Historischer Wirtschaftseinbruch in den USA

30.07.2020 | 18:03 Uhr
Die US-Konjunktur ist infolge der Corona-Krise in noch nie da gewesenem Ausmaß eingebrochen: Das Bruttoinlandsprodukt sank im zweiten Quartal aufs Jahr gerechnet um 32,9 Prozent.
Nicht nur in Deutschland, auch in den USA ist die Wirtschaft aufgrund der Corona-Krise deutlich geschrumpft. Dazu ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen aus Washington.
Die USA haben wegen der Coronavirus-Krise einen beispiellosen Konjunktureinbruch erlitten. Im zweiten Quartal ging das Bruttoinlandsprodukt aufs Jahr gerechnet um 32,9 Prozent zurück, wie die Statistikbehörde BEA am Donnerstag mitteilte. Das war der stärkste Einbruch seit Beginn der Statistik im Jahr 1947. Auch die Zahl der Arbeitslosen stieg erneut an.

"Künstlich aufs Jahr hochgerechnete Zahl"

Um Missverständnisse zu vermeiden, muss man beachten, dass in den USA die Wachstumsraten des BIP immer annualisiert angegeben, das heißt die Daten eines Quartals werden hypothetisch auf das ganze Jahr hochgerechnet. Die Statistiken sind demnach nicht vergleichbar mit der Entwicklung von einem Quartal zum nächsten, wie es beispielsweise bei den am Donnerstag in Deutschland veröffentlichten Konjunkturzahlen der Fall ist.
ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen spricht hier von einer "künstlich aufs Jahr hochgerechneten Zahl". Nach der in Europa gebräuchlichen Berichtsweise im Vergleich zum Vorquartal entspräche der Rückgang umgerechnet einem Minus von 9,5 Prozent.

Einschätzung zum Konjunktureinbruch - von Elmar Theveßen

Bernie Sanders steigt aus dem Rennen um die demokratische Präsidentschaftsnominierung aus. Quelle: ZDF
"Ja, es ist der schlimmste Quartalsabschluss seit 1875 und reflektiert, was passiert, wenn die amerikanische Wirtschaft quasi von jetzt auf gleich zum Stillstand kommt. Aber: die entscheidende Zahl ist der Rückgang um 9,5 Prozent. Denn die US-Wirtschaftsleistung ist eben nicht um 33 Prozent zurückgegangen, denn diese künstlich aufs Jahr hochgerechnete Zahl würde nur Wirklichkeit, wenn es in den nächsten drei Quartalen weitere vergleichbar hohe Abstürze gäbe. Tatsächlich ist das Einkommen der Amerikaner aufgrund der staatlichen Hilfen im Schnitt um 10 Prozent gestiegen.

Der Umsatz beim Kauf von Autos, Wohnmobilen, Freizeitprodukten kletterte ebenfalls deutlich. Das zeigt: Wenn die Wirtschaft wieder voll geöffnet wäre, könnte das vorhandene Geld durch massiven Konsum schnell wieder zur Erholung führen. Dafür aber müsste die Pandemie eingedämmt werden. Wenn sie weiter anhält und der Kongress die staatlichen Unterstützungsgelder auch noch zusammenstreicht, könnte es im nächsten Quartal noch schlimmer werden."

Elmar Theveßen leitet das ZDF-Studio in Washington.

Konsumausgaben bleiben aus

Der schwere Einbruch nun kommt den Daten nach vor allem durch deutlich weniger Konsumausgaben zustande, die etwa 70 Prozent der Konjunktur ausmachen. Die Konsumausgaben brachen unter anderem ein, weil Reisen nicht mehr möglich waren und beispielsweise Restaurants, Bars, Kulturstätten und Einzelhändler schließen mussten.

Millionen Amerikaner ohne Job

Auch vom Arbeitsmarkt gab es am Donnerstag erneut schlechte Nachrichten: Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe blieben auf historisch hohem Niveau. In der Woche bis einschließlich 25. Juli stellten 1,434 Millionen Menschen einen Neuantrag, wie das Arbeitsministerium mitteilte.
Die hohen Werte zeigen, dass sich die größte Volkswirtschaft der Welt trotz Lockerungen der Corona-Auflagen immer noch in einer schweren Krise befindet. Vor Beginn der Coronavirus-Pandemie war die Zahl der wöchentlichen Neuanträge selten über 100.000 gestiegen. Insgesamt nehmen derzeit rund 17 Millionen Menschen Arbeitslosenunterstützung in den USA in Anspruch.

Arbeitslosenhilfe läuft diese Woche aus

Die anhaltend hohe Zahl ist auch deswegen von Bedeutung, weil die zusätzliche Arbeitslosenhilfe des Bundes in Höhe von 600 Dollar pro Woche aus einem Corona-Hilfspaket vom März diese Woche ausläuft. Millionen Amerikanern steht daher ein enormer Einkommensverlust bevor.
Bislang haben sich die Regierung und die beiden Parteien im Kongress noch nicht auf eine Fortsetzung der Zahlungen im Rahmen eines neuen Hilfspakets einigen können.
Quelle: dpa, Reuters, AFP, ZDF

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