: Sberbank Europe muss Betrieb einstellen

02.03.2022 | 11:22 Uhr
Die harten Finanzsanktionen des Westens zeigen erste Wirkung: Russlands größtes Bankhaus Sberbank muss sich aus dem europäischen Markt zurückziehen.
Muss alle Geschäfte sofort beenden: Die Sberbank in WienQuelle: Reuters
Die von Sanktionen betroffene Europa-Tochter der russischen Sberbank muss den Betrieb einstellen. Die in Wien ansässige Bank müsse alle Geschäfte mit sofortiger Wirkung beenden, teilte die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) in der Nacht zum Mittwoch mit.

Keine Sanierung oder Abwicklung der Sberbank

Der Schritt erfolgte auf Anweisung der Europäischen Zentralbank (EZB). Diese hatte am Sonntag festgestellt, dass Anleger bei dem Institut nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine erheblich Geld abgezogen hatten und der Sberbank Europe AG sowie deren Tochtergesellschaften in Kroatien und in Slowenien möglicherweise die Zahlungsunfähigkeit drohe.
Eine Sanierung oder Abwicklung der Bank gemäß der Europäischen Bankensanierungs- und Abwicklungsrichtlinie sei nicht im öffentlichen Interesse, hieß es. Wegen der erwarteten wirtschaftlichen Schieflage hatte die FMA zuvor Überweisungen, Transaktionen und größere Auszahlungen untersagt.

Bundeskanzler Scholz hat weitere Sanktionspakete gegen Russland angekündigt.

01.03.2022 | 01:43 min

Sberbank spricht von "ungewöhnlichen Bargeldabflüssen"

Die Sberbank selbst stellte es laut russischen Nachrichtenagenturen so dar, dass sie sich selbst aus dem europäischen Markt zurückzieht. Die europäischen Tochtergesellschaften der Bank sähen sich "ungewöhnlichen Bargeldabflüssen und Bedrohungen für die Sicherheit von Mitarbeitern und Filialen" gegenüber.

Das Geldhaus sei nach einer Anordnung der Zentralbank nicht mehr länger in der Lage, die europäischen Tochtergesellschaften mit Liquidität zu versorgen. Das Kapitalniveau und die Qualität der Vermögenswerte reiche aber aus, um alle Sparer auszuzahlen.
In der gegenwärtigen Situation hat die Sberbank entschieden, den europäischen Markt zu verlassen.
Mitteilung der Bank

Wegen westlicher Sanktionen reagiert die russische Zentralbank mit einer drastischen Zinserhöhung. Geld-Abhebemengen seien limitiert, erklärt ZDF-Korrespondentin Anna Feist.

28.02.2022 | 02:35 min
In Reaktion auf die Invasion der Ukraine hat der Westen bisher beispiellose Finanzsanktionen gegen Russland verhängt. Dazu gehören Maßnahmen gegen die russische Zentralbank, aber auch der Ausschluss einiger russischer Banken aus dem internationalen Zahlungssystem Swift.
Die Sberbank besaß Ende 2020 Vermögenswerte in Europa von 13 Milliarden Euro. Der Rückzug aus Europa betrifft laut der Bank aber nicht die Geschäftsaktivitäten des Instituts in der Schweiz.

Der russische Rubel wird durch die harten Wirtschaftssanktionen vieler westlicher Länder stark getroffen. Auch die Schweiz beteiligt sich am teilweisen Ausschluss aus dem Swift-System. Doch diese Schritte stellen Deutschland ebenso vor einen Balanceakt.

28.02.2022 | 02:29 min

35.000 Sberbank-Anleger erhalten Entschädigung

Nach der Pleite werden etwa 35.000 Kunden entschädigt - vor allem in Deutschland. Von deren Einlagen in Höhe von einer Milliarde Euro seien 913 Millionen Euro durch die Einlagensicherung Austria (ESA) gesichert, teilte der Bundesverband deutscher Banken (BdB) mit.
Da die Kunden fast ausschließlich aus Deutschland stammen und über die deutsche Filiale der Sberbank Europe AG geführt werden, übernehme aufgrund internationaler Abkommen die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) im Auftrag und auf Rechnung der ESA die operative Abwicklung des Entschädigungsverfahrens. Je Kunde sind über diese gesetzliche Einlagensicherung bis zu 100.000 Euro geschützt.
In den nächsten Tagen würden alle Einleger einen Brief der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) erhalten, in dem die erforderlichen weiteren Schritte erklärt werden, sagte ESA-Geschäftsführer Stefan Tacke.
Die Sberbank Europe AG mit Sitz in Wien ist eine 100-prozentige Tochter der mehrheitlich in Staatsbesitz befindlichen Sberbank in Moskau. In Deutschland ist die Sberbank Europe über eine rechtlich unselbstständige Zweigniederlassung tätig und tritt dort unter der Handelsmarke Sberbank Direct auf.
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Quelle: dpa, AFP, Reuters

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