: Euro rutscht auf 20-Jahres-Tief

22.09.2022 | 09:55 Uhr
Die US-Notenbank legt beim Leitzins nach - mit Folgen für viele Länder: Der Euro fällt weiter. Und vor allem für ärmere Staaten könnte der Zinsschritt die Probleme verschärfen.

Die US-Notenbank FED hebt den Leitzins mit weiteren 0,75 Prozentpunkten deutlich an. Dies ist die dritte Zinserhöhung in vier Monaten. Die Konjunkturprognose hat die FED gesenkt.

22.09.2022 | 00:25 min
Der Euro steht an den Finanzmärkten weiter unter Druck. In der Nacht auf Donnerstag fiel die Gemeinschaftswährung bis auf 0,9809 US-Dollar - der tiefste Stand seit etwa 20 Jahren.
Belastet wird der Euro - wie viele andere Währungen auch - durch den starken Dollar. Die US-Währung profitiert zum einen von der straffen Geldpolitik der US-Notenbank Fed. Die erhöhte wegen der hohen Inflation ihren Leitzins am Mittwochabend zum dritten Mal in Folge kräftig um 0,75 Prozentpunkte auf die neue Spanne von 3,00 bis 3,25 Prozent.
Zum anderen ist der Dollar wegen der zunehmend trüben geopolitischen Lage gefragt. Vor allem das schlechte Verhältnis zwischen dem Westen und Russland treibt Anleger in den sicheren Hafen US-Dollar.

Importe und Kredite teurer

Für andere Länder können steigende US-Zinssätze zum Problem werden. Denn nicht nur Importe werden teurer, sondern auch die Bedienung von Krediten. Die straffe Geldpolitik der US-Notenbank bekommen vor allem einkommensschwächere Länder zu spüren, die sich während der Pandemie hoch verschuldet und Dollar-Kredite aufgenommen haben - selbst aber keine Dollars verdienen. Hohe Zinsen verteuern diese Kredite.

In ganz Europa steigen die Preise nicht nur für Lebensmittel, Strom und Gas. Auch die Mieten ziehen kräftig an. Wie gehen Österreich, Polen und Belgien damit um?

22.09.2022 | 03:14 min
Seit Monaten warnt die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Kristalina Georgiewa, vor einer Schuldenkrise für Länder mit mittlerem und niedrigem Einkommen. "Wir müssen erkennen, dass es eine tektonische Verschiebung gibt", hatte sie im Juli erklärt. Die Welt sei schockanfälliger geworden. Mit den Zinserhöhungen der Zentralbanken verschärften sich die globalen Finanzbedingungen stärker als bisher angenommen.
Inflation und steigende Zinssätze bringen viele Länder in Zentralasien, Lateinamerika und südlich der Sahara in Afrika schon jetzt in Nöte. Hinzu kommt, dass bei hohen Zinsen in den USA Kapital aus Entwicklungs- und Schwellenländern abfließen kann. Anleger könnten sich dazu entscheiden, auf den attraktiveren US-Markt auszuweichen.

Droht Entwicklungsländern neue Finanzkrise?

In einkommensschwachen Ländern kann die US-Zinspolitik eine ernsthafte Wirtschaftskrise auslösen, wie die Geschichte zeigt: Die Folgen des sogenannten Volcker-Schocks sind dabei besonders in Erinnerung geblieben. Der damalige Fed-Chef Paul Volcker erhöhte in den 1980er Jahren im Kampf gegen die Inflation drastisch die Zinsen, das Wirtschaftswachstum in den USA wurde gebremst. Das riss aber auch andere Volkswirtschaften mit nach unten. Länder wie Mexiko und Chile schlitterten in eine schwere Schuldenkrise. In Lateinamerika sprach man gar von einem verlorenen Jahrzehnt.

Steigende Energie- und Lebensmittelpreise treffen diejenigen besonders hart, die ohnehin schon wenig haben.

20.09.2022 | 02:32 min
Ökonominnen und Ökonomen warnen davor, dass sich diese Szenarien wiederholen könnten. "Hohe Inflation, steigende Zinssätze und ein sich verlangsamendes Wachstum haben die Voraussetzungen für Finanzkrisen geschaffen, wie sie Anfang der 1980er Jahre eine Reihe von Entwicklungsländern heimgesucht haben", schrieben Sebastian Essl und Marcello Estevão von der Weltbank bereits im Juni.

Nächster Zinsschritt schon in Sicht?

An den Märkten wird bereits auf einen vierten US-Zinsschritt im November spekuliert. Die Währungshüter signalisierten, dass sie nachlegen könnten. Fed-Chef Jerome Powell erklärte:
Ohne Preisstabilität funktioniert die Wirtschaft für niemanden.
Jerome Powell, Fed-Chef
Man wolle "handfeste Beweise sehen, dass die Inflation sinkt", so Powell.
Quelle: dpa, Reuters

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