: Wie Corona die Psyche angreift

14.04.2021 | 19:30 Uhr
Die Anfragen für Psychotherapie steigen - die Wartezeiten sind lang. ZDFheute live spricht mit dem Betroffenen Matthias Münch und Sabine Köhler, Fachärztin für Psychotherapie.

Worum geht es bei ZDFheute live?

Die Corona-Pandemie belastet die Psyche. Fast drei Viertel der Bürgerinnen und Bürger fanden die Situation im zweiten Shutdown bedrückend, so die Zahlen des "Deutschland-Barometer Depression". Gleichzeitig sind Wartezeiten für Therapieplätze sehr lang. ZDFheute live spricht mit Matthias Münch, der seit der Pandemie an Depressionen leidet, und Sabine Köhler, Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Nervenärzte und Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie.

Warum ist dieses Thema wichtig?

Besonders psychisch kranke Menschen leiden unter den Einschränkungen der Pandemie. Doch auch für diejenigen ohne psychische Krankheiten ist die Situation belastend. In der Pandemie nähmen auch Anspannung und Aggressionen zu, so der Präsident der Psychotherapeutenkammer, Dietrich Munz, im Gespräch mit der dpa. Nach einer Umfrage der Deutschen Psychotherapeuten-Vereinigung (DPtV) gab es im Januar 2021 40 Prozent mehr Anfragen nach Psychotherapie als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Fehlende Therapieplätze in Deutschland?

Weil es wenige Therapieplätze gibt, müssen Betroffene oft lange auf einen warten - laut der DPtV-Umfrage beträgt die Wartezeit bei 38 Prozent der Hilfesuchenden über ein halbes Jahr. Der Präsident der Psychotherapeutenkammer sieht die Krankenkassen in der Verantwortung: "Es rächt sich jetzt, dass die Krankenkassen seit Jahren die Zulassung einer ausreichenden Anzahl von psychotherapeutischen Praxen blockieren." Für den Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen liegt das Problem mit den langen Wartezeiten vor allem daran, dass viele Therapeutinnen und Therapeuten in Teilzeit arbeiten, aber einen ganzen Kassensitz besetzen.
Suchen Sie Hilfe?
In einer akuten Krise können Sie sich jederzeit kostenlos an die Telefonseelsorge unter der Nummer 0800-111 0 111 oder den Notruf 112 wenden
Krisendienste und Beratungsstellen in Ihrer Nähe finden Sie auf der Internetseite der Deutschen Depressionshilfe.
Hilfe bei der Suche nach einem Therapieplatz bieten die Kassenärztliche Vereinigung ihres Bundeslandes und die Patientenservice-Nummer 116 117
Quelle: BPtK, dpa, DPtV, ZDF