: Wird die Rezession doch nicht so schlimm?

von Klaus Weber
19.11.2022 | 20:49 Uhr
Energiekrise, Rekordinflation, Lieferengpässe: Die Wirtschaft steuert auf ein außergewöhnlich schwieriges Winterhalbjahr zu. Aber möglicherweise wird alles doch nicht so schlimm.
Wird die Rezession in Deutschland nicht so schlimm wie befürchtet? (Symbolfoto)Quelle: dpa
Düster, noch düsterer, am düstersten: Die negativen Superlative rund um das Thema Wirtschaft waren zuletzt kaum noch ausreichend. Historische Tiefststände bei vielen Konjunkturdaten gaben sich sozusagen die Klinke in die Hand.
Gleichzeitig stiegen die Preise für Energie oder Nahrungsmittel. Die Klagen, vor allem in Deutschland, waren groß. Experten-Einschätzungen über immer tiefere Tiefstände und eine baldige schwere Rezession waren Legion. "Typisch deutscher Pessimismus", wie Robert Halver, Kapitalmarktexperte der Baader Bank meint:
So dunkelschwarz, wie wir es bislang sehen, wird es wahrscheinlich nicht kommen.
Robert Halver, Kapitalmarktexperte der Baader Bank
Und tatsächlich: Inzwischen mehren sich die Anzeichen, dass die Stimmung unter Umständen schlechter ist als die Lage.
ZDFheute Infografik
Mehr
Mehr
Mehr

Milde Witterung hilft

Fakten gefällig? Da heißt es zunächst mal über das Wetter zu reden, was wir Deutschen ja besonders gerne machen. Die außergewöhnlich milde Witterung im Herbst lässt nämlich ein "Worst Case"-Szenario unwahrscheinlicher werden. Nämlich, dass wegen ausbleibender russischer Lieferungen Gas rationiert und Betriebe zwangsweise geschlossen werden müssen.
Der Deutsche Wetterdienst erwartet zudem "einen eher milden Winter" in Deutschland. Der wiederum "könnte uns dabei helfen, die notwendigen Einsparungen von mindestens 20 Prozent beim Gasverbrauch auch in den kommenden Monaten durchzuhalten", sagt der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller.

Es gibt Hinweise darauf, dass der Konjunktureinbruch im Winter milder ausfallen wird als erwartet. ZDF-Korrespondentin Valerie Haller berichtet an der Börse in Frankfurt.

16.11.2022 | 01:01 min
Zudem sind unsere Gasspeicher so gut gefüllt wie noch niemals zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Was selbst dann, wenn sich alle Wettervorhersagen als Falschmeldungen entpuppen sollten, neun bis zehn Wochen Versorgungssicherheit bedeuten würde.

China-Politik wichtig für deutsche Industrie

Doch neben den positiven Aspekten rund um die Energieversorgung gibt es für Halver noch einen besonders wichtigen Faktor:
China hat erkannt, dass seine Null-Covid-Politik keinen Sinn mehr macht.
Robert Halver, Kapitalmarktexperte der Baader Bank
Was dazu führe, dass "endlich wieder Vorprodukte" aus China kämen, um unseren "riesigen Auftragsbestand abzubauen". In der Tat hatte die deutsche Industrie zuletzt zwar einen Einbruch im Neugeschäft erlitten, allerdings sind die Auftragsbücher immer noch so dick wie noch nie.
Acht Monate bei Vollauslastung würde es dauern, um sie komplett abzuarbeiten. Dieser Rückstau und damit das leidige Thema Lieferengpässe, welches die Wirtschaft so lange geradezu gelähmt hat, könnte nun tatsächlich zu einem Ende geführt werden.

Deutschland und China sind füreinander wichtige Handelspartner. Doch die Kritik an der deutschen Abhängigkeit von China wächst; ohne hätte die Wirtschaft jedoch ein großes Problem.

04.11.2022 | 02:29 min
Was letztlich wiederum dazu beitragen würde, dass sich die Produktion in den Betrieben stabilisiert und der Arbeitsmarkt weiterhin robust bleibt.

"Doppelwumms" kommt

Daneben werden demnächst auch die Hilfsmaßnahmen des Bundes - wenngleich sie zu einer höheren Staatsverschuldung führen - ihre Wirkung zeigen. Denn letztlich sollen Gas- und Strompreisbremse oder höherer Kinderbonus ja dafür sorgen, dass die Inflation eingedämmt wird.
Viele Ökonomen glauben deshalb auch, dass mutmaßlich im November oder Dezember der Höhepunkt der Teuerung überschritten sein wird. Dies wiederum könnte Auswirkungen auf den für die Konjunktur so wichtigen Konsum haben.

Ministerpräsidentenkonferenz u.a. zu den Kosten des Entlastungspakets mit u.a. Hendrik Wüst (Vorsitzender Ministerpräsidentenkonferenz) und Franziska Giffey (SPD, Regierende Bürgermeisterin Berlin)

28.09.2022 | 34:17 min
Immerhin wurden während der Corona-Pandemie 200 Milliarden Euro an Zusatzersparnis angehäuft, die irgendwann ausgegeben werden wollen.

An Rezession kommen wir nicht vorbei

All diese Argumente klingen fast zu schön, um wahr zu sein und es sollen auch keine Missverständnisse aufkommen: An der Rezession werden wir wohl nicht vorbeikommen.

Robert Habeck bei "maybrit illner"

17.11.2022 | 01:40 min
Aber statt eines schweren Abschwungs könnte es mit ein bisschen Glück und keinen weiteren Rückschlägen tatsächlich nur die "Light"-Version werden.

Mehr zum Thema