Wirtschaft erholt sich langsamer als erwartet

14.10.2020 | 15:06 Uhr
Die Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen wegen der Corona-Krise mit einem längeren Aufholprozess der deutschen Wirtschaft. Das Niveau vor der Krise werde erst Ende 2021 erreicht.
Die deutsche Wirtschaft wird voraussichtlich erst Ende 2021 ihr Vorkrisenniveau erreichen. Der Einbruch aus dem Frühjahr sei zwar aufgeholt, dennoch erwarten die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute einen starken Rückgang des Bruttoinlandsprodukts.
Die deutsche Wirtschaft wird länger brauchen, um sich von den Corona-Folgen zu erholen. Die Pandemie hinterlässt laut Prognose deutliche Spuren in der Konjunktur und treffe diese härter als noch im Frühjahr angenommen.
Die Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen nun für das Jahr 2020 mit einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 5,4 Prozent.
Anfang April hatten die Institute damit gerechnet, dass das BIP in diesem Jahr um 4,2 Prozent schrumpft. Dies war aber kurz nach dem Ausbruch der Krise. Die Bundesregierung erwartet mittlerweile ein Minus von 5,8 Prozent. Das größte Risiko für die Prognose bleibe der ungewisse Pandemieverlauf. Die Infektionszahlen in Deutschland sind zuletzt stark gestiegen.

Ab 2021 Zuwachs um 4,7 Prozent

Für 2021 erwarten die Institute einen Zuwachs um 4,7 Prozent, statt wie im Frühjahr 5,8 Prozent. 2022 dürfte die Wirtschaftsleistung um 2,7 Prozent zulegen. Angesichts der Beschränkungen im Frühjahr im Kampf gegen das Virus war die Wirtschaftsleistung in Deutschland im zweiten Quartal eingebrochen.
Ein Gutteil des Einbruchs aus dem Frühjahr sei zwar schon aufgeholt, aber der verbleibende Aufholprozess stelle die mühsamere Wegstrecke zurück zur Normalität dar, so Stefan Kooths, Konjunkturchef des IfW Kiel.
Corona hat auch die deutsche Wirtschaft in eine Krise gestürzt und die ist schwerer als erwartet, sagen Wirtschaftsforscher. ZDF-Wirtschaftsexpertin Sina Mainitz hat die Details.

Veranstaltungbranche und Tourismus besonders von Corona betroffen

Gebremst werde die Erholung zum einen durch jene Branchen, die in besonderem Maße auf soziale Kontakte angewiesen seien - etwa Gaststätten und Tourismus, das Veranstaltungsgewerbe oder der Luftverkehr.
Die Arbeitslosenquote dürfte laut Prognose in diesem und im nächsten Jahr auf 5,9 Prozent steigen und 2022 leicht auf 5,5 Prozent zurückgehen. Die Konjunkturprogramme der Politik hätten dazu beigetragen, dass die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte selbst in der akuten Krisenphase insgesamt relativ stabil geblieben seien.
Der Immobilienmarkt ist ebenfalls von den Folgen der Pandemie betroffen. Gewerbeimmobilien schwächeln stark – Wohnimmobilien bleiben dagegen beliebt.

Altmaier plant neue Corona-Hilfen

Weil immer noch viele Betriebe durch die Krise stark belastet sind, will Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) bei Hilfen nachbessern. Es gehe darum, Unternehmen weiter zu helfen, coronabedingte Schwierigkeiten zu überwinden, sagte er am Mittwoch. So sollen die bisher bis zum Jahresende laufenden Überbrückungshilfen um ein halbes Jahr bis zum 30. Juni 2021 verlängert werden.
Die sogenannte Gemeinschaftsdiagnose der Institute wird zweimal im Jahr im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums erstellt, im Frühjahr sowie im Herbst. Beteiligt sind das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin, das Ifo-Institut in München, das Institut für Weltwirtschaft Kiel, das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle sowie das Essener RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung.
Quelle: dpa, AFP