: Spagat zwischen Rom und der Basis

von Jürgen Erbacher
27.02.2023 | 05:00 Uhr
Steht eine Mehrheit der katholischen Bischöfe hinter den Reformforderungen der Gläubigen? Oder folgen sie dem Veto des Vatikan? Diese Woche beraten sie dazu in Dresden.
Die Vollversammlung der Bischöfe tritt zweimal im Jahr zusammen - zuletzt vergangenen Herbst (Archivbild)Quelle: dpa
Die nächsten zwei Wochen sind für die Zukunft der Katholischen Kirche in Deutschland entscheidend. Erst treffen sich die Bischöfe in dieser Woche zu ihrer Frühjahrsvollversammlung in Dresden. In der kommenden Woche findet dann in Frankfurt die letzte Versammlung des "Synodalen Wegs" statt, jenes Reformprojekts, mit dem die Bischöfe nach dem Missbrauchsskandal wieder Vertrauen und Glaubwürdigkeit bei den Gläubigen gewinnen wollen.
Doch es nicht klar, ob die Mehrheit der Bischöfe hinter den Reformen des "Synodalen Wegs" steht. In Frankfurt soll unter anderem eine Segensfeier für gleichgeschlechtliche Partnerschaften beschlossen werden und ein Gremium eingerichtet werden, in dem künftig Laien und Bischöfe gemeinsam über wichtige Fragen der Kirche in Deutschland beraten sowie entscheiden.

Was ist die Deutsche Bischofskonferenz?

Die Deutsche Bischofskonferenz ist der Zusammenschluss der katholischen Bischöfe in Deutschland. Sie leiten als Ortsbischöfe eines der 27 Bistümer oder unterstützen als Weihbischöfe. Insgesamt gehören ihr derzeit 67 Mitglieder an.

Welche Aufgaben hat die Deutsche Bischofskonferenz?

Die Konferenz mit Sitz in Bonn dient der Förderung der gemeinsamen Aufgaben, der Beratung und der Koordinierung der Arbeit. Sie gibt Richtlinien vor und pflegt Verbindungen zu anderen Bischofskonferenzen. Oberstes Organ ist die jeweils im Frühjahr und im Herbst tagende Vollversammlung.

Wo treffen sich die Bischöfe?

Die Frühjahrstreffen finden an wechselnden Orten statt. Die Herbstvollversammlung tagt normalerweise immer in Fulda und damit am Grab des "Apostels der Deutschen", des heiligen Bonifatius. In diesem Jahr wird sie allerdings wegen Bauarbeiten im Fuldaer Priesterseminar in Wiesbaden stattfinden.

Wer leitet die Bischofskonferenz?

Vorsitzender der Bischofskonferenz ist der Limburger Bischof Georg Bätzing, sein Stellvertreter ist der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode. Als Vertreter des Papstes kommt der Apostolische Nuntius Nikola Eterovic zu einem Teil der Besprechungen.

Quelle: KNA

Vatikan gegen Segnung von Schwulen und Lesben

Doch gerade bei diesem Punkt regt sich Widerstand bei einer Reihe von Bischöfen und auch im Vatikan. Dort sieht man die Autorität der Bischöfe in Gefahr. Deshalb verlautete in einem Brief aus dem Vatikan vor wenigen Wochen, der "Synodale Ausschuss" dürfe nicht eingerichtet werden.
Auch ist bekannt, dass Rom gegen eine Segnung gleichgeschlechtlicher Beziehungen ist sowie eine Reihe anderer Veränderungen, die im Rahmen des "Synodalen Wegs" geplant sind. Bei ihrer Frühjahrsvollversammlung in Dresden müssen die Bischöfe in dieser Woche entscheiden, wie sie mit den Vetos aus dem Vatikan umgehen. Bisher war die Mehrheit unter ihnen für die Reformen des "Synodalen Wegs". Doch der heftige Gegenwind aus Rom könnte nun einige ins Wanken bringen.

Bätzing will Geschlossenheit der Bischöfe

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, möchte in Dresden erreichen, dass die Bischöfe sich möglichst geschlossen hinter die Veränderungen stellen. Kontroverse Debatten sind in dieser Woche vorprogrammiert. Die Reformbewegung Maria 2.0 forderte die Bischöfe im Vorfeld ihrer Vollversammlung dazu auf, die Einrichtung des "Synodalen Rats" weiterzuverfolgen.
Andernfalls wäre der "Synodale Weg" auf "fatale Weise gescheitert". Als Folge sei ein "Massenexodus engagierter Katholikinnen und Katholiken" zu befürchten, der die katholische Kirche in die Bedeutungslosigkeit abgleiten ließe. Die Bewegung Maria 1.0 hingegen forderte die Bischöfe auf, den "Synodalen Weg" einzustellen. Aufgrund der Vetos aus Rom sei er am Ende, so eine Sprecherin der Initiative konservativer Katholiken.

Kirche will sich breiter gegen sexualisierte Gewalt aufstellen

Zweites wichtiges Thema bei der Vollversammlung in Dresden ist die Neustrukturierung der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt sowie von Machtmissbrauch durch Kleriker und Kirchenmitarbeiter im Bereich der Bischofskonferenz. Die Bischöfe haben im Herbst beschlossen, sich bei diesem Themenfeld breiter aufzustellen. Statt eines Missbrauchsbeauftragten gibt es seitdem zwei Bischöfe, die den Bereich leiten. Wie die Arbeit aber im Detail strukturiert sein soll und wie die Betroffenen stärker einbezogen werden können, ist bisher offen.
Der Sprecher des Betroffenenbeirats bei der Deutschen Bischofskonferenz, Johannes Norpoth, forderte im Vorfeld der Vollversammlung mehr Rechte für Missbrauchsopfer. So müsse es etwa ein Recht auf Akteneinsicht und auf individuelle Aufarbeitung geben, erklärte Norpoth in einem Interview. Zudem kritisierte er, dass die Bistümer in Deutschland noch immer kein einheitliches Verfahren bei der Aufarbeitung hätten.

Gelingt der Spagat? Bischöfe unter Druck

Sowohl beim Thema Missbrauch als auch bei der Frage nach Reformen stehen die Bischöfe unter Druck. Die Erwartungen der Betroffenen und der Basis sind hoch. Die Bischöfe sind sich dessen bewusst. Noch ist nicht klar, wie der Spagat zwischen den Vorgaben aus Rom und den Erwartungen der Gläubigen gelingen kann. Die Beratungen der Bischöfe in Dresden werden daher nicht einfach.