: Musk streitet wegen Fake-Account mit Senator

14.11.2022 | 11:09 Uhr
Ein Journalist legt in einem Experiment einen Fake-Account mit Verifikations-Häkchen für einen US-Senator an. Das hat Folgen für Elon Musk. Und viele User suchen sich Alternativen.
Wegen des Chaos bei Twitter wechseln viele Nutzer zu anderen Plattformen, zum Beispiel zu Mastodon.Quelle: dpa
Der neue Twitter-Besitzer Elon Musk hat sich nach dem Chaos um täuschend echt aussehende Fake-Accounts eine scharfe Warnung eines einflussreichen US-Senators eingehandelt. "Bringen Sie Ihre Unternehmen in Ordnung. Oder der Kongress wird das erledigen", schrieb der Demokrat Ed Markey am Sonntag nach einem verbalen Schlagabtausch mit Musk bei Twitter.
Auslöser für den Streit war ein Experiment der "Washington Post".

Fake-Account von Senator angelegt

Einem Journalisten der Zeitung gelang es, einen Fake-Account für den Senator anzulegen, der mit einem Verifikations-Häkchen versehen war. Möglich wurde das mit dem neuen Verfahren, bei dem die bisher an Prominente, Politiker und Unternehmen nach einer Prüfung vergebenen Verifikations-Zeichen alle Nutzer bekommen sollen, die acht Dollar im Monat als Abo-Gebühr bezahlen. Eine Identitätsprüfung gibt es nicht.
Das Häkchen-Symbol sieht dabei in beiden Fällen gleich aus. Nur beim Anklicken wird in einem Erklärtext angezeigt, ob der Account das Häkchen wegen seiner Bedeutung bekam - oder weil der Nutzer dafür bezahlte.

Verifikations-Häkchen ohne Identitätsprüfung

Musk hatte gesagt, dass aus seiner Sicht die Authentifizierung durch Bezahldienste und App-Plattformen vor einem Missbrauch des neuen Systems schützen sollte. Doch zahlreiche Nutzer hielt es nicht davon ab, acht Dollar auszugeben, um mit Verifikations-Häkchen versehene Fake-Accounts von Prominenten und Unternehmen anzulegen.
Twitter setzte die Abo-Funktion zum Wochenende aus. Sie solle voraussichtlich erst Ende der Woche wieder freigeschaltet werden, schrieb Musk bei Twitter. Bereits auf diese Weise vergebene Häkchen werden aber weiterhin angezeigt.

Markey: "Wilder Westen der sozialen Medien"

Die "Washington Post" legte mit einer Abo-Zahlung einen Fake-Account für Markey samt Verifikations-Häkchen an, während der Senator schon lange offizielle Profile bei dem Dienst hat. Markey warf Musk daraufhin vor, dass dessen "schnelle und willkürliche" Änderungen an der Plattform Twitter zu einem "Wilden Westen der sozialen Medien" machten. "Das ist inakzeptabel", schrieb Markey und forderte von Musk Erklärungen zum Verifikations-System.
Musk reagierte bei Twitter trotzig: "Vielleicht ist es, weil ihr echter Account wie eine Parodie daherkommt?"
Markey erinnerte ihn daraufhin daran, dass Twitter Verpflichtungen bei der mächtigen Verbraucherschutz-Aufsicht FTC habe eingehen müssen und der von Musk geführte Elektroautobauer Tesla von der Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA wegen Todesfällen untersucht werde.

Alternativen zu Twitter

Wegen des Chaos bei Twitter wenden sich viele Nutzer von der Plattform ab und suchen nach Alternativen. Eine Auswahl:

Mastodon

Mastodon ist dezentral aufgebaut und damit nicht in Einzelbesitz. Es besteht aus einem Netzwerk von Servern, die jeweils unabhängig voneinander betrieben werden. Daher muss bei der Anmeldung zunächst einer ausgewählt werden, um ein Konto zu erstellen.
  • keine Werbung
  • finanziert durch Spenden, Zuschüsse und andere Mittel
  • Posts heißen "Toots", bis zu 500 Zeichen möglich, außerdem Fotos und Videos, Accounts folgen

Counter Social

  • werbefrei
  • finanziert durch Nutzer
  • ausländische Einflussnahme soll verhindert werden, daher werden nach eigenen Angaben der Zugang zu Russland, China, Iran, Nordkorea, Pakistan und Syrien blockiert

Clubhouse

  • Audio-App: Telefonkonferenzen, Podcasts, Audio-Chats
  • selbst Themen setzen oder ihnen beitreten
  • keine Beiträge, Fotos oder Videos, nur Profilbilder der Teilnehmer und ihre Stimmen

Tumblr

  • Blogging-Plattform: Texte, Bilder, Videos, Audios
  • "Retro-Charme"
Quelle: dpa, AP

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