: Kurzer Rausch: Thailands Umkehr beim Kiffen

von Johannes Hano und Paulina Träber
02.04.2024 | 14:24 Uhr
Früher drohte die Todesstrafe, seit 2022 war Kiffen legal. Zwei Jahre lang florierte Thailands Wirtschaft dank des Cannabis-Tourismus. Doch damit soll jetzt Schluss sein.
Nach der Legalisierung eröffneten viele Cannabisläden in Thailand. Doch diese werden Ende des Jahres schließen müssen.Quelle: AFP
Es war schon eine Sensation als die thailändische Regierung 2022 eine weitgehende Legalisierung von Cannabis beschloss - als erstes und einziges Land in Südostasien. Schließlich droht in vielen Ländern der Region für Drogenhandel noch immer die Todesstrafe.

Von Todesstrafe zur Legalisierung

Auch Thailand war bis dahin für seine strenge Drogenpolitik bekannt. Bei Besitz drohten lange Haftstrafen in den berüchtigten und überfüllten Gefängnissen, bei großen Mengen auch hier die Todesstrafe. Dann im Juni 2022 die radikale Wende zumindest für Cannabis. Besitz, Kauf, Anbau und Verkauf wurden legalisiert. Verboten blieb der Verkauf an schwangere und stillende Frauen und Personen unter 20 Jahren. Auch der THC-Gehalt des Cannabis wurde beschränkt, auf 0,2 Prozent.

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Cannabis-Tourismus brachte Millionen Gewinne

Vieles hatte man sich versprochen von der Legalisierung: eine Entlastung der völlig überfüllten Gefängnisse und die Ankurbelung von Tourismus und Wirtschaft nach Corona. Und die Rechnung schien aufzugehen.  
Die vielen Häftlinge, die wegen Cannabisdelikten einsaßen wurden freigelassen, eine Art Cannabis-Tourismus bescherte dem Land steigende Einnahmen - fast 800 Millionen US-Dollar, so Schätzungen der thailändischen Handelskammer. Viel Geld für das arme Land. Für 2030 lag die Prognose sogar bei bis zu neun Milliarden US-Dollar.

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Mehr als eine Million Thailänder beantragten Anbaulizenzen, kein Wunder, denn der Gewinn bei gleicher Fläche ist etwa 60 mal höher als durch Reisanbau. Tausende Cannabisläden schossen wie Pilze aus dem Boden. Cannabis wurde zu einem ernsten wirtschaftlichen Faktor für das Land. Doch damit ist Ende des Jahres wohl Schluss.

Cannabis zukünftig wieder verboten

Der Konsum von Cannabis soll wieder verboten werden. Einzige Ausnahme: der Einsatz zu medizinischen Zwecken, so Thailands Gesundheitsminister Cholnan Srikaew. Bei illegalem Anbau drohen wieder mehrere Jahre Haft. Hintergrund der Kehrtwende sind nach einer Studie des Gesundheitsministeriums wohl dramatisch gestiegene Fallzahlen von Menschen, die sich wegen psychischer Probleme nach Cannabiskonsum in Behandlung begeben mussten - von 37.000 in 2022 auf 61.000 im vergangenen Jahr, zitiert die Nachrichtenagentur AP.

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Thailändische Medien berichten zudem, dass immer mehr Minderjährige illegal Cannabis konsumieren und von einem starken Anstieg von Straftaten unter Drogeneinfluss. Offizielle Zahlen dazu aber liegen nicht vor.

Enorme Wirtschaftseinbußen ohne Cannabis

Für Thailands Wirtschaft und viele, die von der Legalisierung profitiert haben, wird die Verschärfung einen herben Rückschlag bedeuten, wenn das Gesetz Ende des Jahres in Kraft treten sollte. Der Bangkok Post sagte der Gesundheitsminister in einem Gespräch:
Es ist richtig, dass wir unsere wirtschaftliche Entwicklung fördern wollen, aber wir werden dabei keine Aktivitäten unterstützen, die eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit darstellen könnten.
Cholnan Srikaew, Gesundheitsminister von Thailand
Wie man die Wirtschaftseinbußen abfedern möchte, darauf gibt es noch keine Antwort. Auch nicht, wie man frühere Probleme, zum Beispiel übervolle Gefängnisse, vermeiden kann.
Trotzdem: Thailands Cannabislegalisierung, danach sieht es aus, war nur ein kurzer, intensiver Rausch.

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