: Vatikan weiter gegen Reformidee der Bischöfe

27.02.2023 | 20:21 Uhr
Die katholische Bischofskonferenz in Deutschland will einen "Synodalen Rat" aus Laien und Klerikern einrichten. Harscher Gegenwind kommt nach wie vor aus dem Vatikan.
Papstbotschafter Nikola Eterovic sprach sich am Montag erneut klar gegen die Reformvorschläge der deutschen Bischöfe aus (Archivbild).Quelle: Imago
Der Konflikt zwischen der Deutschen Bischofskonferenz und der römischen Kirchenzentrale spitzt sich zu. Der Konferenz-Vorsitzende Georg Bätzing wies den römischen Widerspruch gegen die geplante Gründung eines "Synodalen Rats" am Montag zurück.
Die diplomatische Vertretung des Vatikan in Deutschland, der Apostolische Nuntius Nikola Eterovic, bekräftigte daraufhin die Ablehnung der Reform. In einem am Montag veröffentlichten Grußwort schreibt Eterovic, dass der von der deutschen Kirche geplante "Synodale Rat" aus Klerikern und Laien auf keiner Kirchenebene möglich sei.

Papst Franziskus ist klar gegen den Rat

Eterovic bezieht sich in seinem Grußschreiben auf die Diskussion, die ein vor einem Monat von mehreren Kardinälen veröffentlichter Brief ausgelöst hat. Darin wird der Bischofskonferenz mit ausdrücklicher Unterstützung von Papst Franziskus die Befugnis abgesprochen, einen "Synodalen Rat" einzurichten.
Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Bätzing, kündigte nach diesem Brief dennoch an, an dem "Synodalen Rat" festhalten zu wollen. Eine drohende Abspaltung der katholischen Kirche in Deutschland von der Weltkirche befürchte er nicht, sagte der Bischof am Montag zum Auftakt der Frühjahrsvollversammlung der Bischöfe in Dresden.
Wer von Spaltung spricht, der verspricht sich was davon. Ich spreche davon nicht, weil sie niemand will.
Georg Bätzing, Vorsitzender der Bischofskonferenz
Anders als einen "Synodalen Rat" befürwortete Eterovic einen synodalen Ausschuss innerhalb der deutschen Kirche. Dieser solle beratenden Charakter haben. Wichtigen Dokumenten könne die Bischofskonferenz mit Zweidrittelmehrheit zustimmen.

Vatikan will keine neuen Strukturen, sondern einen neuen "Stil"

Allerdings mahnte der Botschafter des Vatikan in Deutschland, Synodalität in der Kirche sei "mehr eine Frage des Geistes und des Stils als der Strukturen". Statt neue Einrichtungen zu gründen, sollten die bestehenden Gremien im synodalen Geist belebt werden.
Eterovic nannte dabei konkret den Priesterrat, das Konsultorenkollegium, den Pastoralrat oder den Rat für die wirtschaftlichen Angelegenheiten - im Wesentlichen sind dies Gremien, die vom ausschließlich männlichen Klerus geprägt sind.
Im Gegensatz dazu strebt der "Synodale Weg" aber eine stärkere Beteiligung der Laien und der Frauen an. Der Apostolische Nuntius warnte indirekt vor einer Spaltung der Kirche durch das deutsche Reformstreben. Dabei verwies er auf "dramatische Zeiten in der Menschheitsgeschichte" mit vielen kriegerischen Auseinandersetzungen, darunter der Krieg Russlands gegen die Ukraine.

Nicht alle deutsche Bischöfe sind für den Rat

Anlass für das erneut wiederholte Nein aus Rom war eine briefliche Anfrage der fünf Ortsbischöfe aus Köln, Augsburg, Eichstätt, Passau und Regensburg. Sie wollten vom Vatikan wissen, ob sie verpflichtet sind, an einem synodalen Ausschuss mitzuarbeiten, der den "Synodalen Rat" vorbereiten soll.
Bätzing sieht hinter diesem Vorstoß aus den eigenen Reihen nur eine Minderheit: "Es ist zumindest dem allergrößten Teil der Bischofskonferenz ein Anliegen, dass der "Synodale Weg" gelingt", sagte er.
Wir müssen Zeichen setzen, dass wir uns verändern. Sonst glauben uns die Menschen nicht mehr und laufen reihenweise weg.
Georg Bätzing, Vorsitzender der Bischofskonferenz
Mit dem "Synodalen Weg" will die katholische Kirche auch Konsequenzen aus dem Skandal um den vielfachen Missbrauch von Kindern durch Geistliche ziehen. Die Bischöfe wollen bei der Frühjahrsvollversammlung in Dresden versuchen, eine gemeinsame Linie für die letzte Synodalversammlung in Frankfurt vom 9. bis 11. März zu finden.
Schwerpunktthemen des Reformdialogs sind die Sexualmoral, die priesterliche Lebensform, Macht und Gewaltenteilung sowie die Rolle von Frauen in der Kirche.
Quelle: KNA, AFP

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