: War die Maskenpflicht für Kinder sinnlos?

von Jan Schneider
05.12.2023 | 16:05 Uhr
Eine Studie hat untersucht, wie wirksam die Maskenpflicht für Kinder während der Corona-Pandemie war und kommt dabei zu einem eindeutigen Ergebnis.
Während der Pandemie war das Tragen einer Schutzmaske auch bei Kindern vorgeschrieben. ArchivbildQuelle: Sebastian Gollnow/dpa
Am 15. April 2020 sprachen Bund und Länder die "dringende Empfehlung" aus, in der Öffentlichkeit, in Innenräumen und im öffentlichen Personennahverkehr Schutzmasken zu tragen, um die Verbreitung des neuartigen Coronavirus einzudämmen. Sars-CoV-2 zirkulierte damals seit wenigen Monaten auch in Deutschland und die Regierungschefs und -chefinnen fürchteten eine Überlastung des Gesundheitssystems. Wenige Tage später führten alle Bundesländer Regeln für eine Maskenpflicht ein.

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Seitdem wurde viel über die Pflicht zum Tragen einer Schutzmaske diskutiert. Regeln wurden gelockert, verschärft, zurückgenommen und wieder eingeführt bis seit dem 7. April dieses Jahres alle Regelungen ausgelaufen sind. Besonders im Fokus stand dabei oft die Maskenpflicht für Kinder, etwa in der Schule.

Hat die Maskenpflicht für Kinder etwas bewirkt?

Dieser Frage ist ein internationales Forschungs-Team unter anderem von der Universität in Stanford und der britischen Health Security Agency nachgegangen. Die Antwort:
Die tatsächliche Wirksamkeit der Kindermaskenpflicht gegen die Übertragung oder Infektion von SARS-CoV-2 wurde nicht mit qualitativ hochwertigen Beweisen nachgewiesen.
Studie zur Maskenpflicht für Kinder
Virologe Dr. Jonas Schmidt-Chanasit von der Universität Hamburg hat die Studienergebnisse für ZDFheute etwas einfacher so zusammengefasst:
Es gibt bisher keine ausreichende Evidenz dafür, dass eine Maskenpflicht bei Kindern sinnvoll ist, um sie vor COVID-19 zu schützen.
Dr. Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe

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Was genau wurde in der Studie untersucht?

Für die Analyse wurde in dem "Review" 597 Studien begutachtet. 22 davon kamen für die endgültige Auswertung infrage und wurden einbezogen.
  • 16 der Beobachtungsstudien fanden keinen Zusammenhang zwischen einer Maskenpflicht und einer SARS-Cov-2-Infektion oder COVID-19.
  • Bei sechs Untersuchungen wurde zwar ein Zusammenhang zwischen der Maskenpflicht bei Kindern und einer geringeren Infektionsrate oder einer geringeren Prävalenz an Antikörpern festgestellt, was ein Indiz für weniger Kontakt mit dem Virus ist. Diese Studien wiesen in der Beurteilung der Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen jedoch eine hohe Fehleranfälligkeit auf und wurden als weniger aussagekräftig eingestuft.

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Es wird dabei jedoch angemerkt, dass unter allen begutachteten Studien keine einzige "randomisiert kontrolliert" war, was in der Wissenschaft als eine Art "Goldstandard" eines Studiendesigns gilt. Dazu hätten die Studienteilnehmer zum Beispiel selbst nicht wissen dürfen, in welcher Gruppe sie sind.
Post von Dr. Jonas Schmidt-Chanasit auf X

Warum sind Studien zu Corona-Maßnahmen so schwierig?

Genau das ist bei den Corona-Maßnahmen jedoch schwierig. Während man bei Untersuchungen zur Wirkung von Arzneimitteln mit Placebo-Pillen oder Ähnlichem die Zuordnung der Probanden sehr genau steuern kann, ist es bei sogenannten Nicht pharmazeutischen Interventionen (NPIs) wie dem Tragen einer Schutzmaske unmöglich, die Studienteilnehmer nicht wissen zu lassen, in welcher Gruppe sie sind.

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Hinzu kommt auch noch die ethische Frage, ob man Personen bewusst von Schutzmaßnahmen ausnehmen sollte, nur um eine Kontrollgruppe für die Wirkungen eben dieser Maßnahme zu haben.
Trotzdem hätte man die Wirksamkeit der NPIs während der Pandemie in Deutschland besser untersuchen und auswerten müssen, meint Virologe Schmidt-Chanasit
Man hätte von Anfang an mehr Ressourcen investieren müssen, um zu untersuchen, ob es eine Evidenz für eine Maskenpflicht für Kinder gibt oder nicht.
Dr. Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe
Gelegenheiten hätte es dafür etwa gegeben, wenn Bundesländer bestimmte Regelungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten eingeführt oder wieder ausgesetzt haben.

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War es also sinnlos, dass Kinder Masken getragen haben?

Das ist nicht das Ergebnis der Studie. Die Untersuchung sagt lediglich, dass sich der Effekt der Maskenpflicht für Kinder nicht beziehungsweise schwer messen und beweisen lässt. Auch Virologe Schmidt-Chanasit hält das korrekte Tragen von OP-Masken bei Kindern in wenigen Ausnahmesituationen durchaus für ein zusätzliches Hilfsmittel: Wenn Kinder zum Beispiel Kontakt mit Hochrisikopatienten haben und es keine andere Möglichkeiten gibt, das Risiko zu reduzieren. Individuell gesehen kann eine Maske in bestimmten Situationen also ein brauchbares Hilfsmittel sein, um die Gefahr einer Virusübertragung zu verringern - ob es nun Sars-CoV-2 oder Influenzaviren sind.
Die Sinnhaftigkeit der allgemeinen Maskenpflicht, etwa in der Schule, sei bisher nicht mit starker Evidenz gezeigt worden. Das hänge auch damit zusammen, dass viele Masken gar nicht passgenau für die kleineren Gesichter von Kindern hergestellt werden und es - gerade bei kleineren Kindern - fraglich ist, wie konsequent die verpflichtende Maske getragen wird. Bevor jedoch eine verpflichtende Maßnahme für Kinder eingeführt wird, sollte das Risiko-Nutzen-Verhältnis klar sein, so Schmidt-Chanasit.

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