: Ford streicht wohl Tausende Stellen in Köln

23.01.2023 | 18:45 Uhr
Der US-Autobauer Ford plant dem Betriebsrat zufolge, in den kommenden Jahren bis zu 3.200 Stellen im Kölner Werk abzubauen. Die Situation sei für die Beschäftigten "erschütternd".
Im "schlimmsten Fall" rechnet der Betriebsrat im Ford-Werk Köln mit dem Wegfallen von 3.200 Stellen.Quelle: Oliver Berg/dpa
Der Autobauer Ford will in Köln in den nächsten zwei bis zweieinhalb Jahren bis zu 3.200 Stellen abbauen, wie die Vize-Betriebsratschefin der Ford-Werke, Katharina von Hebel, am Montag sagte. Das wäre die Maximalzahl für den "schlimmsten Fall". Anfang des Jahres hatte Ford in Köln noch 14.000 Mitarbeiter. Für die Beschäftigten sei die Lage "erschütternd", sagte die Betriebsrätin.
Die Kolleginnnen und Kollegen sind verängstigt und total verunsichert, wie es jetzt mit ihnen weitergeht.
Katharina von Hebel, Vize-Betriebsratschefin Ford-Werke
Den Griff zum Rotstift begründe das Management unter anderem mit einer Zentralisierung in den USA.

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SPD-Ratsfraktion: Stellenabbau "Schock für Köln"

Auch die Politik reagierte betroffen. Der Vorsitzende der SPD-Ratsfraktion, Christian Joisten, sprach von einem "Schock für uns alle in Köln" und warnte vor einer "drohenden Deindustrialisierung unseres Landes und unserer Region". Eine neue Strategie sei nötig.
Ford ist im Umbruch, der lange auf Verbrennungsmotoren fokussierte US-Autokonzern brachte sich erst spät auf Elektrokurs. Dabei setzt die Firma auch künftig auf den Kölner Standort, der mit Milliardeninvestitionen für die Fertigung neuer Elektromodelle umgebaut werden soll. Vor drei Jahren hatte die Firma noch knapp 18.000 Beschäftigte in der Stadt am Rhein. Im Werk in Saarlouis steht die Produktion vor dem Aus.

Betriebsrat kritisiert Management für Intransparenz

In zwei Versammlungen berichtete der Ford-Betriebsrat am Montag den Arbeitnehmern von den Firmenplänen und berief sich dabei auf interne Vorgaben des Managements für Europa, die am vergangenen Freitag in einer Ausschuss-Sitzung Thema gewesen seien. Die Firmenspitze äußerte sich nicht öffentlich dazu.
Die Geschäftsleitung brauche noch bis Mitte Februar, um Details der Belegschaft vorzustellen, sagte Arbeitnehmervertreterin von Hebel. Es sei nicht nachvollziehbar, "dass das Management nicht im Stande ist, der Belegschaft reinen Wein einzuschenken". Nun habe der Betriebsrat die schlechte Nachricht überbringen müssen.

In drei Jahren soll das Ford-Werk in Saarlouis schließen. Davon wären auch zahlreiche Zulieferer betroffen. Die Landesregierung will mit einem milliardenschweren Transformationsfonds gegensteuern.

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Ford-Firmenspitze hält sich bedeckt

Von den möglicherweise betroffenen Stellen seien bis zu 700 in der Verwaltung und bis zu 2.500 in der Produktentwicklung. Auf die Frage nach der Begründung, die das Management für sein Vorhaben hinter verschlossenen Türen nennt, verwies die Arbeitnehmervertreterin auf die Folgen von Lieferengpässen - etwa bei Halbleitern - und auf die wirtschaftliche Situation in Europa.
Zudem gebe es "hausgemachte Faktoren wie eine neue Markenausrichtung und eine weitergehende Zentralisierung in den USA". Eine Ford-Firmensprecherin sagte, man kommentiere "die aktuellen Spekulationen über eine mögliche Umstrukturierung bei Ford in Europa nicht".

Experte: Weitere Stellenstreichungen werden folgen

Der Autokonzern beschleunige derzeit seine Pläne für den Aufbau eines vollständig elektrisch betriebenen Fahrzeugportfolios in Europa. Ab 2030 will Ford in der EU nur noch Elektroautos verkaufen und keine Verbrenner-Pkw mehr.
Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer schätzt, dass die US-Amerikaner ihren Kölner Standort nur noch in einer zweitrangigen Rolle sehen. Mit Blick auf die nun bekanntgewordenen Pläne zu Stellenstreichungen sagt Dudenhöffer: "Das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange."
Quelle: Wolf von Dewitz, dpa

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