: Droht die Tesla-"Gigafactory" zu scheitern?

von Jan Meier
18.06.2021 | 10:43 Uhr
Am Freitag startet das zweite Genemigungsverfahren für Teslas Großprojekt in Brandenburg. Der E-Auto-Hersteller hat vor Ort Unterstützer wie Gegner. Klagen sind schon angekündigt.
Das Tesla-Werk in Grünheide wächst, parallel laufen die Genehmigungsverfahren.Quelle: dpa
Albrecht Köhler ist Tesla-Fan, doch die Riesenbaustelle in Grünheide bereitet ihm Sorgen: "Das ist ein Clash von zwei unterschiedlichen Welten: Der extrem dynamische Amerikaner Elon Musk und die bedacht planende deutsche Verwaltung, die mehr Zeit braucht."
Der 32-jährige Krankenpfleger wohnt mit seiner Frau und zwei Kindern am Ortsrand und hat den Verein "Grünheide for future" ins Leben gerufen. Er und seine Mitstreiter dokumentieren den Baufortschritt, organisieren Treffen und Vorträge. Das Mega-Projekt verfolgen Tesla-Fans in aller Welt und es hat für Brandenburgs Landesregierung höchste Priorität.

Reizgase und Linksradikale: Es gibt viele Baustellen

Doch je länger der Bau dauert, desto größer scheinen die Schwierigkeiten zu werden. Ein Störfallgutachten warnt vor möglichen Gas-Explosionen und giftigen Reizgasen. Naturschutzbund, Grüne Liga und die Bürgerinitiative Grünheide fordern einen vorläufigen Baustopp. Die linksradikale "Vulkangruppe" steckte ein Stromkabel an der Baustelle in Brand. Die ursprünglich im Juli geplante Eröffnung wurde auf das Jahresende verschoben.
Mittlerweile wurde die 15. vorläufige Baugenehmigung erteilt. Rechtlich ist damit ein kompletter Rückbau denkbar. Doch vorstellbar ist es kaum, denn nicht nur auf der Baustelle werden Tatsachen geschaffen. Auch die Infrastruktur nimmt Gestalt an: Gleich daneben entsteht schon ein neuer Autobahnzubringer.
Über 1.000 Mitarbeiter sollen bereits angestellt sein, vor allem Ingenieure, Arbeiter, Handwerker. Rainer Schinkel, Wirtschaftsdezernent im zuständigen Landratsamt Märkisch Oderland, ist begeistert von "Industriearbeitsplätzen, die der wirtschaftlichen Entwicklung gut tun, nicht nur am unmittelbaren Standort, sondern weit darüber hinaus".
Für den umstrittenen Bau der Tesla Gigafactory in Grünheide gibt es noch immer keine Hauptgenehmigung. Nach mehrmaligem Ändern und Ausbauen der Pläne kamen jetzt noch Umweltschutzmaßnahmen hinzu.

Ein Werk im Rekordtempo

Elon Musk war bereits mehrmals auf der Baustelle und setzt mit immer neuen Planungsänderungen die Behörden unter Druck. So wird das Presswerk um zwei weitere Presslinien erweitert. Für Manfred Kühn vom Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung Erkner setzt das Tesla-Werk in Tempo, Flexibilität und Größe Maßstäbe.
Der Experte für Regionalplanung muss lange zurückgehen in Deutschlands Industriegeschichte, um ein vergleichbares Projekt zu finden. Er nennt Baunatal, in dem Volkswagen in den 50er Jahren seine zweitgrößte Produktionsstätte errichtete. Aber er sieht mit Sorge, dass die Fabrik in Grünheide noch immer ohne Hauptgenehmigung gebaut wird.

Zweites Zulassungsverfahren beginnt

Am Freitag beginnt mit der öffentlichen Auslegung der Planungsunterlangen ein zweites Zulassungsverfahren - nun für das "größte Autobatteriewerk der Welt". Erst danach wird über endgültige Baugenehmigung für das gesamte Tesla-Projekt entschieden. Schon jetzt haben Umweltverbände und Bürgerinitiativen Klagen dagegen angekündigt.
Und wie Gerichte am Ende entscheiden, ist schwer vorherzusagen.
Wir sind in einem Trinkwasserschutzgebiet und haben EU-rechtliche geschützte sensible Lebensräume, da macht man sich Sorgen. Erst recht, wenn Batteriefabrik dazukommt.
Christiane Schröder, NABU Brandenburg

Wie steht es um Teslas Wasserverbrauch?

Laut Jörg Steinbach (SPD), Wirtschaftsminister von Brandenburg, greift Elon Musk, der als Weltmarktführer der E-Mobilität das Klima retten will, die Bedenken der Umweltschützer auf.
Die Wasserkonzepte wurden sowohl beim Verbrauch als auch bei der Entsorgung verändert, etwa mit dem Sickerwasserkonzept. Das trägt dem Thema Rechnung. Und: Das Werk soll trotzdem nicht mehr Wasser verbrauchen als ursprünglich geplant.
Wirtschaftsminister Jörg Steinbach
Auch die Begeisterung von Albrecht Köhler für den "Global Player" vor seiner Haustür hat nicht nachgelassen. Der Krankenpfleger möchte sich sogar bei Tesla bewerben. Aber bisher hat er noch keine passende Stellenanzeige für medizinisches Personal gefunden.

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