: Wie man schneller zum Facharzt kommt

von Thomas Förster
24.08.2023 | 13:18 Uhr
Kassenpatienten warten im Schnitt doppelt so lange auf einen Termin beim Facharzt wie Privatpatienten. Solche Wartezeiten soll man verkürzen können. Welche Möglichkeiten es gibt.

Keine Termine oder lange Wartezeiten: Welche Möglichkeiten Patienten haben, um schneller zum Facharzt zu kommen. Wie und ob das funktioniert, zeigen wir im Video.

22.08.2023 | 05:28 min
Vor allem Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen haben oft Probleme, zeitnah einen Termin beim Facharzt zu erhalten. Laut einer Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung aus dem Jahr 2020 warten sie im Schnitt 25 Tage, Privatversicherte dagegen nur zwölf.
Viele Experten befürchten, dass die Wartezeiten für Kassenversicherte noch länger werden, weil Anfang des Jahres die so genannte Neupatientenregelung weggefallen ist. Durch die wurden Fachärzte bisher extra vergütet, wenn sie neue Patienten aufgenommen haben. Doch es gibt Möglichkeiten für Kassenversicherte, lange Wartezeiten zu vermeiden.

Die Hausarztvermittlung

Wenn Patienten einen dringenden Facharzttermin nicht selbst bekommen, können sie den Hausarzt um Hilfe bitten. Dieser entscheidet zunächst, ob eine Dringlichkeit vorliegt. Ist das der Fall, stellt er eine Überweisung mit einem Dringlichkeitsvermerk aus. Der Hausarzt vereinbart außerdem den Facharzttermin für den Patienten. Dieser Termin sollte innerhalb weniger Tage stattfinden, spätestens jedoch nach 35 Tagen.
Der Facharzt hält für die Hausarztvermittlung extra Termine frei. Er bekommt von den Krankenkassen dafür eine extra Vergütung, ebenso wie der Hausarzt für die Vermittlung. Die Hausarztvermittlung ist nicht für akute oder lebensbedrohliche Beschwerden gedacht.
Marcel Weigand von der Unabhängigen Patientenberatung (UPD) sieht grundsätzlich in dem Modell Vorteile für Patienten:
Wenn die Praxis sich tatsächlich darum kümmert, schnell einen Termin zu bekommen, dass es in der Regel schneller geht, als wenn der Patient sich selber auf den Weg macht und Praxen abtelefoniert.
Marcel Weigand, Unabhängige Patientenberatung (UPD)

Probleme bei Hausarztvermittlung

Quelle: Imago
Verbraucherschützer Marcel Weigand hört aber auch, dass einige Fachärzte das System offenbar ausnutzen würden: "Wir haben erlebt, dass Patienten uns berichtet haben, dass sie in einer Facharztpraxis, obwohl sie einen Termin gebucht hatten, wieder weggeschickt wurden. Mit der Bitte, als Hausarztvermittlungsfall wieder in die Praxis zu kommen."

Die Folge: Patienten, die schon auf einen Facharzttermin gewartet hatten, müssten sich erst an ihren Hausarzt wenden. Dort sollten sie dann nach einer Überweisung mit Dringlichkeitsvermerk fragen, um als Hausarztvermittlungsfall erneut in die Facharztpraxis gehen zu können. Verbraucherschützer Marcel Weigand vermutet, dass Fachärzte diese Patienten nur zurückweisen, weil sie für Termine über die Hausarztvermittlung eine extra Vergütung erhalten.

Die Terminservicestelle

Die Terminservicestelle ist ein Angebot der Kassenärztlichen Vereinigungen. Man erreicht sie
  • telefonisch über die bundesweite Servicenummer 116 117,
  • per Smartphone-App oder
  • über die Webseite www.116117.de.
Auch bei diesem Modell erhalten teilnehmende Fachärzte einen Zuschlag für die Bereitstellung von zeitnahen Terminen.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) fürchtet einen Kollaps bei der ambulanten Versorgung. "Wir fordern eine Entbudgetierung", so Dr. Ellen Lundershausen (Vizepräsidentin der Bundesärztekammer).

18.08.2023 | 04:28 min
Für viele Facharztgruppen benötigt man vorab eine Überweisung, jedoch nicht für
  • Augenarzt,
  • Frauenarzt,
  • Kinderarzt und
  • Hausarzt oder
  • zur psychotherapeutischen Sprechstunde.
Zunächst gibt man auf der Webseite oder in der Smartphone-App die Facharztgruppe und die eigene Postleitzahl ein. Dann soll man direkt einen Termin buchen können.
In einer kleinen Stichprobe hatte das ZDF in verschiedenen Regionen nach Augenarztterminen gesucht. Für eine große Stadt wurde ein Termin am gleichen Tag angeboten. In einer ländlichen Region dagegen gab es überhaupt keinen buchbaren Termin.
Der Experte von der Unabhängigen Patientenberatung erklärt das Ergebnis so:
Wenn in Regionen kaum Fachärzte vorhanden sind, aber der Bedarf sehr groß ist, dann kann die Terminservicestelle das auch nicht lösen.
Marcel Weigand, Unabhängige Patientenberatung (UPD)

Terminservicestelle: Stichprobe im Detail

Quelle: imago/Panthermedia
In der Stichprobe wäre in Hamburg der frühestmögliche Termin schon vier Stunden später buchbar gewesen. Weitere Terminangebote gab es dort ebenfalls zeitnah.

In der 15.000 Einwohner Stadt Bitburg in Rheinland-Pfalz wäre der früheste Termin am nächsten Tag buchbar gewesen. Allerdings 30 Kilometer entfernt. Ähnlich wie für Bitburg waren die Ergebnisse in der Stichprobe auch in kleinen Städten in Sachsen-Anhalt, Bayern und im Saarland: Zeitnahe Termine ja, aber verbunden mit Fahrwegen von bis zu 100 Kilometern.

Ganz schwierig war es innerhalb der Stichprobe in dünn besiedelten Regionen wie der Uckermark. Für die kleine Gemeinde Milmersdorf wurde kein einziger Termin angeboten.

Für den Fall, dass per Smartphone-App oder Webseite kein Termin gebucht werden kann, solle man sich an die Mitarbeiter der Terminservicestelle wenden, die dann eine Alternative vorschlagen müsse, empfiehlt Marcel Weigand.
″Hier sieht das Gesetz eigentlich vor, dass dann eine ambulante Behandlung im Krankenhaus vermittelt werden soll, was unserer Meinung nach überhaupt nicht stattfindet″, so der Experte weiter.
Er rät, auf einen Termin zur ambulanten Behandlung in einer Klinik zu bestehen, falls es keinen anderen Termin gäbe.

Die "Praxis ohne Grenzen" wird von einem Ärzteteam im Ruhestand betrieben. In ihrer Sprechstunde ist jeder willkommen - vor allem diejenigen ohne Krankenversicherung.

03.04.2022 | 02:38 min

Offene Sprechstunden und Krankenkassen

Viele Facharztgruppen wie Orthopäden, Augenärzte und Hautärzte sind verpflichtet mindestens fünf Stunden pro Woche für dringende Termine ohne Anmeldung anzubieten. Jeder Patient kann einfach hingehen, muss aber Wartezeit einkalkulieren.
Auch viele große Krankenkassen bieten Unterstützung, um Wartezeiten beim Facharzt zu verkürzen, meist über einen eigenen Termin-Service auf ihrer Internetseite. Welche Fachrichtungen angeboten werden, ist von Kasse zu Kasse verschieden. Es kann sich aber lohnen anzufragen.

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