: Watzke: Einnahmen-Obergrenze ist erreicht

von Frank Hellmann
01.02.2024 | 09:20 Uhr
Die Zeiten, dass die Medienerlöse automatisch steigen, sind auch für die Bundesliga vorbei. DFL-Aufsichtsratschef Hans-Joachim Watzke rät, den "Gürtel enger zu schnallen".
Hans-Joachim Watzke rät zum "Gürtel-enger-schnallen"Quelle: dpa
Auf dem Sportbusinesskongress in Hamburg hat sich in dieser Woche im Congresscenter alles getroffen, was im Fußball Rang und Namen hat. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin und DFB-Boss Bernd Neuendorf, die DFL-Geschäftsführer Steffen Merkel und Marc Lenz – sowie natürlich der überall vertretene Hans-Joachim Watzke. Der will aber nicht Multifunktionär genannt werden, weil er das "für ein Schimpfwort" hält, wie er bei seinem launigen Talk im Saal Z verriet.

Einnahmen steigen nicht mehr automatisch

Überdies hatte der Strippenzieher, als Aufsichtsratsvorsitzender der DFL gleichzeitig auch Vizepräsident des DFB und zudem im UEFA-Exekutivkomitee vertreten, die wichtigste Botschaft für die Gäste aus dem Bundesliga-Business parat:
Am Ende des Tages werden nicht die Vereine den Gürtel enger schnallen müssen, sondern die Spieler und Berater.
Hans-Joachim Watzke, DFL-Aufsichtsratsvorsitzender
Watzke weiß, dass die Zeiten vorbei sind, als die Umsätze des deutschen Profifußballs nach der Jahrtausendwende fast automatisch immer weiter nach oben kletterten und irgendwann erste und zweite Liga sogar an der Fünf-Milliarden-Schallmauer kratzten. Doch dann kam das Coronavirus. Und das wirkt bis heute nach.

Gesättigte Medienmärkte

Der Gesamtumsatz des deutschen Profifußballs stieg in der Saison 2021/2022 erstmals seit der Pandemie zwar wieder an – lag aber weit unter dem Rekordniveau vor der Pandemie. Insgesamt erlösten die 36 Klubs immerhin 4,48 Milliarden Euro. Das könnte auch der Rahmen für 2022/2023 gewesen sein – die Zahlen werden demnächst veröffentlicht.
Doch der Boom ist definitiv vorbei, und das hat viel mit den gesättigten Medienmärkten zu tun. Eine Vielzahl von neuen und größeren Wettbewerben, aber auch ausgereizte Refinanzierungsmöglichkeiten erlauben es den Medienpartnern nicht mehr, Unsummen für die Rechte zu zahlen. International wie national.

"Ausvermarktung" ist erreicht

Auch bei Sponsoring und Werbung scheint eine gewisse Obergrenze erreicht – Fachleute sprechen von einer Ausvermarktung. Und eines wollen Watzke und Kollegen nicht: Die Ticketpreise nach englischem Vorbild anheben. "Wenn du da mit deiner Familie zum Fußball gehen willst, musst du noch einen Zweitjob annehmen. Bei uns kann sich die ganze Gesellschaft die Bundesliga leisten", behauptete der Boss von Borussia Dortmund.
Watzke: "Die Fans sollen träumen"

Sieg im Topspiel gegen Bremen. Herbstmeister am 15. Spieltag. Bei ZDF-Reporter Boris Büchler weiß BVB-Vorstandsvorsitzender Hans-Joachim Watzke, wie die Erwartungshaltungen nun sind. Seine Devise: "Nicht zu sehr mit Kalkulationen beschäftigen."

15.12.2018 | 04:12 min
Die wichtigste Einnahmesäule sind für die meisten Klubs – den FC Bayern und Borussia Dortmund durch die Champions-League-Gelder ausgenommen – die nationalen Medienerlöse, die gerade wieder ausgeschrieben worden sind. Für die Spielzeiten 2025/26 bis 2028/29. "Idealerweise bis Anfang Mai", erklärte Geschäftsführer Merkel, soll der Deal stehen.

Stagnierendes Wachstum auch im Ausland

Dass es weniger als die bisherigen 1,1 Milliarden Euro pro Saison werden könnten, beschäftige ihn ein bisschen, verriet Watzke, schob aber nach, er sei sich gar nicht mal sicher, "ob wir nicht doch ein überraschendes Ergebnis kriegen werden. Wenn nicht, dann werden wir uns anpassen".
So wie die gesamte Wirtschaftsleistung in Deutschland stagniert, scheint auch der Volkssport Fußball davon betroffen. Die Bundesliga ist indes beileibe kein Einzelfall: Die italienische Serie A wollte mehr als eine Milliarde hereinholen, fällt aber in den ab 2025 gültigen Verträgen auf 900 Millionen zurück.

Potenzial bei der Auslandsvermarktung

Das junge DFL-Managerduo sieht die größten Wachstumspotenziale vor allem bei der Auslandsvermarktung. Hier kommen für die Bundesliga nur 200 Millionen Euro in die Kassen – eine Größenordnung wie bei der Serie A. Die englische Premier League liegt hingegen durch ihre historische Verankerung bei der zehnfachen Summe. Die internationale Vermarktung soll irgendwann ein Drittel der gesamten Medieneinnahmen beisteuern.
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Es ist unser klarer Anspruch, hier deutlich zu wachsen. Wir sind auf dem richtigen Weg, aber das wird ein Mittelstreckenlauf sein.
Steffen Merkel, DFL-Geschäftsführer
Der für die Medienrechte zuständige Geschäftsführer nannte keine explizite Zahl, die sich die Bundesliga bei ihrem wichtigsten Abschluss erhofft. Nur so viel meinte er: "Wir setzen uns interne Ziele, und die sind ambitioniert."

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