Grafiken

: Vom fossilen zum Ökostrom

von Moritz Zajonz und Kathrin Wolff
17.08.2022 | 10:11 Uhr
Deutschland will unabhängig werden von fossiler Energie. Wie der Stand der Stromversorgung und Gasspeicher ist und der Ausbau des Ökostroms vorangeht, ein Überblick in Grafiken:
Deutschland will unabhängig werden von fossiler Energie, hin zu mehr Ökostrom.Quelle: dpa/Mia Bucher/ZDF
Um unabhängig von fossilen Brennstoffen zu werden, muss die Energie woanders herkommen. Dabei muss unterschieden werden zwischen Energie für den Strom- und den Wärmemarkt: Klimafreundliche Technologien wie Wärmepumpen sind noch nicht besonders verbreitet; viele Privathaushalte heizen immer noch mit Gas. Dementsprechend gering ist der Anteil der erneuerbaren Energien am Wärmemarkt mit etwa einem Siebtel.
Am Strommarkt sieht es anders aus: Ein Teil kommt aus Atomkraftwerken, in den letzten Jahren war das etwa ein Siebtel bis ein Achtel des öffentlichen Stroms, das heißt ungeachtet der Stromerzeugung für die Industrie. Bis zum Ende dieses Jahres sollen die restlichen AKWs jedoch abgeschaltet werden. Ökostrom macht aktuell etwa die Hälfte der Stromerzeugung aus.
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Erneuerbare Energien kommen momentan vor allem aus Windanlagen, gefolgt von Solarkraft und Biomasse. Wasserkraft spielt in Deutschland nur eine geringe Rolle. Auch wenn der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung in den letzten Jahren stetig zugenommen hat, kommen aktuell noch immer etwa 40 Prozent des öffentlichen Stroms aus Kohle oder Gas.
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Wie voll sind unsere Gasspeicher?

Die Speicher für Gas sollen jetzt zügig zur Vorbereitung auf den nächsten Winter gefüllt werden. Dazu hat Deutschland kürzlich Fristen für bestimmte Füllstände beschlossen. Der Grund sind Drohungen Russlands, den Gashahn zuzudrehen, wegen militärischer Unterstützung der Ukraine.
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Neben dieser kurzfristigen Reaktion soll die Abhängigkeit vom Import fossiler Energieträger künftig auch durch den Ausbau der erneuerbaren Energien reduziert werden: Auf den Wind und die Sonne kann es schließlich kein Embargo geben.
Über die Windenergie wird viel diskutiert. Sie ist aktuell allein für etwa die Hälfte des Ökostroms verantwortlich und machte vergangenes Jahr etwa ein Viertel der öffentlichen Stromerzeugung aus.
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Doch der Ausbau der Erneuerbaren geht nur schleppend voran. Die häufig diskutierten Höhenregeln in Bundesländern wie Bayern machen es schwer, weitere Windparks zu bauen. Sie geben einen Mindestabstand zu Siedlungen an, der mindestens die zehnfache Größe der Windräder betragen muss. Um die angepeilten zwei Prozent der Fläche eines jeden Bundeslandes für Windenergie zur Verfügung stellen zu können, hat Bayern die Regelung kürzlich jedoch gekippt und lässt Ausnahmen zu. Die zwei Prozent hat bislang nur Schleswig-Holstein geschafft, die meisten anderen Bundesländer sind noch weit entfernt.

Kaum Fortschritt beim Ausbau der erneuerbaren Energien

Der Ausbau der erneuerbaren Energien, der nötig wäre, um bis zum Jahr 2020 65 Prozent weniger Treibhausgase auszustoßen, bleibt aktuell weit hinter den Zielen zurück. Für 2022 heruntergebrochen hat Deutschland bis Ende März lediglich 12,8 Prozent des nötigen Ausbaus erreicht:
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Ein großes Problem bei Windenergie: Wind ist sehr wechselhaft. Dass der Ökostromanteil 2021 zum ersten Mal seit Jahren geringer war als im Jahr davor, wird unter anderem auf ein windschwaches Wetter zurückgeführt.
Die Solarenergie hatte 2021 meist weniger Anteil an der Stromproduktion als Windparks, dafür schwankte sie planbarer und deutlich weniger stark. Sie schwankt vor allem im Rhythmus der Tages- und Jahreszeiten, im Winter gibt es nahezu keine Solarenergie. In der folgenden Grafik können Sie tagesaktuell verfolgen, wie viel Anteil Wind und Sonne an der Stromproduktion haben:
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Der Netzausbau spielte gerade bei der Verteilung des Stroms aus Windkraft aus dem Norden Deutschlands immer wieder eine wichtige Rolle. Aktuell sei der Netzausbau noch nicht für die Klimaneutralität geplant, sagt Christoph Kost auf Anfrage von ZDFheute. Er ist Gruppenleiter für Energiesysteme und Energiewirtschaft am Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme.
"Allerdings liegen die tatsächlichen Barrieren stärker in einer gravierenden Beschleunigung von Genehmigungsverfahren beim Windausbau", sagt er. Das Genehmigungsverfahren sollte auf ein Jahr verkürzt werden. Und bei der Solarkraft “müssen alle hemmenden Maßnahmen wie komplizierte Regelungen bei Mieterstrom, steuerliche Fragen sowie Netzanschlussfragen aufs nötigste reduziert werden."