: Fan-Randale: Hoffen, dass es ruhig bleibt

von Christoph Ruf
30.11.2023 | 07:58 Uhr
Zuletzt gab es wieder vermehrt Fan-Ausschreitungen in Fußballstadien. Auch die Polizei muss sich kritischen Fragen stellen. Und wie kommt überhaupt all die Pyrotechnik ins Stadion?
Fußball-Fans provozieren mit Pyrotechnik.Quelle: dpa
Eintracht Frankfurt gegen PAOK Saloniki am Donnerstag in der Conference League, tagsdrauf das Derby FC St. Pauli gegen Hamburger SV - zwei Spiele, auf die man unter anderen Vorzeichen nur unter sportlichen Gesichtspunkten geblickt hätte.
Doch nach den Ereignissen der vergangenen Spieltage hoffen alle Beteiligten bei beiden Spielen zweierlei: Dass es trotz des entspannten Verhältnisses zwischen Eintracht- und PAOK-Fanszene nicht doch zu Ausschreitungen zwischen den Fanlagern kommt. Und dass das Verhältnis zwischen Polizei und Fans nicht auf eine erneute Belastungsprobe gestellt wird.

Verhältnis zur Polizei belastet

An den vergangenen beiden Bundesliga-Spieltagen hatten Ordner und Polizei gleich bei mehreren Spielen alle Hände voll zu tun, um (noch) Schlimmeres zu verhindern.
Beim Spiel Borussia Dortmund gegen Borussia Mönchengladbach griffen nach Angaben der Polizei über 100 BVB-Anhänger abreisende Gladbach-Fans an. Zuvor war ein Fan der "Fohlen" mit einem Faustschlag niedergeschlagen und dann auch noch beraubt worden. Er zog sich beim Sturz schwere Kopfverletzungen zu.

Im Duell der Borussen hat Dortmund im Heimspiel gegen Mönchengladbach einen 0:2-Rückstand noch in einen Sieg verwandelt. Am Ende hieß es 4:2 für den BVB.

26.11.2023 | 09:43 min

Mit falschem Schal am falschen Ort

Das sogenannte "Abziehen", also der Diebstahl gegnerischer Fanartikel, war früher eine Randerscheinung. Und während früher ausschließlich rivalisierende Ultras beraubt wurden, kann es heute auch Familienväter treffen, die mit dem falschen Schal am falschen Ort angetroffen werden.
Beim Spiel Frankfurt - Stuttgart am Samstag, bei dem es über 200 Verletzte zu beklagen gab, zeigten sich Augenzeugen nicht nur über die hemmungslose Gewalt von Fanseite entsetzt, auch unbeteiligte Fans sollen durch die Polizei verletzt worden sein.

Der VfB Stuttgart sorgt weiter für Furore: Die Schwaben setzte sich dank eines Undav-Doppelpacks bei der heimstarken Eintracht aus Frankfurt mit 2:1 durch.

26.11.2023 | 11:33 min

"Gewaltexzesse durch Polizisten"

Zwei Wochen zuvor setzte die Polizei bei einem Einsatz im Hannoveraner Gästeblock am Millerntor exzessiv Pfefferspray ein. Viele friedliche 96-Fans wurden - dokumentiert durch zahlreiche Videoaufnahmen - auch durch Schlagstöcke verletzt.
In der bestens vernetzten Ultraszene machen solche Bilder in Windeseile die Runde. Am Sonntag zeigten Fangruppen in vielen Stadien ein Transparent, auf dem behauptet wurde, "GdP" stehe nicht für "Gewerkschaft der Polizei", sondern für "Gewaltexzesse durch Polizisten".

Bewährte Arbeitsteilung zwischen Ordnern und Polizei

Nur Fantasten können derweil die Forderung ernst meinen, künftig gänzlich auf den Einsatz von Polizei zu verzichten. Wünschenswert wäre es aber, wenn man zur bewährten Praxis zurückkehrte, dass im Stadion der Ordnungsdienst, außerhalb aber die Polizei für die Sicherheit verantwortlich ist.
Ein weiteres konfliktträchtiges Thema ist das der Pyrotechnik, deren Einsatz zuletzt fast flächendeckend deutlich zugenommen hat. Wenn es mal wieder raucht, blitzt und zischt, fragen sich viele Zuschauer, wie all diese Gegenstände denn ins Stadion gekommen sein könnten.

Wie kommt die Pyrotechnik ins Stadion?

Carsten Klauer, Chef des Ordnungsdienstes beim Zweitligisten 1. FC Nürnberg, vermutet, dass ein Teil der Pyrotechnik schon lange vorm Spieltag ins Stadion gelangt.
Menschen können beispielsweise bei Führungen in die Bereiche gelangen, die später sicherheitsrelevant sind.
Carsten Klauer
Auch der über den Zaun geworfene Rucksack oder Absprachen mit Ordnern oder Caterern führten zuweilen zum Erfolg, sagte Klauer den "Nürnberger Nachrichten". Seltener sind "Blockstürme", bei denen Fans die Eingangskontrolle überrennen und so das Abtasten umgehen.
Allerdings muss man wissen, dass einige pyrotechnische Gegenstände heutzutage nur noch die Größe eines Kugelschreibers haben, was deren Auffinden nicht leichter macht.

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