Wirecard: Ex-Chef Braun liest Statement vor

19.11.2020 | 18:41 Uhr
Die Spannung war groß vor der ersten Befragung von Ex-Wirecard-Chef Markus Braun im Untersuchungsausschuss des Bundestages. Doch er kam mit einem vorgefertigten Statement.
Markus Braun, der ehemalige Chef der Firma Wirecard, ist das erste Mal vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestages erschienen. Viel gesagt hat er nicht. Es geht wohl um den größten Betrugsfall der deutschen Nachkriegsgeschichte.
Bei seiner ersten Befragung im Untersuchungsausschuss des Bundestags hat Ex-Wirecard-Chef Markus Braun die Aussage weitgehend verweigert, Politik und Aufsichtsbehörden aber in Schutz genommen.

Braun will zunächst vor der Staatsanwaltschaft aussagen

Er habe "zu keiner Zeit Feststellungen getroffen oder Hinweise erhalten, dass sich Behörden, Aufsichtsstellen oder Politiker nicht korrekt, pflichtwidrig oder in irgendeiner Form unlauter verhalten hätten", las der 51-Jährige aus einem kurzen Statement vor.
Das gelte auch für den Aufsichtsrat als Kontrollorgan und für die Wirtschaftsprüfer, die offenbar massiv getäuscht worden seien. Fragen beantwortete Braun nicht - was die Abgeordneten im Anschluss deutlich kritisierten.
Am Ende werden unabhängige Richter entscheiden, wer die rechtliche Verantwortung für den Zusammenbruch des Unternehmens der Wirecard AG trägt.
Ex-Wirecard-Chef Braun
Er wolle sich zunächst vor der Staatsanwaltschaft äußern, begründete Braun, der seit dem Sommer in Untersuchungshaft sitzt, sein Schweigen.
Der Vorsitzende des Wirecard- Untersuchungsausschusses Kay Gottschalk von der AfD sagt im Interview, er wolle alle Schritte prüfen lassen, um den Ex-Wirecard-Chef nochmal in den Ausschuss zu laden. Er hoffe aber auch so auf ein gutes Miteinander.

Braun: "Veruntreute Unternehmensgelder"

Der Ex-Firmenchef gilt als einer der Hauptverantwortlichen für den Betrugsskandal, bei dem Wirecard über Jahre Scheingeschäfte in Milliardenhöhe verbucht haben soll. Der Ausschuss will aufdecken, ob das deutsche Fintech-Unternehmen als aufstrebender Börsenstar von den Aufsichtsbehörden trotz Hinweisen auf Unregelmäßigkeiten mit Samthandschuhen angefasst wurde.
In seinem Statement sprach er Braun von "veruntreuten Unternehmensgeldern", machte aber keine genaueren Angaben etwa zu Geschädigten und Profiteuren. Er kündigte an, er wolle sich "zeitnah" gegenüber der Staatsanwaltschaft äußern.

Scharfe Kritik an Brauns Verhalten

Die Abgeordneten kritisierten Brauns Verhalten scharf. Er werde sicher noch einmal vorgeladen, kündigte der Ausschussvorsitzende Kay Gottschalk von der AfD an. Der Unions-Abgeordnete Matthias Hauer und der Grünen-Abgeordnete Danyal Bayaz warfen Braun vor, sich gegenüber Parlament und Öffentlichkeit respektlos verhalten zu haben. "Er trickst, er verfolgt rücksichtslos den eigenen Vorteil", betonte der FDP-Abgeordnete Florian Toncar.
Der Finanzpolitiker der Linken, Fabio De Masi, bezeichnete Braun als "lebendigste Mumie", die er je erlebt habe. Jens Zimmermann von der SPD sagte, es werde "immer enger" für Braun, weil Weggefährten von ihm mit Staatsanwaltschaft und Ermittlungsbehörden kooperieren wollten.

<strong>Ex-Wirecard-Aufsichtsrätin: Unternehmen "hemdsärmelig geführt"</strong>

Auch die frühere Wirecard-Aufsichtsrätin Tina Kleingarn ließ Braun in keinem guten Licht erscheinen. Sie habe sich zwar nicht vorstellen können, "dass die Vorstände der Wirecard AG in betrügerische Verhaltensweisen involviert sein könnten", sagte sie vor dem Ausschuss.
Sie sei jedoch mit der Corporate Governance bei Wirecard nicht einverstanden gewesen. Corporate Governance bezeichnet Regeln und Verfahren, nach denen ein Unternehmen geführt wird.
Die 46-Jährige berichtete, das Unternehmen sei "hemdsärmelig geführt" worden, eher wie ein Start-up als ein börsennotiertes Unternehmen.
Der Betrug von Wirecard habe deswegen funktioniert, "weil sich alle im Glanz eines deutschen Weltmarktführers gesonnt haben", sagt der Journalist Volker ter Haseborg.
Quelle: dpa,

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