: Inflationsrate in den USA gibt leicht nach

von Sina Mainitz
14.09.2021 | 17:13 Uhr
In den USA ist die relativ hohe Inflationsrate im August im Vergleich zum Wert des Vormonats minimal zurückgegangen. Sie bleibt aber auf hohem Niveau. Ein Überblick.
Viele Analysten hatten einen leichten Rückgang der Inflationsrate im August erwartet. Quelle: dpa
Sie ist und bleibt ein Dauerthema – die Inflationsrate: Vielleicht nicht direkt aber indirekt betrifft sie alle in Form von steigenden Preisen. Heute kam in den USA die Inflationsrate für den Monat August heraus: sie ist minimal gesunken und liegt bei 5,3 Prozent. Im Juli dieses Jahres war sie noch bei 5,4 Prozent.
Das wurde zwar in etwa so erwartet und der leichte Rückgang lässt einen minimal aufatmen, dennoch setzt sie die US-Notenbank Fed weiter unter Zugzwang. Denn über fünf Prozent Teuerung ist weit mehr, als die US-Notenbank anstrebt. Das sind nämlich rund zwei Prozent. Die US-Notenbank pumpt monatlich Milliarden Dollar durch Anleihenkäufe in den Geldkreislauf, um die Konjunktur anzukurbeln.
Doch das viele, billige Notenbankgeld lässt die Preise steigen.

Inflation, wie bitte?

Blicken wir nach Deutschland: Obwohl die Inflationsrate hierzulande so oft in den Nachrichten thematisiert wird, wissen 44 Prozent der Jugendlichen nicht, was sie bedeutet. Wenn es um wirtschaftliche Themen geht, haben Deutschlands Jugendliche offenbar beträchtliche Bildungslücken, wie eine Umfrage des Bankenverbandes zeigt.
Er hat eine Studie mit 700 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 24 Jahren durchgeführt. Für alle: Der Begriff "Inflation" beschreibt den durchschnittlichen Anstieg des Preisniveaus innerhalb eines bestimmten Zeitraums.

Was treibt die Preise nach oben?

Die Liste der Faktoren, die die Inflationsrate steigen lässt, ist lang. In Deutschland liegt die Teuerungsrate inzwischen bei 3,9 Prozent. Getrieben wird sie vor allem von hohen Energie- und Nahrungsmittelpreisen. Im August sind die Preise so stark gestiegen, wie seit 28 Jahren nicht mehr. Noch gravierender sieht es bei den Großhandelspreisen aus.
Sie sind so teuer wie seit 1974 nicht mehr. Ein starker Anstieg der Erzeugerpreise dürfte langfristig auch zu höheren Preisen an der Supermarktkasse führen. Verbraucher müssen wohl weiter tiefer in die Tasche greifen. 

Wie soll das weitergehen?

Es spricht vieles dafür, dass die Inflation sich kommendes Jahr wieder etwas abschwächen wird. Ökonomen erwarten eine gewisse Normalisierung der Lage nach der Krise. Allerdings sollten Verbraucher nicht damit rechnen, dass die Inflationsrate in Deutschland wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht. 20 Jahre lang war der Preisanstieg moderat. Im Jahr 2019 lag die Inflationsrate im Jahresdurchschnitt bei 1,4 Prozent. Das kann man sich momentan kaum noch vorstellen.
Kommendes Jahr könnten dann die Löhne für die Inflation ganz entscheidend werden. Die Lohnentwicklung spielt für die Inflation eine wichtige Rolle. Durch den Fachkräftemangel ist Arbeit knapp. Arbeitnehmer können höhere Löhne fordern und die wiederum würden zu höheren Kosten für die Betriebe führen. Hinzu kommt nach wie vor der Rohstoffmangel. Auch diese Knappheit der Güter sorgt für steigende Preise.
Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal etwas stärker gewachsen als erwartet – trotz Corona. Doch die Industrie klagt über Lieferkettenprobleme und schlechte Infrastruktur.

Börsianer entspannen sich

Es hätte schlimmer kommen können, so der Tenor der Börsianer in Frankfurt, nachdem die US-Inflationsrate veröffentlicht wurde. Weil der starke Preisauftrieb in den USA im August leicht nachgelassen hat, könnte die US-Notenbank Fed mit der Drosselung der Wertpapierkäufe noch etwas warten, spekulieren Börsianer. Sie atmen erst einmal auf.
Die Preissteigerungsdaten für August deuten darauf hin, dass die Inflation in den USA ihren Höchststand erreicht haben könnte. In Deutschland ist fraglich, ob die 3,9 Prozent Teuerungsrate derzeit schon das Ende der Fahnenstange sind.

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