: Spiel gegen Lettland Wendepunkt für DEB-Team?

von Bernd Schwickerath
15.05.2024 | 08:59 Uhr
Nach zwei krachenden Niederlagen sind die Deutschen bei der Eishockey-WM unter Druck. Aber nun kommen keine Topgegner mehr, das Spiel gegen Lettland soll der Wendepunkt werden.

Nach einem Auftaktsieg und zwei krachenden Niederlagen steht die deutsche Mannschaft im Duell gegen Lettland deutlich unter Zugzwang. Das DEB-Team bleibt dennoch optimistisch.

15.05.2024 | 01:46 min
Es ist lange her, dass deutsche Eishockeyfans während eines WM-Spiels lautstark ihren Unmut bekundeten. Aber als das DEB-Team von den Schweden nach allen Regeln der Kunst ausgespielt wurde, war es vorbei mit der Geduld. "Wir wollen euch kämpfen sehen", schallte es durch die Arena im tschechischen Ostrava. Ein untrügliches Zeichen, dass da gerade grundlegend etwas falsch läuft.
So war es auch, die Deutschen verloren wie schon im zweiten Turnierspiel gegen die USA. Aber diesmal waren sie mit 1:6 noch gut bedient. Also konnte Moritz Müller die Fans verstehen: "Die Leute kommen einen langen Weg hierher", sagte der Kapitän, dem eins aber wichtig war:
Ich kann jedem versprechen, dass es nicht am Kampf lag. Es war einfach keine gute Leistung von uns.
Moritz Müller, DEB-Kapitän

Kein Mittel gegen Schwedens NHL-Stars

Verteidigerkollege Jonas Müller sah es ähnlich: "Wir waren immer einen Schritt zu langsam." Hinzu kamen Stellungsfehler, verlorene Zweikämpfe, Fehlpässe - lange Zeit wollte der Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) kaum etwas gelingen. Gegen die ständigen Positionswechsel der Schweden fand sie kein Mittel. Im Minutentakt flogen Pucks auf das deutsche Tor.

Nach einer 1:6-Niederlage gegen Turnierfavorit Schweden gerät das DEB-Team nun unter Druck.

14.05.2024 | 01:08 min
"Wir sind unter die Räder gekommen", befand auch Bundestrainer Harold Kreis. Was aber ebenso am Gegner gelegen habe. Denn im Gegensatz zu den vorherigen Weltmeisterschaften sind die Schweden mit zahlreichen Stars aus der nordamerikanischen NHL angereist. Ebenso die Amerikaner - und dann kann es im Eishockey schnell gehen. Null Punkte und 2:12 Tore gegen die Titelkandidaten zeugen davon.

Vier schlagbare Gegner

Der Vorteil für das DEB-Team: Mit den Topgegnern ist es nun vorbei. Die letzten vier Aufgaben in der Gruppe B heißen Lettland, Kasachstan, Polen und Frankreich. Vier Teams, die allesamt schlagbar sind - und die die Deutschen besiegen müssen, wollen sie das Viertelfinale erreichen.

Der WM-Spielplan des DEB-Teams:

Deutschland - Slowakei 6:4 (0:0, 3:2, 3:2)

Deutschland - USA 1:6 (0:2, 1:2, 0:2)

Deutschland - Schweden 1:6 (0:3, 0:2, 1:1)

Deutschland - Lettland 8:1 (2:0 5:1 1:0)

Deutschland - Kasachstan 8:2 (2:1 3:0 3:1)

Deutschland - Polen 4:2 (0:0, 2:0, 2:2)

Frankreich - Deutschland 3:6 (1:1, 2:3, 0:2)

Im Vorbeigehen schlägt man natürlich auch die nicht, aber es ist schon ein Unterschied, ob die großen Namen der Gegner ihr Geld in der NHL verdienen oder in der Slowakei und der zweiten schwedischen Liga. So verhält es sich bei den Letten, diesen Mittwoch (16:20 Uhr) nächster DEB-Gegner.

Silber-Rucksack wiegt noch immer schwer

Das wird das Duell der Überraschungsteams aus dem Vorjahr. Lettland gewann Bronze, Deutschland gar Silber. Und obwohl zuletzt kein deutscher Spieler müde wurde zu betonen, dass das nun ein anderes Turnier sei, scheint die WM 2023 weiter präsent zu sein.
Wir müssen den Rucksack vom letzten Jahr ausziehen, gefühlt haben wir ihn noch ein bisschen an.
Moritz Müller, Kapitän
Bundestrainer Harold Kreis versuchte dennoch, das Thema abzumoderieren: "Letztes Jahr war letztes Jahr, das interessiert uns nicht." Wobei er eine Parallele zum Vorjahr durchaus nutzen könnte: Auch da war der Auftakt schwer, auch da waren die Deutschen vor ihren letzten vier Gruppenspielen unter Druck - und kamen bis ins Finale.

Bessere Bilanz nach drei Spielen als im Vorjahr

Diesmal sieht die Tabelle sogar besser aus. 2023 stand das DEB-Team nach drei Spielen ohne Punkt da, musste fortan alles gewinnen. Nun gab es zum Auftakt ein 6:4 gegen die Slowakei, allerdings waren die Niederlagen nicht so ernüchternd. Womit nicht nur die Ergebnisse gemeint sind: 128 Torschüsse ließen die Deutschen bereits zu - bei gerade mal 64 eigenen.

Eishockey-Bundestrainer Harold Kreis über die vergangene und die anstehende WM, seine Philosophie als Coach und seinen ungewöhnlichen Weg als junger Spieler nach Deutschland.

27.04.2024 | 23:28 min
Auch die acht erzielten Tore sind zu wenig. Bislang funktioniert offensiv nur die Reihe mit Marc Michaelis, Leo Pföderl und Yasin Ehliz. JJ Peterka, der beste Stürmer des Vorjahres, wirkt verkrampft. Auch der nachgereiste Lukas Reichel schien gegen die Schweden noch nicht in WM-Form zu sein.

Das deutsche Team nach drei Spielen:

Siege: 1

Niederlagen: 2

Tore: 8:16

Torschüsse: 64:128

Schussquote der Feldspieler: 12,5 Prozent

Fangquote der Torhüter: 87,5 Prozent

Überzahl: 2 Tore bei 5 Situationen

Unterzahl: 3 Gegentore bei 12 Situationen

Hoffen auf Nico Sturm

Nicht zu vergessen: Nico Sturm fehlte gegen die USA und Schweden verletzt. Beim DEB hoffen sie nun auf eine schnelle Rückkehr des NHL-Profis. Damit das Lettland-Spiel zum Wendepunkt wird. Bundestrainer Kreis setzt drauf: "Jetzt fängt das Turnier richtig an."

Mehr zur Eishockey-WM