: Arzneimittelhersteller fordern Sofortmaßnahme

02.05.2023 | 09:39 Uhr
In Deutschland fehlen Medikamente, vor allem Antibiotika. Die Arzneimittel-Produzenten beklagen die schwierige Lage vieler Hersteller und fordern die Politik zum Handeln auf.

"Es ist notwendig, dass der Bereich der industriellen Gesundheitswirtschaft generell unterstützt wird", so Hubertus Cranz, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Arzneimittel-Hersteller.

02.05.2023 | 05:07 min
Angesichts fehlender Medikamente auf dem deutschen Markt fordern die Arzneimittel-Hersteller Sofortmaßnahmen, um die wirtschaftliche Situation von Produzenten zu verbessern.

Arzneimittel-Hersteller: Markt wurde "kaputtgespart"

Hubertus Cranz, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Arzneimittel-Hersteller (BAH), benannte im ZDF Morgenmagazin zwei Gründe für den Arzneimittel-Mangel:
  • Zum einen gebe es eine "Infektionslage, die so nicht erwartet werden konnte" und somit eine höhere Nachfrage, gerade nach Antibiotika.
  • Zum anderen gebe es strukturelle Probleme, der Markt sei "kaputtgespart" worden durch Maßnahmen, die das Preisniveau vor allem bei patentfreien Medikamenten gedrückt hätten, so dass einige Hersteller den Markt verlassen hätten.
Wir haben nun mal die Situation, dass durch die de-facto Preisdeckelung (…) die wirtschaftliche Situation für viele Hersteller sehr schwierig geworden ist.
Hubertus Cranz, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Arzneimittel-Hersteller

Lieferengpassgesetz vom Kabinett beschlossen

In der vergangenen Woche hatten Kinder- und Jugendärzte aus mehreren europäischen Ländern einen Brandbrief an ihre Gesundheitsminister verfasst und fehlende Kinderarzneimittel angeprangert. Das Bundesgesundheitsministerium erklärte jüngst offiziell einen Versorgungsmangel mit Antibiotikasäften für Kinder - damit können die Importregeln gelockert werden.
Anfang April beschloss das Kabinett zudem ein Lieferengpassgesetz. Es sieht verschiedene Anreize für Pharmahersteller vor, damit der Verkauf in Deutschland lohnenswerter wird. Das Gesetz ist laut Cranz "in Teilbereichen ein richtiger Ansatz".
Wir sind froh, dass die Politik überhaupt einmal diese Thematik aufgegriffen hat. Über Jahre hinweg hat man das ignoriert.
Hubertus Cranz, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Arzneimittel-Hersteller

In vielen Ländern Europas mangelt es an Medikamenten. Vor allem Antibiotika und Fiebersäfte sind nicht verfügbar. Die EU will diese Mangellage mit einer Reform in den Griff kriegen

26.04.2023 | 05:00 min

Forderung nach Inflationsausgleich

Bei den gesetzlichen Neuregelungen gehe es jedoch vor allem um Kinderarzneimittel. Generell aber werde das Gesetz nicht helfen wegen des Drucks durch hohe Kosten bei gleichzeitig "de-facto gedeckelten Preisen". "Es ist wenn man so will eine Notmaßnahme, aber es ist kein generelles Angehen an der Problematik, die wir in Deutschland haben."
Als Sofortmaßnahme sei ein Inflationsausgleich insgesamt im Arzneimittelbereich notwendig. Jeder sei zurzeit mit stark gestiegenen Preisen konfrontiert. "Und wenn man diese Preise dann nicht am Markt entsprechend anpassen kann", dann komme man in eine sehr schwierige Situation. Deshalb sei der Inflationsausgleich die wichtigste Maßnahme.
Quelle: ZDF, dpa

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