: Wird Corona durch Omikron endemisch?

03.01.2022 | 19:30 Uhr
Laut Studien verbreitet sich Omikron wesentlich schneller, verursacht aber weniger schwere Fälle. Kann die Variante ein Wendepunkt in der Pandemie sein? ZDFheute live diskutiert.

Omikron auf dem Vormarsch – Was passiert bei ZDFheute live?

Führende Virologen und auch die Bundesregierung blicken mit akuter Sorge auf die wachsende Omikron-Welle in Deutschland. Grund dafür sind die Millionen Ungeimpften im Land. Gleichzeitig zeigen sich Experten aber auch vorsichtig optimistisch: Studien zeigten, dass sich Omikron zwar wesentlich schneller verbreite, aber auch etwas weniger schwere Fälle verursache, so Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach.
Laut Robert-Koch-Institut stieg die Zahl der Neuinfektionen um 18.518 Fälle im Vergleich zum Vortag an. Auch die Sieben-Tage-Inzidenz steigt leicht auf 232,4. Jedoch sind die Fallzahlen während der Feiertage und zum Jahreswechsel nur wenig aussagekräftig, weil weniger getestet und Daten übermittelt wurden.
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Trotzdem: Es gebe Licht an der Corona-Front, twitterte Gesundheitsminister Lauterbach zum Jahresauftakt. Zudem verwies er auf immer mehr Booster-Impfungen und neue Medikamente gegen Covid-19.
Wie wird sich die Omikron-Lage hierzulande entwickeln? Kann die Virusvariante ein Wendepunkt von der Pandemie zu einer Endemie sein? Darüber diskutiert ZDFheute live mit Virologin Isabella Eckerle von der Uniklinik Genf und Virologe Prof. Wolfgang Preiser, der Teil des Forschungsteams ist, das die Omikron-Variante in Südafrika entdeckt hat.

Was könnte mit Omikron auf uns zukommen?

Der Expertenrat der Bundesregierung soll über mögliche Maßnahmen zunächst fachlich beraten. Aktuell befasst sich laut Gesundheitsministerium das RKI mit möglichen Verkürzungen von Quarantänezeiten. Hintergrund sei die Sorge um zu viele gleichzeitige Personalausfälle in Kliniken und anderen Versorgungszentren. Am Freitag wollen sich dann Bundeskanzler Olaf Scholz und die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten in einer Konferenz über das weitere Vorgehen beraten.
Wegen der befürchteten explosionsartigen Ausbreitung von Omikron befürchten Expertinnen und Experten eine massive Überlastung der Kliniken. Ungeimpfte mit einer Omikron-Infektion trügen drei Viertel des Risikos einer Klinikeinweisung verglichen mit einer Delta-Infektion, so der Virologe Christian Drosten. Bisher sind 25,8 Prozent der Gesamtbevölkerung in Deutschland nicht geimpft, darunter vier Millionen Kinder bis vier Jahre, die noch nicht geimpft werden können. Für sie gibt es bisher keinen zugelassenen Impfstoff.
Dennoch: der Präsident des Verbandes der Leitenden Krankenhausärzte Deutschlands (VLK), Michael Weber, erhofft sich langfristig von der Omikron-Variante eine deutliche Entlastung des Gesundheitssystems.
Wenn sich die Omikron-Variante auch bei uns so stark durchsetzt wie in Südafrika, Großbritannien oder Dänemark und die Infektionen so überwiegend mild verlaufen wie dort, besteht eine realistische Wahrscheinlichkeit, dass die Pandemie auch hierzulande zu einer Endemie wird.
Michael Weber, Präsident des Verbandes der Leitenden Krankenhausärzte Deutschlands (VLK)
(Mit Material von dpa, rtz und afp)

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