: Das heikle Thema Vermögenssteuer

von Sina Mainitz
03.09.2021 | 19:42 Uhr
Die Vermögenssteuer spaltet deutsche Ökonomen und die Politik. 1997 war sie abgeschafft worden, nun wollen SPD, Linke und Grüne die Abgabe wieder einführen.
Die Vermögenssteuer ist immer wieder Wahlkampfthema - auch vor dieser Bundestagswahl.Quelle: Imago
Der September ist gekommen und damit der Monat der Wahrheit. Wer wird Deutschland künftig regieren? Vor der Bundestagswahl am 26. September liefern sich die Parteien einen Schlagabtausch. Immer wieder Thema in den Runden ist die Vermögenssteuer. Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander.
Die Steuer soll das verhindern und Umverteilung möglich machen. 1997 war sie abgeschafft worden, nun wollen SPD, Linke und Grüne sie wieder einführen. CDU und FDP sind streng dagegen. Argumente pro und contra gibt es auch in der deutschen Wirtschaft.

Deutschland bereits unter den Top 3 bei der Unternehmenssteuer weltweit

Deutschland ist mit fast 30 Prozent bereits ein Hochsteuerland und auf Platz drei weltweit. Nur in Japan und allen voran Frankreich müssen Unternehmer noch mehr Steuern bezahlen. Noch eine Steuer "on top"? Die Vermögenssteuer spaltet auch deutsche Ökonomen.
Clemens Fuest, Präsident des deutschen ifo-Instituts erwartet dadurch ein geringeres Wachstum. Das BIP wäre nach acht Jahren um bis zu 6,2 Prozent niedriger, heißt es aus München. Besonders hart treffen würde die Vermögenssteuer nicht die oberen Zehntausend, das eine Prozent der Spitzenverdiener in Deutschland, sondern vor allem die Lokomotive der deutschen Wirtschaft – den Mittelstand.
"Ich mache mir Sorgen um die Vermögensungleichheit", sagt Antonis Schwarz. Der 33-Jährige ist Millionenerbe und hat einen Appell unterzeichnet: Er will mehr Steuern zahlen.

Mittelstand als Zünglein an der Waage

Laut dem Portal familienunternehmer.eu beschäftigen 180.000 Familienunternehmen in Deutschland acht Millionen Menschen. Der deutsche Mittelstand ist der Fels in der Brandung. Das hat sich auch in der Corona-Pandemie gezeigt. Die Vermögenssteuer nehme den Unternehmen Kraft, sie würden weniger investieren und vor allem würden Arbeitsplätze wegfallen oder ins Ausland abwandern. Das hört man aus dem Mittelstand.
ZDFheute hat am Frankfurter Börsenparkett mit Robert Halver, dem Chefvolkswirt der Baader Bank, zum Thema Vermögenssteuer gesprochen.
Die Vermögenssteuer soll eine Umverteilung ermöglichen, doch es gibt Pro- und Contra-Argumente. Robert Halver (Chefvolkswirt der Baader Bank) findet eine Neu-Einführung "unnötig".
Eine ganz andere Ansicht zu diesem Thema gibt es beim DIW in Berlin. Jede Medaille hat bekanntlich zwei Seiten.

Vermögenssteuer – was fließt wohin?

Wenn die Vermögenssteuer zurück kommen sollte, ist die große Frage, was mit dem Geld gemacht werde. Das zumindest sagt DIW-Präsident Fratzscher. Sie pauschal abzulehnen sei falsch. Entscheidend sei, wohin das Geld aus der Steuer künftig fließen würde.
Was macht der Staat also mit den Mehreinnahmen? Wenn das Geld für den Klimaschutz genutzt wird, in Digitalisierung, Bildung und Innovation fließt, können gerade Arbeitsplätze geschaffen werden. So wird Wachstum und Wohlstand gesichert. Diese Argumente hört man von der anderen Seite. Ein Hin und Her also an vorderster Front in den Chefetagen führender Wirtschaftsinstitute.
Es bleibt spannend bis zuletzt. Mal abgesehen von den Briefwählern, die schon gewählt haben, ist mehr als die Hälfte der Deutschen noch unsicher, wohin sie ihr Kreuzchen setzen soll. Wie wir sehen, herrscht diese Uneinigkeit nicht nur unter den Wähler*innen, sondern auch beim heiklen Thema Vermögenssteuer.  
Sina Mainitz ist Redakteurin und Moderatorin im ZDF-Börsenstudio in Frankfurt.

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