: Strom und Gas: Grundtarif kann sparen helfen

von Mischa Ehrhardt
24.09.2022 | 14:25 Uhr
Verbraucherschützer haben Preise bei Gas und Strom verglichen. Und dabei herausbekommen: Es kann sich durchaus lohnen, in den Grundversorgungstarif seiner Region zu wechseln.
Teures Heizen: Ein Tarifwechsel kann mitunter Geld sparenQuelle: imago
Wer sich in diesen Tagen Gedanken über den günstigsten Gas- oder Stromtarif macht, stößt auf allerlei Unwägbarkeiten. Im Selbstversuch steuert der Autor zunächst online seinen Versorger an, die Mainova in Frankfurt. Nach Eingabe der Postleitzahl erscheint nicht der erwartete Stromtarif für ein Jahr, sondern die Aufforderung, sich telefonisch beraten zu lassen.
"Leider sind wir aufgrund der aktuellen Lage nur eingeschränkt erreichbar, und es kann zu längeren Wartezeiten kommen", teilt die angenehm klingende Computerstimme mit. Nach zehn Minuten ist dann ein Kundenberater zur Stelle: Mein aktueller Tarif sei um vier Cent pro Kilowattstunde günstiger als der Grundversorgungstarif. Daher bestehe kein Grund, etwas zu ändern, sagt der ebenfalls freundliche Kundenberater.

Verbraucherzentrale: Meist günstigere Grundversorgung

Kein Wunder, denn es handelt sich um einen Vertrag, der mittlerweile einige Jahre auf dem Buckel hat. Daher gelten für heutige Zeiten vergleichsweise günstige Konditionen. Bei Verträgen für Neukunden sieht das anders aus.
Und da lohnt sich ein Blick auf die Tarife der Grundversorgung durchaus. Das hat die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in einer Untersuchung herausgefunden. Ergebnis: Neukunden müssen für die angebotenen Sondertarife meist mehr bezahlen als für den aktuellen Tarif in der Grundversorgung.

Grundtarif früher oft die teurere Wahl

Der Grundversorger ist das Unternehmen vor Ort in der Region, das die meisten Haushaltskundinnen und -kunden mit Strom und/oder Gas beliefert. Bezieht man beispielsweise eine neue Wohnung ohne einen speziellen bestehenden Vertrag mit einem Energielieferanten, so landet man automatisch beim Grundversorger zum Grundversorgungstarif, sobald man das Licht oder die Heizung anmacht.
Früher hat man sich damit allerdings keinen Gefallen getan - denn der Grundversorgungstarif war fast immer teurer als die von Stadtwerken und Versorgern angebotenen alternativen Angebote und Tarife. "Das ist schon erstaunlich. Denn wir haben ja lange Zeit beklagt, dass der Grundversorgungstarif meistens so teuer ist", sagt Aribert Peters im Gespräch mit ZDFheute. Er ist Vize-Vorsitzender des Bundes der Energieverbraucher.

Verbraucherschützer: Wechsel in vielen Fällen sinnvoll

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat die Grundversorgungstarife in NRW verglichen. Dabei haben die Verbraucherschützer festgestellt: Bei Gas liegt die Preisspanne für Neukundinnen und -kunden pro Kilowattstunde zwischen knapp 7 und gut 32 Cent. Der teuerste Grundversorgungstarif kostet also rund viereinhalb Mal so viel wie der billigste. Bei Strom liegt die Spanne bei zwischen 27 und knapp 80 Cent.
So enorme Unterschiede sind verwunderlich, ...
Udo Sieverding, Verbraucherzentrale NRW
... sagt Udo Sieverding, Leiter des Bereichs Energie bei der Verbraucherzentrale NRW. "Der Wechsel von einem teuren Sondertarif in die Grundversorgung kann daher in vielen Fällen sinnvoll sein."

Tarif oft schwer zu finden

Das gilt umso mehr, als dass nach neuer Rechtslage in der Grundversorgung bei den Preisen nicht mehr nach Bestands- und Neukundinnen und -kunden unterschieden werden darf. Allerdings ist es mitunter nicht einfach, den Grundversorgungstarif herauszufinden. Denn bei einigen Versorgern ist der entweder auf den Internetseiten nicht direkt angegeben oder nur schwer zu finden.
Wer sich beispielsweise bei Eon in Hamburg auf den Internetseiten bis zum Grundversorgungstarif für Gas durchgeklickt hat, findet dort die Kilowattstunde zu unter 20 Cent. Wer bei Eon die gewöhnliche Suche nach Tarifen beschreitet, bekommt dagegen nur ein "Angebot" von über 50 Cent pro Kilowattstunde präsentiert. Bei Eon heißt es, das liege daran, dass Grundversorgungstarife nicht bundesweit angeboten werden. Dann darf man allerdings fragen, weshalb die Seite das Angebot von rund 50 Cent angibt, wenn man eine konkrete Postleitzahl für Hamburg eingibt.
Jedenfalls lautet die Devise für Verbraucherinnen und Verbraucher mit Blick auf Versorgungstarife mehr denn je:
Augen offenhalten, nachfragen und vergleichen.
Aribert Peters, Bundes der Energieverbraucher
Dazu rät Aribert Peters vom Energieverbraucherbund. Das gilt vor allem dann, wenn die in vielen Fällen erst bevorstehenden Preiserhöhungen von Versorgern und Stadtwerken ins Haus flattern. Denn dann haben Kund*innen ein Sonderkündigungsrecht für ihre Verträge.

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