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: Krokodil oder Alligator? Wie man sie erkennt

von Katharina Schuster, Washington D.C.
17.06.2024 | 06:15 Uhr
Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Krokodil und einem Alligator? So viel vorweg: Einer von beiden hat ein spitzeres Maul.
Ein Alligator in den Everglades, dem größten Mangroven-Ökosystem in der westlichen Hemisphäre.Quelle: AFP/Joe Raedle
Im Süden des US-Bundesstaates Florida liegen die Everglades. Als riesiger Sumpf bekannt, besteht das Gebiet aus einem sehr langsam fließenden Fluss und aus Mangroven. Die Küstenbäume, deren Wurzeln aus dem Wasser herausragen, seien wahre Superhelden, erzählen Chris Thorne und Charles Wright, die mit ihren Kanus Tourist*innen durch die Landschaft führen. Mangroven seien ein natürlicher Schutz zwischen Küste und Meer und ein Paradies für Artenvielfalt - zumindest jetzt noch, aber dazu später mehr.
Chris Thorne führt mit seinem Kanu durch die Everglades.Quelle: ZDF/Katharina Schuster
Besonders interessieren seine Gruppen hier nämlich nicht die Bäume, sondern die Raubtiere, die zwischen ihnen leben: Aber sind das nun Alligatoren oder doch Krokodile? Spoiler: In Florida leben vor allem Alligatoren. Aber woran erkennt man sie?
Einer, der sich auskennt, ist Adam Rosenblatt. Der promovierte Biologe forscht an der University of North Florida zu den Auswirkungen der globalen Erderwärmung auf Alligatoren und Krokodile. Im Gespräch mit ZDFheute erklärt er die Unterschiede:

Wie unterscheiden sich Krokodile und Alligatoren?

Der einfachste Weg die beiden Raubtiere zu unterscheiden, ist die Kopfform. Während Alligatoren breite, eher runde Köpfe haben, laufen die Schädel von Krokodilen vorne schmaler zu. Die Kopfform von Alligatoren ist U-förmig, die von Krokodilen V-förmig.
Ein weiteres Merkmal: Hat ein Alligator sein Maul geschlossen, sieht man nur die oberen Zähne. Demnach hätten Alligatoren laut Rosenblatt einen "Überbiss". Krokodile haben diesen nicht.
Quelle: ZDF

Wo leben die Raubtiere?

Weltweit existieren laut Rosenblatt drei Familien der Krokodile, Alligatoren sind eine Untergruppe:
  • Krokodile leben überall auf der Welt, wo es heiß genug ist.
  • Alligatoren leben nur in den USA und in China.
  • Gaviale leben nur in Indien.
Dieser Alligator in den Everglades in Florida ist erst zwei Jahre alt.Quelle: AP

Welches Raubtier ist gefährlicher?

Laut Experte Rosenblatt sind zwei Typen sehr gefährlich. Zum einen das Nil-Krokodil in Afrika und zum anderen das Leisten-Krokodil in Australien. Beide Spezies seien zwei der größten und aggressivsten Raubtiere. Sie jagen und fressen gezielt Menschen.

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Er könne verstehen, dass sich deshalb viele Menschen vor Krokodilen in Australien oder Afrika fürchten. Doch solange man den Tieren nicht zu nahe komme, ginge keine Gefahr von ihnen aus, so der Biologe.
Alligatoren, die vor allem in den USA leben, seien hingegen überhaupt nicht aggressiv. Erwachsene Menschen sind für sie keine Beute. Hunde oder kleine Kinder ganz selten allerdings schon. Deshalb sollten Hunde-Besitzer*innen und Eltern vorsichtig sein.

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Wie wirkt sich die globale Erderwärmung auf ihr Leben aus?

Durch die globale Erderwärmung werde es in den Everglades immer heißer, berichtet Biologe Rosenblatt. Außerdem seien die Everglades sehr niedrig über dem Meeresspiegel gelegen. Und da dieser steigt, werde das Wasser immer salziger. "Das bedeutet, es gibt weniger Lebensraum für alle Tiere dort, inklusive der Alligatoren", so Rosenblatt. "Während Krokodile eine sehr heiße, tropische Umgebung lieben, sind Alligatoren gemäßigtes Klima gewöhnt."
Wird es in den Everglades immer heißer, müssen Alligatoren irgendwann ihren Lebensraum verlassen. Und das könnte dann gefährlich für Menschen in dem Gebiet werden.
Adam Rosenblatt, Biologe
Von allen 26 Arten von Krokodilen und Alligatoren auf der Welt, seien aktuell zwölf vom Aussterben bedroht, so Rosenblatt. Besonders kritisch sei die Lage für Tiere in China, auf kleinen Inseln wie denen der Philippinen oder in Südamerika. Dort sei die Population am kleinsten.
Aktuell sei die globale Erderwärmung nicht das Hauptproblem für die Tiere, das sieht der Experte erst in der Zukunft. Momentan sei die größte Gefahr für sie der Mensch, der sie jagt und ihnen den Lebensraum nimmt. "Mangroven und Sümpfe sind in den letzten Jahren zerstört worden, um Wohnungen bauen zu können oder weil man Moskitos loswerden wollte", so Rosenblatt.
Auch dafür wollen die Tourguides Chris Thorne und Charles Wrights mit ihren Kanu-Trips sensibilisieren. "Nur durch Aufklärung können wir hoffen, Lebensräume für Alligatoren, Krokodile und andere Tiere, wie die Everglades zu retten."
Katharina Schuster ist Redakteurin im ZDF-Studio Washington.

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