: Wenn der Kloß im Hals nicht verschwindet

von Susanne Gentsch
27.01.2023 | 14:36 Uhr
Für Hals-Nasen-Ohrenärzte ist es ein diagnostisches Chamäleon: das Globusgefühl. Von gut behandelbaren bis bösartigen Erkrankungen kann alles dahinterstecken - ein Überblick.
Etwa jeder Zweite hat in seinem Leben schon einmal ein Globusgefühl verspürt. (Symbolbild)Quelle: Imago
Klagen Menschen über ein Globusgefühl in der Halsregion, einen Globus pharyngis, sind damit häufig Missempfindungen oder ein Fremdkörpergefühl gemeint. Etwa jeder Zweite hat in seinem Leben schon einmal ein Globusgefühl verspürt.
Nicht selten stecken psychische Auslöser wie Beklemmungsgefühle oder Stress dahinter. Betroffene beschreiben dieses Gefühl oft wie einen Kloß oder Frosch im Hals. Zum Teil kann es sich auch anfühlen, als würde ein Ball im Hals feststecken. Es kann vorübergehend auftreten, über einen längeren Zeitraum anhalten oder episodisch immer wiederkehren.
Das Globusgefühl kommt wahrscheinlich viel häufiger vor als wir Ärzte damit konfrontiert sind, weil es auch sehr milde sein kann und von vielen auch toleriert wird. […] Wir sehen in einer großen Klinik in jeder Woche solche Patienten.
Prof. Jan Gosepath, Hals-Nasen-Ohrenarzt von den Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden
Die größten Beschwerden treten beim Leerschlucken auf. Aber auch Trinken, die Nahrungsaufnahme oder sogar die Stimmbildung kann mitunter beeinträchtigt sein.
Yvonne Dingler bemerkte vor einem Jahr ein Fremdkörpergefühl im Hals. Das Gefühl war ständig da. Erst eine ausführliche Untersuchung brachte Aufschluss über die Ursache - mehr dazu im Video:

Was steckt dahinter?

27.01.2023 | 05:23 min

Wo kann es auftreten?

Das Globusgefühl bezieht sich auf die gesamte Mund-Rachen-Region, kann also sowohl oberhalb des Kehlkopfes als auch darunter auftreten. So schildern manche Betroffene Missempfindungen im hinteren Bereich der Zunge. Andere wiederum verorten das Gefühl im Bereich der Speiseröhre oder Schilddrüse, fast schon auf Höhe des Schlüsselbeins.

Was kann die Ursache sein?

Die Besonderheit des Globusgefühls: Es gibt vielfältige Ursachen. Denn das Globusgefühl selbst ist keine Erkrankung, sondern ein Symptom, dem verschiedene Diagnosen zu Grunde liegen können. Die betreffen nahezu immer den Hals- und Kopfbereich.
Jan Gosepath erklärt:
Das ist ein relativ großer Bereich, in dem verschiedene Hirnnerven, sehr viele unterschiedliche Muskeln zuständig sind und auch unterschiedliche Schleimhautgewebe bis hin zu Lymphgewebe.
Prof. Jan Gosepath, Hals-Nasen-Ohrenarzt von den Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden
Die diagnostische Bandbreite ist demzufolge sehr hoch, so der HNO-Arzt weiter.

Ursachen für das Globusgefühl

Häufige Ursachen

Ein Reflux (aufsteigende Magensäure), Entzündungen nach Infektionen im Nasen-Rachenraum und der oberen Atemwege, Sekretveränderungen, gutartige Zysten aufgrund von Schleimhautveränderungen gehören zu den häufigsten Ursachen. 

Weitere Ursachen

Auch verschleppte Zahnentzündungen, Verspannung der Kiefer- und Halsmuskulatur, Schiefstellungen (z.B. der Wirbelsäule) können zu einem Globusgefühl führen. 

Seltene Ursachen

In seltenen Fällen können bösartige, organische Veränderungen (Tumoren) die Ursache für ein Globusgefühl sein. 
Nicht immer werden bei näherer Untersuchung körperliche Veränderungen als Ursache für das Globusgefühl gefunden. In solchen Fällen sollten auch psychogene Auslöser wie zum Beispiel
in Betracht gezogen werden.
Laut Gosepath haben diese Faktoren einen unmittelbaren Einfluss auf die Funktion des Kehlkopfes. Atmung und Schluckmechanismen können dadurch gestört werden. Und, so der HNO-Arzt, "wenn psychogene Einflüsse am Kehlkopf sind, dann hat man auch ganz oft Stimmveränderungen".

Das geschieht, wenn wir keine Zeit mehr für Erholung haben.

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Welche Behandlung gibt es?

Je nach Diagnose wird das Globusgefühl unterschiedlich behandelt. Dabei gibt es neben operativen Maßnahmen auch vielfältige konservative Therapiemöglichkeiten. Beides führt in den meisten Fällen nach einiger Zeit zur vollständigen Beschwerdefreiheit.

Therapiemöglichkeiten bei Globusgefühl

Operative Maßnahmen

Wenn organische Veränderungen, zum Beispiel Zysten oder Tumoren, das Globusgefühl auslösen, können diese minimalinvasiv operativ abgetragen werden. Bei einem vergrößerten Zungen- oder Mandelgewebe kann die sogenannte Hochfrequenz-Diathermie eingesetzt werden, bei der Gewebe durch Erwärmung verkleinert wird.

Konservative Maßnahmen

  • Medikamente wie Magensäure-Hemmer bei Reflux oder kortisonhaltige Nasensprays bei Nasennebenhöhlenentzündungen
  • Logopädie: Stimmübungen bei Veränderungen am Kehlkopf, Atemübungen bei Reflux (Verbesserung des Speiseröhrenverschlusses)
  • Physio- und Osteopathie: manuelle Therapie oder osteopathische Handgriffe bei Verspannung der Muskulatur und Schiefstellung, z.B. des Kehlkopfes
  • Psychotherapie, z.B. Gesprächstherapie bei psychogenen Auslösern wie Stress oder Angst 

Wann sollten Betroffene zum Arzt gehen?

Das Globusgefühl ist ein weit verbreitetes Symptom. Oft verschwindet es nach kurzer Zeit wieder, etwa wenn ein Infekt auskuriert wurde. Dauert das Globusgefühl über mehrere Tage oder sogar Wochen an oder tritt es episodisch immer wieder auf, sollten Betroffene unbedingt eine HNO-Praxis aufsuchen.
Zwar steckt in den meisten Fällen eine eher harmlose Ursache dahinter, doch die muss erst einmal gefunden werden. In der Regel kann dann auch gut behandelt werden, sagt HNO-Arzt Gosepath. "Insgesamt ist es zum Glück so, dass bei korrekter Diagnose das Globusgefühl in den allermeisten Fällen beherrschbar wird."

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