: Was Bio-Gärtnern so schwierig macht

von Christine Elsner
12.05.2024 | 15:13 Uhr
Ob Rosen, Tulpen, Nelken - die Nachfrage an Zierblumen in Bio-Qualität, möglichst aus der Region, wächst. Problem: Bio-Saatgut ist derzeit noch Mangelware.

Die meisten Schnittblumen wachsen nur mit reichlich Kunstdünger und Pflanzenschutzmitteln. Slowflower und Bio-Blumen sind Alternativen.

12.05.2024 | 28:44 min
Die Deutschen lieben Blumen - sowohl als Topfpflanzen als auch als Schnittblumen. Rund 37 Euro gibt jeder Haushalt im Durchschnitt jährlich dafür aus, das sind insgesamt über drei Milliarden Euro. Wer es günstiger haben möchte, zieht sich Samen im eigenen Garten oder auf dem Balkon selbst heran.
Bio bei Lebensmitteln ist bekannt. Seit geraumer Zeit ist Bio aber auch bei Blumen gefragt, stellt die Fördergemeinschaft ökologischer Zier- und Gartenpflanzen (kurz föga) fest: "Das steigende Bewusstsein beobachte ich jetzt schon seit über mehr als zehn Jahren", sagt Andrea Frankenberg, Mitglied der föga.
Ich denke, das liegt vor allem daran, dass immer mehr, vor allem junge Menschen, wieder selbst anfangen zu gärtnern und insgesamt das Bewusstsein für einen naturnahen und insektenfreundlichen Garten steigt.
Andrea Frankenberg, Mitglied der föga

Saatgut in Bio-Qualität noch Mangelware

Die gute Nachricht: Laut einer Agrarstrukturerhebung des Statistischen Bundesamts haben die bewirtschafteten Flächen für Bioblumenanbau in Deutschland von 2016 bis 2020 zugenommen.

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"Es gibt derzeit circa 20 Betriebe, die Bio-Jungpflanzen produzieren und ähnlich viele Firmen und Betriebe, die Bio-Saatgut anbieten. Zusätzlich gibt es ca. 14 spezielle Anbieter*innen für Bio-Blumenzwiebeln, vor allem Tulpen", meint Andrea Frankenberg.
Die schlechte Nachricht: Es gibt hierzulande nicht genügend sogenanntes Pflanzenvermehrungsmaterial in Bio-Qualität - dazu zählt das Saatgut.

Bio-Samen selbst vermehren

Sonia Grimm ist studierte Landschaftsarchitektin und Zierpflanzengärtnerin. Vor zehn Jahren hat sie sich der Bio-Blumengärtnerei verschrieben. "Leider sind kaum Samen oder Jungpflanzen in Bio-Qualität zu bekommen. Aus diesem Grund vermehre ich viele Pflanzen durch Teilung und nehme teilweise eigenes Saatgut. Außerdem säe ich alle Pflanzen selbst aus, damit sie von Anfang an biologisch wachsen dürfen", berichtet sie.

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Ihre Erfahrungen teilt die Garten-Influencerin mit vielen anderen Bio-Blumenanbaubetrieben. Sie alle haben das gleiche Problem:
Da ich keine Züchterin bin, kann ich nur wenige Arten selbst vermehren. Denn bei uns blühen alle Farben gleichzeitig im Beet und kreuzen sich natürlich auch.
Sonia Grimm, Garten-Influencerin
Das heißt: Mischfarben statt rein einfarbige Blumen.

Preise für Bio-Sämlinge sehr unterschiedlich

Für Betriebe, die auf Bio-Blumen umstellen wollen, stellt sich die Frage, ob das Saatgut wesentlich teurer ist im Vergleich zu konventionell hergestelltem und mit chemischen Substanzen behandeltem Blumensaatgut.

TV-Tipp

Mehr Dokumentationen von planet e. finden Sie jederzeit in der ZDF-Mediathek oder sonntags um 15:45 im TV.
"Das kommt auf die Art des Vermehrungsmaterials an. Die Bio-Samen sind kaum teurer, doch bei Zwiebeln ist der Unterschied zur konventionellen Herkunft sehr groß", sagt Grimm.
Neben dem selbst hergestellten Bio-Saatgut können Bio-Anbaubetriebe auf die Datenbank 'organicxseeds' zurückgreifen. Dort lässt sich die Verfügbarkeit von weiterem Bio-Saatgut online überprüfen.

Strenge Vorschriften für Bio-Saatgut

Laut EU-Ökoverordnung gilt: Der Einsatz chemischer Substanzen ist in der ökologischen Samenherstellung nicht zulässig. Im konventionellen Betrieb wird das Saatgut gebeizt, um einen Schimmel- sowie Schädlingsbefall zu verhindern.

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Zudem schreibt die Verordnung vor, dass Bio-Samen und weiteres Pflanzenvermehrungsmaterial in Zukunft der Standard sein sollen. Ein Lichtblick also für Schnittblumen-Gartenbetriebe sowie Hobbygärtnerinnen und Hobbygärtner.
Die EU-Öko-Verordnung gibt hier eine Frist bis Ende 2036 vor. Dies ist zwar noch eine lange Zeit, aber insgesamt ist es wichtig mit der Praxis zusammen an Lösungen für mehr Bio-Pflanzenvermehrungsmaterial zu arbeiten.
Andrea Frankenberg, Mitglied der föga
Und weiter meint Expertin Andrea Frankenberg, dass in Bezug auf Bio-Blumen und Bio-Samen generell noch viel Aufklärung nötig sei.
Christine Elsner ist Redakteurin in der ZDF-Redaktion Umwelt.

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