FAQ

: Welche Corona-Impfstoffe sind verfügbar?

von Julia Klaus
21.08.2023 | 14:37 Uhr
Gegen Corona sollten sich bestimmte Gruppen im Herbst impfen lassen. Doch nicht alle Impfstoffe dürften breit verfügbar sein. Woran liegt das?
Boostern im Herbst? Nicht alle Corona-Impfstoffe dürften in Deutschland breit verfügbar sein. Quelle: dpa
Für die meisten Menschen spielt das Coronavirus derzeit, mitten im Spätsommer, keine Rolle. Doch in den kalten Monaten könnten die Fallzahlen wieder ansteigen. Wellen im Herbst und Winter sind möglich.
Weil die meisten infiziert waren, geimpft sind - oder beides - erwartet die Deutsche Krankenhausgesellschaft zwar "keine erneute große Belastung durch Corona-Infektionen im Herbst und Winter" in den Kliniken. Einige Gruppen sollen sich laut Stiko aber weiter mit einer Impfung schützen:
  • Menschen ab 60 Jahren
  • Menschen mit Vorerkrankungen
  • Menschen, die in Medizin und Pflege arbeiten
  • Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen

Welche Impfstoffe werden für sie verfügbar sein?

Die Antwort dürfte überraschen. Denn in Deutschland dürften - insofern ihre angepassten Vakzine zugelassen werden - ab Herbst vor allem zwei Hersteller dominieren: Pfizer/Biontech mit ihrem mRNA-Impfstoff. Und Novavax mit einem proteinbasierten Impfstoff, der auch Leute ansprechen kann, die keinen mRNA-Impfstoff wollen.
Wie das Bundesgesundheitsministerium auf ZDFheute-Anfrage mitteilt, arbeite man zwar an der "Überführung der Covid-19-Impfstoffversorgung in die Regelversorgung". Doch:
Aufgrund der Beteiligung an der Impfstoffinitiative der Europäischen Kommission bestehen derzeit noch Abnahmeverpflichtungen des Bundes zu Covid-19-Impfstoffen der Hersteller Pfizer/Biontech und Novavax.
Sprecher Bundesgesundheitsministerium

Wie viel Corona-Impfstoff ist für die nächste Zeit vereinbart?

Laut Gesundheitsministerium bekommt der Bund in den nächsten Jahren noch zahlreiche Dosen von Pfizer/Biontech geliefert:
  • 2023: 14,2 Millionen Dosen
  • 2024: 14,2 Millionen Dosen
  • 2025: 15,6 Millionen Dosen
Mit Novavax verhandele die EU-Kommission noch über den genauen Zeitraum, so das Gesundheitsministerium. Doch die Anzahl stehe fest: Deutschland werde 10,6 Millionen Dosen "aus einem EU-Beschaffungsvertrag" erhalten.
Hintergrund ist, dass die Nachfrage nach Corona-Impfstoffen zuletzt gesunken war, die EU in Rahmenverträgen aber bestimmte Abnahmemengen mit den Herstellern vereinbart hatte. Im Mai erst erzielte die EU-Kommission eine Einigung mit Pfizer/Biontech: Der Zeitraum für die Abnahme wird gestreckt. Das verringere Deutschlands Zahlungsverpflichtungen gegenüber dem Pharma-Unternehmen um 500 Millionen Euro, wie aus Unterlagen hervorgeht, die der dpa vorlagen.

Was bedeutet das für Patientinnen und Patienten?

Wer dabei nun aber leer auszugehen scheint, sind andere Vakzin-Produzenten. Moderna etwa will ebenfalls bald einen angepassten mRNA-Impfstoff auf den Markt bringen. Für Patientinnen und Patienten in Deutschland könnte das bedeuten, dass sie weniger Auswahlmöglichkeit haben. Denn es gilt der Grundsatz, dass Ärztinnen und Ärzte nach dem Wirtschaftlichkeitsgebot handeln müssen. Was das heißt, erklärt der Verband der gesetzlichen Krankenkassen im Gespräch mit ZDFheute:
Soweit zentral mit Steuermitteln beschaffte Impfstoffe verfügbar sind, sollten diese auch eingesetzt werden.
Spitzenverband Bund der Krankenkassen
Wenn der Bund einen Impfstoff kauft, ist der aus Krankenkassen-Sicht automatisch günstiger als andere auf dem Markt verfügbare. Was, wenn eine gesetzlich versicherte Patientin für ihren Booster im November aber beispielsweise das mRNA-Vakzin von Moderna möchte? Das sei zwar möglich, so der Verband der gesetzlichen Krankenkassen. Denn das "liegt in der Entscheidungshoheit der Ärztin beziehungsweise des Arztes". Doch in puncto Kostenübernahme rät der Verband, vorab mit der jeweiligen Krankenkasse zu sprechen. Das heißt: Eventuell müsste die Patientin den Impfstoff dann selbst bezahlen.

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12.07.2023 | 01:47 min
Der gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Andrew Ullmann, ist nicht glücklich mit dieser Situation. Auf ZDFheute-Anfrage teilte er mit, es sei "nicht nachvollziehbar", warum der Bund die Impfstoffe noch zentral beschafft. Denn: "Zwar könnten Ärztinnen und Ärzte individuell Impfstoffe weiterhin verordnen, doch hier wird unnötig Bürokratie aufgebaut, da für die Verordner entweder ein Regress droht oder lange Diskussionen mit den Krankenkassen entstehen."
Auch das Unternehmen Moderna kritisiert diesen Umstand, wie eine Sprecherin ZDFheute mitteilt:
Aufgrund der aktuellen Gesetzeslage in Deutschland ist es derzeit fraglich, ob alle Kassenpatienten ohne Weiteres den Impfstoff, den sie verimpft haben möchten, erhalten können.
Sprecherin von Moderna
Das führe zu einem "großen Ungleichgewicht in Deutschland, das zu Lasten der patientengerechten Covid-19 Impfstoffversorgung zum Beispiel von Risikopatient:innen und der Therapiefreiheit des Arztes führen kann".

Wer ist für die Lieferverträge verantwortlich?

Das Verfahren war zweistufig. Die EU-Kommission teilt auf ZDFheute-Anfrage mit, dass sie "im Auftrag der EU-Staaten" zunächst die Abnahmevereinbarungen geschlossen habe. Dort sei die Gesamtmenge vereinbart worden, die man abnehmen wollte. In einem zweiten Schritt hätten die Länder dann konkrete Kaufverträge mit den Unternehmen abgeschlossen: "Basierend darauf wurden die spezifischen Lieferverträge direkt zwischen den EU-Staaten und den Unternehmen vereinbart. Es waren auch die EU-Staaten selbst, die die Impfdosen gekauft haben", so die Kommission.
Das Bundesgesundheitsministerium verweist auch auf Brüssel: "Die Verträge liefen über die EU."
Es scheint: Niemand will so richtig die Verantwortung dafür übernehmen, dass von einigen Anbietern noch Impfstoff abzunehmen ist - und viele Patientinnen und Patienten durch die Abrechnungsregeln zunächst wohl weniger Auswahl haben werden.

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