: "Welt zu Gast bei Franz", Hoeneß gegen AfD

von Johannes Lieber, München
19.01.2024 | 19:29 Uhr
München sagt "Servus" zu einem der ganz Großen. Zehntausende Fans haben in der Allianz Arena Abschied von Franz Beckenbauer genommen. Eine Feier, die Eindruck hinterlässt.
Knapp 300 Kilometer ist Paul aus Südtirol angereist. Er will seinem Idol das letzte Mal im Stadion applaudieren. Schon als Kind habe er "dem Franz" beim Fußballspielen zugesehen, berichtet er. Den legendären Außenrist-Schuss von Beckenbauer konnte Paul aber nie kopieren. Auch wenn er ihn nicht persönlich kennenlernte, bei der Nachricht seines Todes seien auch bei Paul Tränen geflossen.
Schon Stunden vor dem offiziellen Start haben sich Tausende Fans auf den Weg in die Allianz Arena gemacht. Schnell fällt auf: Sehr viele Fans verbinden persönliche Geschichten mit Beckenbauer. So auch Lilli, die den "Kaiser" zu seiner Zeit als Spieler im Münchner Olympiastadion bestaunte. Zweimal habe sie ihn persönlich getroffen. Bei dem Gedanken an seinen Tod kommen ihr die Tränen.

Andächtige Stimmung in der Allianz Arena

Die Stimmung in der Arena ist nicht vergleichbar mit einem normalen Spieltag. Keine Fangesänge, keine Popmusik, wenig Bier. Der Mittelkreis ist mit einem großen Bild des "Kaisers" ausgefüllt. Rundherum liegen Trauerkränze. Gegenüber von der Fankurve, die weitgehend leer blieb, wurde eine Bühne in die Ränge gebaut. Darauf steht: "Spieler - Kaiser - Mensch". Im Strafraum ist die Zahl fünf zu sehen - aus hunderten roten Rosen zusammengesteckt. Die Rückennummer des gebürtigen Münchners.
Schon im Vorprogramm wird ein kurzer Film über Beckenbauer auf den Leinwänden gezeigt. Als dieser vorbei ist, erheben sich die Menschen zu stehenden Ovationen. Einer fällt dabei besonders auf. Csaba steht trotz Minusgraden ohne ein Oberteil auf der Tribüne. Das ist "sein Trikot", sagt er. Der Tod Beckenbauers habe ihn tief berührt, so der gebürtige Ungar. Er ist sich sicher: Die Kritik der letzten Jahre hat dem ehemaligen Weltfußballer sehr zugesetzt. Im Umgang mit Beckenbauer habe Csaba in den letzten Jahren die allgemeine Dankbarkeit vermisst.

Freunde des "Kaisers" gedenken im Stadion

Der Beginn der Trauerfeier ist gleichzeitig einer der Höhepunkte. Elf Freunde von Beckenbauer laufen wie eine Fußballmannschaft auf den Rasen. Darunter Lothar Matthäus, Bastian Schweinsteiger und Paul Breitner. Begleitet werden sie dabei aber nicht von der normalen Einlaufmusik, sondern von Opernsänger Jonas Kaufmann. Der singt "Time to say Goodbye" in der italienischen Version "Con te partiro". "So wie es sich der Franz gewünscht hätte", betont der Präsident des FC Bayern München, Herbert Hainer, in seiner Rede. Heute sei "Die Welt zu Gast bei Franz".
Karl-Heinz Rummenigge, Wolfgang Overath, Lothar Matthäus, Günter Netzer, Andy Brehme und Bastian Schweinsteiger nehmen Abschied.Quelle: dpa
Nicht nur Persönlichkeiten aus dem Sport, sondern auch aus der Politik kamen zu Wort. So würdigten Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der bayrische Ministerpräsident Markus Söder die "Lichtgestalt" des deutschen Fußballs. Der Ehrenpräsident des FC Bayern und persönliche Freund Beckenbauers, Uli Hoeneß, sprach ebenfalls zu den Fans und Gästen. Der sichtlich berührte Hoeneß sagte:
Von Franz konnte man nicht nur auf dem Platz, sondern überall im Leben lernen.
Uli Hoeneß, Ehrenpräsident des FC Bayern München

Für viele wird es ein bewegender Tag. In der Münchner Allianz Arena wollen Zehntausende Menschen von der verstorbenen Fußball-Legende Franz Beckenbauer Abschied nehmen.

19.01.2024 | 04:53 min

Hoeneß appelliert an Nationalstolz ohne die AfD

Lauten Applaus bekam er für die Forderung, dass man wieder zu dem Gefühl der WM 2006 zurückkehren müsse. Zum Stolz auf Deutschland. Noch lauter war der Applaus, als er sagte, dass er die AfD nicht dabeihaben will. Ein politischer Exkurs, der zwar überraschte, vom Publikum aber begrüßt wurde. Zum Abschluss sagte er:
Franz, jetzt bist du seit 12 Tagen tot. Und um ehrlich zu sein: Du fehlst mir sehr.
Uli Hoeneß, Ehrenpräsident des FC Bayern München
Nach über einer Stunde endet die Trauerfeier. Wieder mit einer Einlage von Jonas Kaufmann. Paul aus Südtirol bilanziert: "Angemessen". Etwas zu viel klassische Musik für seinen Geschmack, aber dem Kaiser muss es ja gefallen. Er macht sich morgen wieder auf dem Weg in das knapp 300 Kilometer entfernte Bozen. Csaba bleibt noch länger. Am Ende der Feier sitzt er als Einziger auf dem Zaun zum Spielfeld. Natürlich immer noch oben ohne. So wie er es bei jedem Spiel macht. Nur, dass dieser Abpfiff etwas Endgültiges hat.

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