: Meldestelle: 621 Fälle von Antiziganismus

18.09.2023 | 12:58 Uhr
Erstmals hat die neue Melde- und Informationsstelle Antiziganismus einen Jahresbericht vorgelegt. Der zeigt: Sinti und Roma sind hierzulande oft Anfeindungen und Gewalt ausgesetzt.

2022 wurden rund 620 antiziganistische Vorfälle gemeldet. Der Beauftragte der Bundesregierung rechnet mit einer hohen Dunkelziffer und fordert den klaren Kampf gegen Rassismus.

18.09.2023 | 01:32 min
Für Sinti und Roma sind Diskriminierung, Anfeindungen und sogar Gewalt einem neuen Bericht zufolge in Deutschland Alltag. Bundesweit 621 Vorfälle hat die neue Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA) für das Jahr 2022 erfasst.
Unter den gemeldeten Vorfällen sind unter anderem 343 Fälle von Diskriminierung und 245 Fälle von "verbaler Stereotypisierung" sowie elf Fälle von Bedrohung, 17 Angriffe und ein Fall von "extremer Gewalt".

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Dabei handele es sich um einen Fall im Saarland, der auch in der Statistik für politisch motivierte Kriminalität als antiziganistische Straftat erfasst worden sei, heißt es in dem nun veröffentlichten ersten MIA-Jahresbericht: Aus zwei vorbeifahrenden Autos heraus sei eine Personengruppe zuerst antiziganistisch beleidigt und anschließend mit einer Druckluftwaffe gezielt beschossen worden. Mehrere Menschen seien verletzt worden.

Meldestelle: Diskriminierung häufig auch auf institutioneller Ebene

Besonders bemerkenswert finden die Autoren des MIA-Berichts zwei Aspekte: Mehr als die Hälfte der erfassten Vorfälle entfielen auf Diskriminierung und "etwa die Hälfte der Fälle antiziganistischer Diskriminierung fand auf institutioneller Ebene statt".
Gemeint sind demnach staatliche Institutionen wie Polizei, Jugendamt, Jobcenter sowie kommunale Verwaltungen, die für die Unterbringung von Geflüchteten zuständig sind. Desweiteren seien vor allem viele aus der Ukraine geflüchtete Roma von Attacken betroffen.

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MIA: Vorfälle teilweise unter Schwelle der Strafbarkeit

In dem MIA-Bericht tauchen nach Angaben der Autoren einige wenige Taten auf, die auch in der Polizeistatistik ausgewiesen sind, darunter weitere Fälle von Gewalt sowie Beleidigung und Volksverhetzung. Im Wesentlichen bezieht sich der Bericht aber auf Meldungen bei eigens dafür eingerichteten regionalen Stellen. Die Fälle seien teils auch unter der Schwelle der Strafbarkeit.
MIA fordert deshalb, das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz nicht auf privates Recht zu beschränken, sondern auf staatliche Stellen auszuweiten und auf dieser Grundlage Diskriminierungen zu ahnden.
Quelle: dpa

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