: Weniger Ausbildungsplätze für Hauptschüler

24.01.2023 | 12:40 Uhr
Abiturientinnen und Abiturienten streben zunehmend in Ausbildungsberufe. Dadurch wird die Suche nach einer Lehrstelle für Hauptschülerinnen und Hauptschüler immer schwieriger.
Für Hauptschüler wird es schwieriger, eine Lehrstelle zu finden.Quelle: dpa
Junge Menschen mit Hauptschulabschluss tun sich einer Studie zufolge immer schwerer, einen Ausbildungsplatz zu bekommen.
Gleichzeitig stieg in den vergangenen Jahren der Anteil der Abiturienten, die eine Ausbildung anfingen, deutlich an. Das geht aus einer Studie vom FiBS Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie, die im Auftrag der Bertelsmann Stiftung erstellt wurde, hervor.
Von einer mangelnden Attraktivität der Berufsausbildung für Abiturient*innen kann keine Rede sein.
Dieter Dohmen, Studienautor

Hauptschüler tun sich schwer

Zwischen 2011 und 2021 verringerte sich der Anteil der Jugendlichen, die mit Hauptschulabschluss eine Lehre anfingen, demnach um ein Fünftel.
Für junge Menschen ohne Schulabschluss spitzte sich die ohnehin schwierige Situation zuletzt noch weiter zu: Die Übergangsquote lag der Studie zufolge 2021 bei 30 Prozent. In den vergangenen 15 Jahren war sie um die 35 Prozent geschwankt.
Der Anteil der Abiturienten, die sich für eine Lehre entschieden, stieg dagegen von 35 Prozent im Jahr 2011 auf 47,4 Prozent im Jahr 2021. Vor der Corona-Pandemie im Jahr 2019 war der Anteil sogar noch etwas größer gewesen (48,5 Prozent).

Die Zahl der Abiturienten hat sich in den letzten 20 Jahren beinahe verdoppelt. Experten sehen in Deutschland einen hohen Druck, ein Studium abzuschließen.

18.08.2022 | 00:51 min

Ausbildungsgarantie im Koalitionsvertrag verankert

"Es passt einfach nicht zusammen, wenn die Arbeitgeber einerseits über fehlende Bewerber*innen klagen, auf der anderen Seite aber vielfach eben eine Bestenauslese betreiben," beklagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack.
Auch Jugendliche mit Hauptschulabschluss brauchen Chancen auf einen Ausbildungsplatz.
Elke Hannack, stellvertetende DGB-Vorsitzende
Es gebe ein enormes Potenzial für mehr Ausbildung und damit zur Linderung des Fachkräftemangels.
"Dies brach liegen lassen, können wir uns als Gesellschaft nicht leisten", sagte Hannack. Es sei wichtig, dass bei der geplanten Ausbildungsgarantie nachgebessert werde. Die Ampel-Regierung hat die Garantie in ihrem Koalitionsvertrag verankert.

DIHK: Ausbildungsgarantie ist falscher Weg

Dieses Instrument hält die Deutsche Industrie- und Handelskammer für den falschen Weg.
Die Ausbildungschancen für junge Menschen sind heute besser denn je - von der Hauptschule bis zum Abitur.
Achim Dercks, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des DIHK
Zuletzt habe es dreimal mehr offene Ausbildungsstellen als Bewerber gegeben. "Wir haben daher momentan keinen Mangel an Chancen, sondern vielmehr einen Mangel an Orientierung." Ein Ausbau der Berufsorientierung und eine bessere Vermittlung seien die richtigen Maßnahmen.

Zahl der Ausbildungsverhältnisse geht zurück

Die Zahl der Ausbildungsverhältnisse ging der Studie zufolge im langfristigen Vergleich zurück: Während beim letzten Höchststand 2007 noch gut 844.000 Menschen in Ausbildung waren, lag die Zahl 2021 bei 706.000. Einen Einschnitt bedeutete hier die Corona-Pandemie, in den Jahren davor war die Zahl zwischenzeitlich leicht angestiegen.
Quelle: dpa

Mehr zum Thema Ausbildung