: "Was sich im Sudan abspielt, ist beispiellos"

01.05.2023 | 00:15 Uhr
Seit Wochen wütet im Sudan ein Konflikt, der das Leben zum Überlebenskampf werden lässt. Die UN warnen vor einer humanitären Krise, die sich auf die ganze Region ausbreiten könnte.
Der UN-Nothilfekoordinator Martin Griffiths hat vor einer katastrophalen humanitären Krise im Sudan gewarnt. Im Moment drohe die Lage zu kippen, sagte Griffiths am Sonntag in einer Mitteilung des Amts der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten.
Das Ausmaß und die Geschwindigkeit dessen, was sich im Sudan abspielt, ist beispiellos.
Martin Griffiths, UN-Nothilfekoordinator
Er sagte, dass es zu enormen Plünderungen von Hilfsvorräten gekommen sei, die eine Unterstützung für die Zivilisten schwieriger machten. Vielen von ihnen gingen Wasser, Essen und andere wichtige Dinge aus.

Feuerpause im Sudan soll verlängert werden

Die beiden Konflikparteien im Sudan, das Militär und die paramilitärische Gruppe RSF, kündigten am Sonntag eine weitere Verlängerung einer Waffenruhe um drei Tage ab Sonntag um Mitternacht an. In den vergangenen Tagen hatte sich die Feuerpause aber als brüchig erwiesen.
Die Konfliktparteien machten sich gegenseitig für die Verstöße verantwortlich. Die Streitkräfte erklärten nun, sie kämen mit der Verlängerung der Waffenruhe einer Forderung der Vermittler aus den USA und Saudi-Arabien nach. Die paramilitärische Gruppe Rapid Support Forces (RSF) erklärte, sie sei aus humanitären Gründen für die Verlängerung.

Medizinische Hilfsgüter kommen im Sudan an

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) flog derweil rund acht Tonnen medizinischer Hilfsgüter in den Sudan. Der erste internationale Hilfstransport der Organisation seit Beginn der schweren Kämpfe vor zwei Wochen werde helfen, Tausende Menschen zu versorgen, die Schussverletzungen erlitten hätten, teilte das IKRK am Sonntag mit.
Die Hilfsgüter des Roten Kreuzes - darunter Betäubungsmittel, Verbände und chirurgisches Material - seien per Flugzeug aus Jordanien in die Hafenstadt Port Sudan gebracht worden. Eine weitere Maschine mit zusätzlichen Vorräten und Einsatzkräften solle bald folgen, hieß es.
Die Mitarbeiter im sudanesischen Gesundheitswesen "haben Unmögliches geleistet: Verletzte ohne Wasser, Strom und grundlegende medizinische Vorräte zu versorgen", sagte der Afrika-Direktor des IKRK, Patrick Youssef.

UN warnen vor Hunger in ganz Ostafrika

Das Welternährungsprogramm der UN warnt derweil vor einer Ausweitung der humanitären Krise auf die gesamte Region in Ostafrika. Der Direktor des Programms in Deutschland, Martin Frick, sagte der Nachrichtenagentur dpa:
Im Südsudan, das klimabedingt gleichzeitig in Überschwemmungen versinkt und andernorts vertrocknet, sind die Preise für Nahrungsmittel in kürzester Zeit um 28 Prozent gestiegen.
Martin Frick, UN-Welternährungsprogramm
Auch in den Nachbarländern Tschad und Südsudan komme es zu Preisanstiegen.

Hunderte Tote im Sudan

Im Sudan kämpft der De-facto-Präsident Abdel Fattah al-Burhan mithilfe der Streitkräfte seit dem 15. April gegen seinen Stellvertreter Mohammed Hamdan Daglo, der die RSF anführt. Die beiden Generäle hatten die Führung des nordostafrikanischen Land mit rund 46 Millionen Einwohnern durch gemeinsame Militärcoups übernommen.
Nach Angaben des sudanesischen Ärztekomitees sind viele Krankenhäuser infolge der Gefechte nicht mehr funktionstüchtig. Zudem fehle es an Medikamenten, medizinischen Gütern und Blutkonserven. Nach Angaben der Behörden sind den Kämpfen bereits mehr als 500 Menschen zum Opfer gefallen, mindestens 4.500 sind verletzt worden. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass die Zahlen tatsächlich höher liegen dürften.
Quelle: AP, dpa

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