IW: November-Lockdown kostet 600.000 Stellen

01.11.2020 | 07:27 Uhr
Laut Berechnungen des IW kostet der Lockdown im November Hunderttausende Arbeitsplätze. Das DIW rechnet zusätzlich mit zahlreichen Fimenpleiten.
November-Lockdown in der Corona-Krise: Das kommt der Wirtschaft teuer zu stehen, prognostizieren verschiedene Wirtschafts-Institute. Quelle: dpa
Der Lockdown im November wird nach Berechnungen des Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln dramatische Folgen für Wirtschaft und Arbeitsplätze haben. "Der Lockdown light bis Ende November, den wir jetzt haben, wird das BIP voraussichtlich um einen Prozentpunkt senken", sagte IW-Direktor Michael Hüther der "Bild am Sonntag".
Das mahnt Gesundheitsminister Spahn in der Corona-Krise. „In einer Jahrhundertsituation geht es ohne staatliche Maßnahmen nicht“. Wichtig sei, dass Kitas und Schulen offen blieben, so Spahn. Auch Kliniken sollten keine wirtschaftlichen Schäden erleiden.
Demnach werden für dieses Jahr dadurch rund 591.000 Menschen ihren Job verlieren, im nächsten Jahr noch einmal 15.000 Menschen - "vorausgesetzt, der Lockdown geht wie angekündigt zu Ende." Dauere der Lockdown noch länger, könnte das BIP um zwei Prozentpunkte sinken, so Hüther weiter.
"Dann können wir für nächstes Jahr mit 180.000 zusätzlichen Arbeitslosen rechnen." Zudem verursache das wiederholte Ab- und Anschalten weiter Teile einer Volkswirtschaft strukturelle Schäden. "Die daraus folgenden Verluste müssten hinzuaddiert werden."

DIW: Lockdown im November kostet 19,3 Milliarden Euro

Auch nach Berechnungen des DIW-Instituts kommt der ab Montag geltende einmonatige Lockdown infolge der Corona-Krise der deutschen Wirtschaft teuer zu stehen. Er werde ihr rund 19,3 Milliarden Euro kosten, ermittelte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) für die "Welt am Sonntag".
Betroffene Bereiche:
  • Gastronomie und Hotels: 5,8 Milliarden Verlust
  • Industrie: 5,2 Milliarden Euro Verlust
  • Sport, Kultur und Unterhaltung: 2,1 Milliarden Euro Verlust
  • Handel: 1,3 Milliarden Euro Verlust
Ein Großteil der übrigen Summe entfällt auf Unternehmensdienstleister, Logistikunternehmen und auch Kinobetreiber.
Restaurants schließen nun zum zweiten Mal. Für Gastronomen heißt es weiterzukämpfen - gegen das Virus, für die Gäste und das eigene Geschäft.

DIW-Chef Fratzscher: Zahl der Firmenpleiten und Insolvenzen durch Corona wird steigen

Auch auf dem Arbeitsmarkt dürfte der Lockdown laut DIW ausstrahlen - aber nicht so stark wie nach den Prognosen des IW. Die Zahl der Beschäftigten wird nach der Prognose des DIW im laufenden vierten Quartal um knapp 100.000 sinken. Die Zahl der Kurzarbeiter werde bis Ende des Jahres um 400.000 auf 3,2 Millionen steigen. Im kommenden Jahr erwarten die Forscher eine deutliche Erholung:
Wir gehen davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt 2021 wieder deutlich wird zulegen können – allerdings nur, wenn die zweite Infektionswelle bald gestoppt werden kann.
Marcel Fratzscher, DIW-Präsident
Gleichzeitig dürfte sowohl die Zahl der Firmenpleiten als auch die der Arbeitslosen steigen. Letztere wird aktuell noch durch die Kurzarbeit abgemildert.
Quelle: AFP, dpa

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