: Wachstumsprognose für 2021 gesenkt

15.04.2021 | 11:22 Uhr
In ihrem Frühjahrsgutachten korrigieren die Wirtschaftsinstitute ihre Prognose für 2021 deutlich nach unten. Angesichts der Corona-Krise raten sie zu einem höheren Rentenalter.
Wirtschaftsforscher senken BIP-Prognose für 2021 um einen Punkt auf 3,7 ProzentQuelle: dpa
Die führenden Wirtschaftsinstitute senken ihre Prognose für das Wachstum der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr wegen der dritten Corona-Welle deutlich.
Sie rechnen nur noch mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 3,7 Prozent, wie aus der Gemeinschaftsdiagnose für die Bundesregierung hervorgeht.
Im Herbst waren sie noch von 4,7 Prozent ausgegangen, doch ist Europas größte Volkswirtschaft wegen der Corona-Beschränkungen wohl schwächer als erwartet ins Jahr gestartet.

Erholung der Wirtschaft durch Impfen

Sobald die Infektionsgefahren in erster Linie durch das Impfen gebannt seien, werde eine kräftige Erholung einsetzen, erklären die Ökonomen in ihrem Frühjahrsgutachten.
Für 2022 erhöhten sie deshalb ihre Wachstumsprognose, und zwar von 2,7 auf 3,9 Prozent. Dann solle vor allem der private Konsum zur Erholung beitragen, während im laufenden Jahr besonders die Exporte die Konjunktur stützen dürften - vor allem wegen der höheren Nachfrage aus den USA und China.
2020 war das Bruttoinlandsprodukt wegen der Corona-Krise um 4,9 Prozent eingebrochen.
Die Entwicklung der Pandemie ist weiterhin das bedeutendste Abwärtsrisiko für die Prognose,
warnen die Forscherinnen und Forscher. "Nach wie vor kann es bei der Lieferung von Impfstoffen und Tests zu Engpässen und Verzögerungen kommen."
Auch könnten neue Virus-Mutation die Öffnung der Wirtschaft stoppen, was die Erholung abermals zurückwerfen würde.

Anhebung des Rentenalters wegen Corona-Krise

Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute raten angesichts der in der Corona-Krise steigenden Staatsschulden und der alternden Bevölkerung zu einem höheren Rentenalter in Deutschland.
Denn: Es werde eine Herausforderung, die Staatsfinanzen nach der Pandemie wieder auf eine solide Basis zu stellen. Vor allem die perspektivisch steigenden Ausgaben für die Rentenversicherung spielten dabei eine große Rolle.
Die eleganteste Lösung wäre eine langsame, schrittweise Erhöhung des Renteneintrittsalters.
Oliver Holtemöller vom Institut für Wirtschaftsforschung (IWH)
Ein höheres Rentenalter könne die Staatsfinanzen stützen, ohne bei wichtigen Zukunfts-Investitionen auf die Bremse treten zu müssen.

Institute gehen von Fortsetzung des Shutdowns aus

In ihrer Prognose gehen die Institute davon aus, dass der derzeitige Shutdown zunächst fortgesetzt wird und dabei auch die zuletzt erfolgten Lockerungen wieder weitgehend zurückgenommen werden. Erneute Lockerungsschritte würden erst ab Mitte des zweiten Quartals erwartet, eine Aufhebung der Beschränkungen dann bis zum Ende des dritten Quartals.
Mit den dann erwarteten Lockerungen dürfte die Erholung der Beschäftigung an Fahrt gewinnen.
Etwa Anfang kommenden Jahres dürfte die Wirtschaft zur Normalauslastung zurückkehren, erwarten die Institute.
Auch der Ausbildungsmarkt ist von der Krise betroffen – Es gibt knapp zehn Prozent weniger Verträge als im Vorjahr. ZDF-Börsenexpertin Valerie Haller über die möglichen Gründe.

Zahl der Insolvenzen könnte steigen

Neue Konjunkturprogramme sind aus Sicht der Institute wegen der erwarteten kräftigen Erholung nicht nötig. Bis zum Sommer müssten die Unternehmen noch unterstützt werden, dafür seien aber in den bestehenden Programmen noch genügend Mittel vorhanden.
Sobald die staatlichen Hilfsmaßnahmen auslaufen, könnte auch die Zahl der Insolvenzen stark steigen. Die bisher niedrigen Zahlen an Unternehmenspleiten seien wohl vor allem auf die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen und das Aussetzen der Anmeldepflicht für Insolvenzen zurückzuführen, heißt es.

Defizit der öffentlichen Haushalte größer als 2020

Die öffentlichen Haushalte dürften in diesem Jahr ein Defizit aufweisen, das mit 159 Milliarden Euro etwas größer wäre als 2020. Zwar sollten konjunkturellbedingt die Steuereinnahmen zunehmen. Dem stünden jedoch Ausgaben für Impfungen und Tests gegenüber.
Erarbeitet wird das Gutachten federführend vom RWI in Essen, vom Berliner DIW, vom Ifo-Institut in München, vom Kieler IfW und vom IWH in Halle.
Quelle: rtz, dpa

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