: Wie die Osterinsel in Mikroplastik versinkt

von Christoph Röckerath
05.04.2024 | 19:54 Uhr
Unmengen von Plastikmüll verschmutzen die Ozeane. Besonders betroffen ist Rapa Nui, die Osterinsel im Pazifik. Der Appell aus Polynesien an die Welt: Bekommt den Müll in den Griff!

Die Osterinsel, ein abgelegener Ort – doch vor einer Plage auch nicht gefeit. Angespültes Plastik bedroht die lokale Tierwelt. Der Kampf einer Insel, nicht zur Müllkippe zu werden.

04.04.2024 | 03:02 min
Das Wasser vor Rapa Nui, der Osterinsel im Pazifik, ist wunderbar klar. Bis auf einen leichten Schleier im Wasser, der hier allerdings nicht nur aus Plankton besteht, sondern auch aus Nano- und Mikroplastik. Angespült aus aller Welt. Dem wollen die Staatschefs von Polynesien den Kampf ansagen.
Zwanzig Meter unterhalb der Wasseroberfläche tauchen die beiden Meeresbiologinnen Pamela Averill und Moiko Pakomio nach Seeigeln. Diese sind selten geworden. Warum, ist noch nicht abschließend geklärt. Auffällig ist, dass im Innern der Tiere immer öfter feines Plastik gefunden wird. Heute entdecken die Forscherinnen nur einen Seeigel und werden ihn später im Labor untersuchen.

Jedes Jahr gelangen mehr als 11 Millionen Tonnen Plastikmüll in die Ozeane. Es bilden sich riesige Müllstrudel und mit der Zeit entsteht Mikroplastik.

04.04.2024 | 00:41 min

Mikroplastik: Teil der Nahrungskette des Meeres

Am Strand stößt eine kleine Gruppe Freiwilliger zu Averill und Pakomio. Regelmäßig durchsieben sie den Sand, um ihn vom allgegenwärtigen Plastik zu befreien, das jeden Tag aufs Neue angespült wird.
Ludo Burns, der auf der Osterinsel geboren wurde, leitet die NGO "Flut von Rapa Nui". Er weiß, wie das Plastik inzwischen die gesamte Nahrungskette des Meeres betrifft. Er hebt ein merkwürdig gezacktes Stück Kunststoff hoch. Es zeigt Spuren von jungen Korallen und Abdrücke von Haifischzähnen.
"Am Plastik im Meer siedeln sofort Korallen. Die wiederum locken die ersten Fische an", erklärt er.
Sobald kleine Fische am Plastik sind, kommen große Fische, um sie zu fressen, wie die Haie. Aber wenn die dann zubeißen, fressen sie das Plastik gleich mit.
Ludo Burns, NGO "Flut von Rapa Nui"

Noch ist es nicht zu spät, die Ozeane zu retten. Mit unkonventionellen Methoden könnte man die wichtigen Funktionen der Meere für unser Ökosystem erhalten.

03.08.2021 | 29:53 min

Rapa Nui: Am Rande des pazifischen Müllstrudels

In einer guten halben Stunde hat die Gruppe rund acht Kilogramm Mikroplastik, also Partikel, die kleiner als fünf Millimeter sind, aus dem Sand gesiebt. Und das in einem Areal von nur fünf mal zehn Metern.
Schätzungsweise elf Millionen Tonnen Plastikmüll gelangen jedes Jahr in die Ozeane. Meeresströmungen treiben es in fünf riesigen Müllstrudeln zusammen. Einer davon befindet sich im Südpazifik. Die Osterinsel liegt am Rande dieses Strudels.

Müll aus aller Welt an polynesischen Stränden

Das Recycling-Center der Insel ist längst überfordert. Chefin Alexandra Tuki blickt über das Gelände, auf dem sich Dutzende Säcke und Kisten mit Plastikmüll in allen Formen und Größen befinden. Die Aufschriften sind Englisch, Chinesisch, Spanisch. Alles, was hier liegt, wurde angespült. Bei dem Anblick zweifelt Tuki an der Menschheit.
Mehr als Wut oder Traurigkeit löst das Mitleid in mir aus. Dass wir sterbliche Wesen auf diesem Planeten sind, die nicht in der Lage sind, gemeinsam zu erkennen, dass das ein Problem für uns alle ist.
Alexandra Tuki, Recycling Center Rapa Nui

Das Wundermaterial Kunststoff sollte ursprünglich die Abholzung von Wäldern aufhalten und der Umwelt helfen. Stattdessen führte es zu einer Umweltkatastrophe, die außer Kontrolle geriet.

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Pazifik-Gipfel gegen Plastikmüll im Meer

Pedro Edmunds, Bürgermeister von Rapa Nui, hofft, dass der Gipfel der Pazifik-Anrainer, der in diesen Tagen auf der Insel stattfindet, vor allem die großen Müllproduzenten, die sogenannten entwickelten Länder, zum Umdenken bringt:
Es ist falsch, ein Land als entwickelt zu bezeichnen, wenn es Müll produziert. Entwickelt ist ein Land eigentlich erst, wenn es darüber nachdenkt, was es seinen Kindern hinterlässt.
Pedro Edmunds, Bürgermeister Rapa Nui

Adidas bewirbt einen teilweise aus Meeresplastik gefertigten Schuh. Das große Ding in Sachen Nachhaltigkeit oder nur Greenwashing?

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Mikroplastik im Magen

Im Labor sezieren die Biologinnen Pamela Averill und Moiko Pakomio den Seeigel, den sie am Morgen aus dem Meer gefischt haben. Auch er enthält feine Fäden und Fasern, die nicht reißen und sich im Inneren des Tieres angesammelt haben.
"Eindeutig Mikroplastik", sagt Pakomio resigniert. Die beiden sind besorgt, denn Seeigel stehen recht weit unten in der Nahrungskette der Ozeane.
"Der Seeigel aber ist eine Art, die die Felsen und Korallen reinigt. Und selbst der frisst bereits Plastik", sagt Pamela Averill. Am Ende der Nahrungskette würden auch wir Menschen immer mehr von diesem Plastik konsumieren.
"Wir müssen unsere Konsumgewohnheiten ändern. Wenn wir schon Plastik verwenden, müssen wir dafür sorgen, dass es richtig entsorgt wird oder recycelt, dass es nicht im Meer landet. Die Erde weint, wir müssen den Plastikverbrauch bremsen und stoppen. Es kann so nicht weitergehen."
Christoph Röckerath ist Südamerika-Korrespondent und Leiter des ZDF-Studios Rio de Janeiro.

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