: Experten: Schlafstörungen sind Erkrankungen

21.06.2023 | 05:37 Uhr
Millionen Menschen in Deutschland leiden an Schlafstörungen - das sollte nicht verharmlost werden, sagen Experten. Sie warnen vor "Wundermitteln" und nutzlosen Schlaf-Gadgets.
Experten raten bei Schlafstörungen vor zweifelhaften Präparaten und manchen Schlafhilfen ab. (Illustration)Quelle: Colourbox.de
Ausgerechnet am längsten Tag des Jahres, dem 21. Juni, will der im Jahr 2000 ins Leben gerufene "Tag des Schlafes" auf die Wichtigkeit gesunden Schlafes aufmerksam machen. Und eigentlich ist es ganz einfach: Wenn man müde ist, legt man sich ins Bett, macht die Augen zu, schläft ein und durch. Doch Millionen Menschen in Deutschland können das nicht. Ein- und Durchschlafstörungen gelten heute als Volkskrankheit.

Psychologen: Schlafstörungen sind Erkrankungen

Eine Insomnie - so das wissenschaftliche Wort - haben laut epidemiologischen Studien heute zwischen sechs und zehn Prozent der Bevölkerung. Das seien mindestens fünf Millionen Bundesbürger, teilt die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) mit. Die Experten warnten vor einer Bagatellisierung von Schlafstörungen.
Hans-Günter Weeß, Diplom-Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut, betont: "Schlafstörungen sind medizinische Erkrankungen." Sie bewirkten nicht nur ein höheres Gesundheitsrisiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Angststörungen oder Depressionen. Auch das Leistungsvermögen werde dadurch geschwächt.
Doppelt so viele Menschen sterben auf unseren Straßen infolge von Übermüdung und Sekundenschlaf als infolge von Alkohol.
Hans-Günter Weeß, Diplom-Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut
Schlafstörungen seien ernsthafte Erkrankungen und sollten von Ärzten und Psychotherapeuten behandelt werden, nicht von medizinischen Laien, zu denen er etwa selbst ernannte "Schlafcoaches" zählt.

Helfen digitale Anwendungen bei Schlafstörungen? Markus Specht leitet das Schlaflabor in der DKD in Wiesbaden und erklärt, wie diese funktionieren und wie sie den Arzt ergänzen können.

17.03.2023 | 08:34 min

Mediziner warnen vor Schlaf-"Wundermitteln"

Wer einmal schlecht schläft, muss noch nicht zum Arzt. Doch wann sollte man bei Schlafstörungen zu einem Mediziner gehen? Oberärztin Anna Heidbreder vom Kepler Universitätsklinikum in Linz und DGSM-Vorstandsmitglied sagt dazu:
Wenn ein Symptom dreimal in der Woche über mindestens drei Monate anhält, ist es ratsam, Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Anna Heidbreder, Oberärztin vom Kepler Universitätsklinikum in Linz und DGSM-Vorstandsmitglied
Zugleich warnen die Schlafmediziner vor "Wundermitteln" gegen Schlafstörungen. "Wir erleben gegenwärtig eine Kommerzialisierung von Schlafstörungen", sagte Psychologe Weeß, der die schlafmedizinische Abteilung des Pfalzklinikums Klingenmünster leitet und Autor zahlreicher Fachbücher ist. Der Leidensdruck Betroffener sei hoch.
Welche Anzeichen für Schlafstörungen gibt es und was hilft? Ein Überblick.

Versorgungslücke bei Schlafstörungs-Behandlung?

Bei vielen hielten die Schlafstörungen über ein Jahr an. "Zugleich haben wir in unserem Gesundheitssystem eine Versorgungslücke, was die Behandlung von Schlafstörungen angeht. Weeß sagt:
Die Medizin hat den Schlaf verschlafen.
Hans-Günter Weeß, Diplom-Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut
Es verwundere daher nicht, dass viele Menschen "in einem pseudomedizinischen Bereich Hilfe suchen".

Zweifelhafte Mittel statt professioneller Hilfe

Für vermeintliche Schlafhilfen würden weltweit Milliarden Euro ausgegeben. "Viele dieser Gadgets versprechen einen besseren Schlaf, ein besseres Leistungsvermögen am Tage und mehr Wohlbefinden. Aber selten ist es so, dass diese Gadgets tatsächlich ihr Versprechen halten", so die DGSM.
Dies sei aber kein Wunder, weil viele dieser Methoden von medizinischen Laien oder von Wirtschaftsunternehmen entwickelt würden. Es fehle meist an einer wissenschaftlichen Bestätigung der Wirksamkeit. Die Liste reicht laut DGSM von "Melatonin-Gummibärchen" bis zu diversen pflanzlichen Schlafmitteln.
Mit "Sleeptrackern" oder Smartwatches könnten "nicht, wie häufig suggeriert, verlässliche Aussagen zur Schlafqualität getroffen werden", hieß es. Häufig vermitteln die sich auf dem Markt befindlichen Sleepgadgets dem Nutzer aufgrund ihrer Erscheinungsform einen hochtechnischen und wissenschaftlich fundierten Charakter", sagte Dora Triche von der DGSM. Doch die wenigsten dieser Schlafhilfen seien wissenschaftlich erprobt. "Viele Menschen mit Schlafstörungen sind nach dem Kauf enttäuscht, da sich der versprochene Erfolg nicht einstellt."
Quelle: KNA

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