: Selenskyj: "Welt muss sich daran erinnern"

25.11.2023 | 19:11 Uhr
Präsident Selenskyj hat am Holodomor-Gedenktag an die Opfer der Hungerkrise in der Ukraine erinnert. US-Präsident Biden sieht Parallelen des Genozids zum Angriff Russlands jetzt.
Der ukrainische Präsident Selenskyj und seine Frau Lady Zelenska gedenken der Todesopfer des Völkermords durch eine absichtliche Hungerkrise. Quelle: Kupec Petr
Am Gedenktag der gezielt herbeigeführten Hungersnot von 1932 und 1933 ("Holodomor") hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Einstufung dieses sowjetischen Verbrechens als Völkermord für "extrem wichtig" erklärt.
Sie wollten uns demütigen, töten, ausrotten. Sie haben versagt.
Wolodymyr Selenskyj, Präsident Ukraine

Millionen Ukrainer starben an Hungerskrise unter Stalin

Das sagte Selenskyj am Samstag in einer Ansprache, in der er an die Hungerkatastrophe unter Sowjetführer Josef Stalin erinnerte. Diesem als Holodomor ("Mord durch Hunger") bezeichneten Verbrechen fielen damals in der Ukraine Millionen Menschen zum Opfer.

Was bedeutet "Holodomor"?

Der Begriff "Holodomor2 lässt sich übersetzen als "Tötung durch Hunger". Er wird für eine verheerende Hungersnot in der Ukraine in den Jahren 1932 und 1933 verwendet, die der sowjetische Diktator Joseph Stalin durch die erzwungene Kollektivierung der Landwirtschaft ausgelöst hatte. Damals starben in der Ukrainischen Sowjetrepublik etwa 3,5 Millionen Menschen.

Die ukrainische Hungersnot wurde in der Sowjetunion weitestgehend totgeschwiegen und auch im Westen nur wenig wahrgenommen. In der Ukraine wurde der "Holodomor" 2006 vom Parlament offiziell als Genozid bezeichnet und seine Leugnung unter Strafe gestellt. In Deutschland versuchte eine Petition an den Bundestag im Jahr 2019, eine Einstufung der Hungersnot als Völkermord zu erreichen. 2022 stufte der Deutsche Bundestag den Holodomor als Völkermord ein.

Quelle: dpa, Andreas Kappeler: Ungleiche Brüder. Russen und Ukrainer vom Mittelalter bis zur Gegenwart

Selenskyj fügte in seiner Gedenk-Ansprache hinzu:
Das Böse wurde nicht gestoppt. Es wurde nicht gesühnt. Und jetzt stoppen wir es.
Wolodymyr Selenskyj, Präsident Ukraine
Er dankte allen Staaten, die den Holodomor bereits als Genozid anerkannt haben. "Die Gerechtigkeit breitet sich in der ganzen Welt aus. Die Welt muss davon wissen, die Welt muss das anerkennen, die Welt muss sich daran erinnern", sagte er. In Deutschland stufte der Bundestag den Holodomor im vergangenen Jahr als Völkermord ein.
Selenskyj prangerte außerdem an, dass Russlands Armee die Ukraine ausgerechnet in der Nacht vor dem Gedenktag mit einer Rekordanzahl von 75 Kampfdrohnen beschossen hatte. "Bewusster Terror. Gerade jetzt. Russlands Führung ist stolz darauf, dass sie töten kann."
Der Staatschef betonte, dass die heutigen russischen Täter konsequent zur Verantwortung gezogen werden müssten. "Denn obwohl es Verbrechen ohne Verjährungsfrist gibt, muss Gerechtigkeit rechtzeitig erfolgen."

Russland hat die ukrainische Hauptstadt Kiew aus der Luft attackiert. Infolge des bisher größten Drohnenangriffs kam es zu Verletzten und zahlreiche Gebäude wurden beschädigt.

25.11.2023 | 00:17 min

Biden sieht Parallelen von Holodomor zu Angriff auf Ukraine

US-Präsident Joe Biden zog in einer Stellungnahme zum Holodomor-Gedenktag eine Verbindung von den Geschehnissen damals zum gegenwärtigen russischen Angriffskrieg in der Ukraine.
Heute wird die landwirtschaftliche Infrastruktur der Ukraine erneut gezielt angegriffen - dieses Mal von (Russlands Präsidenten) Wladimir Putin als Teil seines Eroberungs- und Machtstrebens.
Joe Biden, Präsident USA
In der vom Weißen Haus verbreiteten Mitteilung hieß es weiter, Russlands Streitkräfte versuchten, die Wirtschaft und Unabhängigkeit der Ukraine zu zerstören, indem sie absichtlich Felder beschädigten und die Getreidelager und Häfen der Ukraine zerstörten. "Dies ist nicht nur ein Angriff auf die wirtschaftliche Sicherheit der Ukraine, sondern ein zynischer Angriff auf die Lebensmittelsicherheit überall", teilte Biden mit.
"An diesem Jahrestag gedenken wir all derer, die in der Vergangenheit und in der Gegenwart so viel Leid ertragen haben und die immer noch gegen die Tyrannei kämpfen", resümierte Biden.

Ukraine: Hier können Sie spenden

Quelle: ZDF
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Wie arbeitet das Aktionsbündnis?

Das Aktionsbündnis Katastrophenhilfe hilft Menschen in der Ukraine und auf der Flucht. Gemeinsam sorgen die Organisationen Caritas international, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonie Katastrophenhilfe und UNICEF Deutschland für Unterkünfte und Waschmöglichkeiten, für Nahrungsmittel, Kleidung, Medikamente und andere Dinge des täglichen Bedarfs. Auch psychosoziale Hilfe für Kinder und traumatisierte Erwachsene ist ein wichtiger Bestandteil des Hilfsangebots.
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Quelle: dpa

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