ein Formular online".
Unsere Themen: Musikhochschule und Moral, die Beethoven-Graphic-Novel "Der Goldjunge", Novemberhilfen für Künstler und die Schriftstellerin Monika Maron.
Matzke steht vor einem bürokratischen Ungetüm, und obwohl er rasch seinen Antrag eingereicht hatte, bekam er bislang: nichts. "Wir haben noch keinen Pfennig, wir werden wahrscheinlich in diesem Jahr auch nichts mehr kriegen", sagt Matzke.

Sorge um Novemberhilfen auch in der Musikbranche

Finanzielle Hilfe verspricht der Staat Unternehmen, die durch den Teil-Shutdown Umsatzeinbußen haben – und plant 30 Milliarden Euro ein. Doch das Geld lässt auf sich warten.
Überall da, wo Musik gespielt wird, bei Liveauftritten, in Clubs und Restaurants, im Fitnessstudio oder im Kino, bekommen die entsprechenden Musikverleger*innen Geld dafür, dass die von Ihnen verlegte Musik gespielt wird. In diesem speziellen Segment macht sich für Barthel ein Webfehler des Hilfsprogramms der Bundesregierung bemerkbar: Weil "Konzerttantiemen immer erst mit einem zeitlichen Versatz ausgezahlt werden, realisieren sich diese Umsatzverluste erst in den Folgejahren".
Strukturbedingt haben die Musikverleger*innen derzeit nur eine kleine Krise. Noch. Denn die Ausschüttungen für das Jahr 2019 sind erst in diesem Jahr geflossen. Heißt: Im kommenden Jahr kommt dann wegen der Corona-Krise keine Ausschüttungen für 2020. Und Hilfe vom Staat?

Musikverleger-Verband: Geld und Schock kommen zeitversetzt an

Birgit Böcher, Geschäftsführerin des Deutschen Musikverleger-Verbands ist in Sorge: "nicht nur das Geld kommt zeitversetzt an, sondern auch der Schock." Sie befürchtet eine Pleitewelle in ihrer Branche.
Im nächsten Jahr wird es viele treffen, ein Großteil wird die Schäden der Krise erst zu spüren bekommen, wenn sich die restliche Wirtschaft wieder erholt haben wird
Birgit Böcher, Geschäftsführerin Deutscher Musikverleger-Verband
Rajk Barthel hat die große Befürchtung, "dass dann keinerlei Hilfen mehr zur Verfügung stehen werden und das ist dann schon existenzbedrohlich".
In ähnlichem Umfang sind von diesem Problem auch Musikautor*innen betroffen, denn auch sie sind auf Tantiemen angewiesen. Der Verband der Musikverleger hofft auf eine Korrektur durch die Politik "Uns wäre geholfen, wenn es im nächsten Jahr noch Hilfen gäbe", sagt Birgit Böcher. Ob sich im Superwahljahr noch ein Politiker daran erinnern wird?
Langfristig helfe der Kulturbranche "auch eine Novemberhilfe nicht", so Jens Michow (BDKV) im Gespräch mit dem Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Linke) im moma vor Ort.

Fallstrick Steuerberatung im Antragsverfahren

Für Betriebe hält das Antragsverfahren auf Staatshilfe noch einen weiteren Fallstrick bereit. Denn ohne Steuerberater*in geht es nicht. Nicht nur, weil die Anträge hochkomplex sind, sondern auch, weil die Fachleute die Richtigkeit der Angaben testieren müssen. Und das kostet Geld.
Kleinere Unternehmen müssen sich daher sehr genau überlegen, ob sich ein Antrag auf Novemberhilfe für sie lohnt. Denn unter Umständen werden die Kosten für den Steuerberater die geleisteten Hilfen wieder auffressen.
Quelle: ZDF

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