: Ignoriert Scholz die Krise?

14.08.2023 | 17:30 Uhr
Es herrscht Konjunkturflaute – aber Kanzler Olaf Scholz prophezeit ein Wirtschaftswunder. ZDFheute live zur Frage, wie es um den Wirtschaftsstandort Deutschland wirklich steht.

Kein Wachstum in Aussicht - was passiert bei ZDFheute live?

Deutschland gilt manchen mittlerweile wieder als "kranker Mann Europas": Es herrscht Konjunkturflaute. Nach Inflation und technischer (also kurzfristiger) Rezession stagniert das Bruttoinlandsprodukt - auch die Prognosen von Wirtschaftsinstituten machen wenig Hoffnung. Laut Internationalem Währungsfonds (IWF) schneidet Deutschland im Vergleich mit anderen Industrienationen extrem schlecht ab - als einziges großes Land mit einer dieses Jahr wohl schrumpfenden Wirtschaftsleistung. Der IWF sagt ein BIP-Minus von 0,3 Prozent voraus.
Herrscht Krise oder wird die wirtschaftliche Situation zu düster dargestellt? Bundeskanzler Olaf Scholz verteidigt im ZDF-Sommerinterview die Politik seiner Regierung - von Krise keine Spur. Als Exportnation habe es Deutschland "immer schon gemerkt", wenn "anderswo die Wirtschaft etwas schwächelt".
Wie steht es also wirklich um den Wirtschaftsstandort Deutschland? Gibt es eine Krise oder nicht? Und wenn ja, wie gefährlich ist sie und was könnte die Bundesregierung tun, um gegenzusteuern? Welche Probleme müssen gelöst werden?
Darüber diskutiert Victoria Reichelt bei ZDFheute live mit Ökonomin Ulrike Malmendier, Professorin an der Universität Berkeley und eine der fünf sogenannten Wirtschaftsweisen, die die deutsche Regierung beraten. Außerdem im Gespräch: Heike Freund, Geschäftsführerin des Münchner Start-Ups Marvel Fusion. Sie erklärt, warum sich ihre Firma bewusst gegen den Standort Deutschland entschieden hat - und ihre Vision für ein Kernfusions-Kraftwerk lieber in den USA entwickelt.

Scholz weist Schwächen der Wirtschaft zurück

Laut Malmendiers Kollegin, der Wirtschaftsweisen Veronika Grimm, müssen sich die Menschen in Deutschland auf harte Zeiten einstellen:
Fakt ist: In einer Phase mit sehr geringem oder sogar negativem Wachstum müssen sich die Menschen auf Härten einstellen. Es kommt zu realen Einbußen.
Wirtschaftsweise Veronika Grimm
Von der Bundesregierung fordert sie, den Menschen "reinen Wein" einzuschenken. Olaf Scholz hingegen widersprach im ZDF-Sommerinterview der Kritik an der Regierung - und lobte stattdessen deren Arbeit und "unglaubliches Tempo". In Magdeburg gebe es nun "die größte Direktinvestition in der Geschichte Europas". Unternehmen siedelten sich bewusst an und entschieden sich für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Dass deutsche Unternehmen - wie Marvel Fusion - auch im Ausland investieren, sei außerdem ein Zeichen für Erfolg:
Das lernen Studentinnen und Studenten in jedem Volkswirtschaftskurs.
Bundeskanzler Olaf Scholz
Mit Blick auf die Energiepreise sagte der Kanzler, die Bundesregierung sorge strukturell dafür, die Stromerzeugung in Deutschland billiger zu machen - über einen Ausbau der Erzeugungskapazitäten und der Stromnetze.
Dass trotzdem Handlungsbedarf besteht, darin sind sich Experten und Politik einig - die Frage ist nur, mit welchen Maßnahmen.
Mit Material von ZDF, dpa

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