: Warum Chinas Exporte einbrechen

von Mischa Ehrhardt
13.07.2023 | 17:14 Uhr
Der Außenhandel Chinas kühlt deutlich ab. Grund ist unter anderem die schwächelnde Nachfrage aus anderen Ländern. China weht aber auch binnenwirtschaftlich einiger Wind entgegen.
Im Juni sind die chinesischen Ausfuhren drastisch zurückgegangen.Quelle: dpa
Um mehr als zwölf Prozent sind die chinesischen Exporte im Juni in den Keller gerauscht. Der Einbruch ist immens - es ist der stärkste Rückgang seit dem Beginn der Corona-Krise vor gut drei Jahren. Und er trifft den bisherigen Wachstumsmotor der Wirtschaft im Reich der Mitte.

China spürt schwächelnde Konjunktur der Handelspartner

Offensichtlich bekommt China auch die schwächelnde Konjunktur seiner Handelspartner in aller Welt zu spüren. Die Nachfrage vor allem von Verbrauchern geht in wichtigen Wirtschaftsregionen zurück. Denn die Zentralbanken in den USA, Europa und auch vielen Ländern Asiens haben die Zinsen kräftig angehoben, um die hohe Inflation in den Griff zu bekommen. Steigende Zinsen schränken die Kreditnachfrage ein, weil Geld leihen mehr kostet. In Folge sinken Konsumausgaben, Unternehmen schrauben Investitionen zurück, die Geschäftstätigkeit insgesamt kühlt ab.
Das dürfte auch in den kommenden Monaten Druck auf die chinesischen Exporte ausüben. Hinzu kämen "Risiken in Zusammenhang mit dem Unilateralismus, dem Protektionismus und der Geopolitik", wie ein Sprecher des chinesischen Zolls zur Veröffentlichung der jüngsten Daten sagte. Gemeint sind die Bemühungen in einigen Ländern, die Abhängigkeit von China zu verringern. Unter anderen darauf zielt auch die neue China-Strategie der Bundesregierung ab.

Deutsche Unternehmen dürften Flaute zu spüren bekommen

"Provokant könnte man sagen: Ich brauche gar nicht mehr eine offizielle China-Strategie der Bundesregierung, um die Exportabhängigkeit zu reduzieren. China macht das gerade selbst", sagt ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski gegenüber ZDFheute. In der Tat sind die Ausfuhren nach China im Verhältnis zu den deutschen Gesamtexporten von acht Prozent vor der Pandemie auf rund sechs Prozent zurückgegangen.

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Der Trend könnte sich fortsetzen. Denn es sind nach den jüngsten Außenhandelszahlen nicht nur die Ausfuhren, sondern auch die Importe Chinas um fast sieben Prozent eingebrochen. Das wiederum spüren viele Unternehmen hierzulande, weil China nach den USA, Frankreich und den Niederlanden auf Platz vier der wichtigsten Exportländer steht.

Eigene Probleme in China

Andererseits hat China aber auch binnenwirtschaftliche Probleme zu bewältigen. Zwar gab es eine deutliche Erholung nach den starken Einschränkungen der Wirtschaft während der Corona-Pandemie. Allerdings weisen mittlerweile auch in China Frühindikatoren nach unten. Die Industrieproduktion hat zuletzt 3,5 Prozent Wachstum verbucht. Das ist im Vergleich zu den Vorjahren für Chinas Verhältnisse ein sehr niedriger Wert.

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"Eine Ursache ist die Immobilienkrise in China", sagt der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer. "Sie strahlt auf andere Bereiche der Wirtschaft ab und verunsichert viele Konsumenten. Außerdem hat das Vertrauen in die Wirtschaftspolitik der Regierung nachgelassen. Das liegt an dem Hickhack in der Corona-Politik und auch am Vorgehen der Regierung gegen die Tech-Industrie". Nach dem Aufstieg und der Expansion großer Unternehmen und Digitalplattformen hat Peking in den vergangenen Jahren die Regulierungsschrauben in dem Sektor stark angezogen.

Peking lässt Abkühlung zu

Hinzu kommen gesellschaftliche Probleme. So lag die Jugendarbeitslosigkeit in den großen Städten Chinas bei über 20 Prozent. Jeder oder jede Fünfte chinesische Jugendliche zwischen 16 und 24 Jahren ist also ohne Arbeit. Vor diesem Hintergrund vielschichtiger Probleme legen viele chinesische Verbraucherinnen und Verbraucher ihr Geld lieber auf die hohe Kante, als es zu investieren oder auszugeben.

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Anders als in den Vorjahren schließlich lenkt Peking nicht entgegen. Das dürfte laut Beobachtern ein Anzeichen dafür sein, dass die Regierung eine Verlangsamung des Wachstums in Kauf nimmt, um mögliche Überhitzungen wie am chinesischen Immobilienmarkt in Zukunft zu verhindern.

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