: Konjunktur: Ifo-Geschäftsklima fällt erneut

24.11.2021 | 13:13 Uhr
Deutschlands wichtigstes Konjunkturbarometer sinkt erneut - Lieferengpässe und die vierte Corona-Welle machen den Unternehmen zu schaffen. Schrumpft die Wirtschaft weiter?
Die Hoffnung auf ein gutes Weihnachtsgeschäft haben viele Händler aufgegeben.Quelle: Markus Scholz/dpa
Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im November erneut verschlechtert. Das Ifo-Geschäftsklima, Deutschlands wichtigstes Konjunkturbarometer, fiel gegenüber dem Vormonat um 1,2 Punkte auf 96,5 Zähler, wie das Ifo-Institut am Mittwoch in München mitteilte.
Es ist der fünfte Rückgang in Folge. Analysten hatten im Schnitt mit einem etwas moderateren Rückgang gerechnet. Ökonomen deuteten die Resultate als Zeichen wirtschaftlicher Stagnation, schlimmstenfalls sogar Schrumpfung. Ifo-Präsident Clemens Fuest kommentierte: .
Lieferengpässe und die vierte Corona-Welle machen den Unternehmen zu schaffen,
Clemens Fuest, Ifo-Präsident
Die befragten Firmen bewerteten sowohl die aktuelle Lage als auch die Zukunftsaussichten ungünstiger als im Vormonat.

Im Vergleich: Frankreichs Wirtschaft zuversichtlicher

Das Geschäftsklima trübte sich in allen betrachteten Wirtschaftsbereichen ein. Im Gegensatz zur stark exportorientierten deutschen Wirtschaft sind die französischen Unternehmen zuversichtlicher. Das Geschäftsklima hellte sich im November nach Zahlen vom Mittwoch auf und liegt sowohl über dem vor der Corona-Krise verzeichneten Niveau als auch über seinem langfristigen Durchschnitt.
Auch im Oktober ist der Ifo-Geschäftsklimaindex gesunken.
Die Lieferprobleme und die hohen Einkaufspreise belasteten die deutsche Wirtschaft offenbar stärker als die französische, kommentierte Ökonom Ralf Umlauf von der Landesbank Hessen-Thüringen.

Preissteigerungen bei Rohstoffen - Lieferengpässe weltweit

Schon seit längerem leiden die deutschen Unternehmen unter erheblichen Engpässen im weltweiten Warenhandel, die bei vielen Rohstoffen und Vorprodukten zu kräftigen Preissteigerungen geführt haben. Zum überwiegenden Teil sind die Engpässe eine Folge der Corona-Pandemie. Verstärkt wird die Belastung durch die sich eintrübende Corona-Lage mit stark steigenden Neuinfektionen. Zahlreiche Bundesländer haben bereits damit begonnen, schärfere Corona-Beschränkungen einzuführen.
Die Zeichen stünden mittlerweile auf Schrumpfung der deutschen Wirtschaft, warnte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, mit Blick auf das Schlussquartal des laufenden Jahres. Vor kurzem sei noch von einer Stagnation ausgegangen worden, mittlerweile sei ein Rückgang des Bruttoinlandsprodukts wahrscheinlich. Auch Jörg Krämer, Chefökonom der Commerzbank, äußerte sich pessimistisch:
Die deutsche Wirtschaft dürfte im Winterhalbjahr bestenfalls stagnieren.
Jörg Krämer, Chefökonom Commerzbank
Die Weltwirtschaft ist aus dem Tritt geraten. Waren können nicht geliefert werden, Energiepreise steigen – und mit ihr die Inflation. Sie liegt dieses Jahr bei drei Prozent. Besserung erwarten die Wirtschaftsforscher erst im kommenden Jahr.
DIHK-Präsident Peter Adrian sagte:
Mit der Absage von Weihnachtsmärkten, der Stornierung von Weihnachtsfeiern und Übernachtungen erleben ganze Branchen ein ähnliches Szenario wie im Vorjahr.
Peter Adrian, DIHK-Präsident
Es treffe vor allem die, die normalerweise 30, 40 Prozent ihres Umsatzes oder mehr in diesen Wochen erzielten. Dass sie die aktuellen Verluste steuerlich nur mit dem Corona-Jahr 2020 verrechnen dürften, sei dabei weder ein Trost noch eine Hilfe. "Wir brauchen da einen stärkeren Blick für die praktischen Probleme und eine belastbare Perspektive", forderte er.
Quelle: dpa

Mehr zum Thema Konjunktur