: Expertin: Hitzewellen sind das neue Normal

25.07.2023 | 07:37 Uhr
Weder "extrem" noch "wahnsinnig selten": Hitzewellen und Dürre wie in diesem Jahr gehören laut Klimaforscherin Otto zum menschengemachten Klimawandel - und werden weiter zunehmen.

Die Klimaforscherin Friederike Otto sagt, werden weiter fossile Brennstoffe verbrannt, wird man sich deutlich häufiger auf solche Hitzewellen, Dürren und Brände einstellen müssen.

24.07.2023 | 03:16 min
Länder wie Italien oder Griechenland leiden derzeit unter Waldbränden und Hitze. Auf Rhodos mussten zuletzt Touristenhotels evakuiert werden. Laut Klimaforscherin Friederike Otto ist diese Situation nicht mehr in die Kategorie "besonders heißer Sommer" einzuordnen, sondern sei das neue Normal in vielen Regionen Europas. Im ZDF sagte sie:
Das, was wir in Griechenland zurzeit sehen und auch in Spanien und Italien ist kein besonders heißer Sommer mehr in dem Klima, in dem wir leben.
Friederike Otto, Klimaforscherin

Expertin: Müssen uns auf solche Sommer und noch heißere einstellen

Aufgrund des menschengemachten Klimawandels seien diese Ereignisse nicht mehr "extrem" oder "wahnsinnig selten". Würden zum Beispiel weiter fossile Brennstoffe genutzt, wird sich die Welt laut der Expertin künftig auf solche Sommer und noch heißere einstellen müssen.
Insbesondere rund ums Mittelmeer werde es hohe Temperaturen wie in diesem Jahr immer wieder geben, betonte Otto. Zudem sehe man hier besonders deutlich, dass die Regenfälle im Sommer merklich nachlassen, wodurch die Dürregefahr zunehme - Bedingungen, die für Waldbrände ideal seien, so die Klimaforscherin.

Wie kann man Waldbränden vorbeugen?

Quelle: dpa
Geringe Niederschläge und hohe Temperaturen bereits im Frühjahr, gepaart mit langen, heißen Trockenperioden im Sommer können das Waldbrandrisiko künftig erhöhen. Daher wurde in den Forsten damit begonnen, waldbauliche und technische Maßnahmen umzusetzen. Sie haben eine vorbeugende, schadensmindernde Wirkung. Allerdings greifen diese Maßnahmen erst nach mehreren Jahren.

  • Erhöhung des Laubholzanteils: Durch den Wandel von Kiefern-Monokulturen hin zu Mischwäldern aus Laubbäumen wird das Waldbrandrisiko gesenkt. Mischwälder (Foto) besitzen die Fähigkeit, viel Feuchtigkeit im Boden sowie in den Baumkronen zu speichern. So kann sich in einem trockenen Sommer kein Vollfeuer entwickeln.
  • Anlegen von Waldbrandriegeln: Dabei handelt es sich um Flächen zwischen 100 und 300 Metern, auf denen brandhemmende Laubbäume, Sträucher und Gräser wachsen. Diese Riegel sollen im Brandfall auflaufende Vollfeuer in leichter zu bekämpfende Bodenfeuer umwandeln. 
  • Anlegen von Schutz- und Wundstreifen: Sie sind 20 bis 30 Meter breit und werden stets von leicht brennbarem Gestrüpp befreit. Die geringe Brennstoffmenge verhindert, dass sich ein Bodenfeuer in den Kronenraum ausbreiten kann. Solche Streifen verlaufen bevorzugt entlang von Hauptstraßen, Straßen und Bahnlinien.
  • Anlegen künstlicher Löschwasser-Entnahmestellen: Diese können Staueinrichtungen, im Erdboden eingelassene Behälter oder Anschlüsse an Fernwasserleitungen sein.    

Wie breitet sich das Feuer aus?

Sehr trockene Pflanzenteile und Gräser fangen am schnellsten Feuer. Danach folgen trockene Nadeln und kleine Zweige. Nadelwälder mit dichtem Grasbewuchs bergen eine besonders hohe Feuergefahr. Trockenes Laub und Totholz dagegen brennen erst, wenn die Flammen schon größere Ausmaße erreicht haben. Wird aus dem Flammenherd eine Feuerwalze, können nahezu alle Pflanzenteile und sogar der Humus sowie Wurzeln im Boden erfasst werden.

Kommt zum Brand starker Wind dazu, entstehen langgezogene Brandstellen, die sich auch in der Geschwindigkeit schnell ausbreiten. Kronenfeuer gelten als besonders problematisch und sind bei Feuerwehrleuten besonders gefürchtet. Denn starke Winde übertragen die Flammen in der Höhe. Durch den Dominoeffekt im Kronenbereich werden die Löscharbeiten erschwert. Es entsteht schließlich ein Megafeuer.

Wie löscht man einen Waldbrand?

Quelle: dpa
Zur Brandbekämpfung gibt es in Deutschland zwei Verfahren:

  • Direkter offener Angriff der Feuerfront mittels Löschmannschaften, Löschfahrzeugen und Löschwasserabwürfen: Dabei setzen die Feuerwehrleute den Löschangriff gegen die Windrichtung an. In der Regel erfolgt der Löschangriff von der Flanke zur Spitze der Feuerfront. Das Verfahren wird nur bei geringer Flammenhöhe angewendet. Denn schwer einschätzbare Windböen können dazu führen, dass Einsatzkräfte vom Feuer eingeschlossen werden.
  • Defensiver Angriff: Er wird angewendet, wenn die Flammen zu hoch schlagen oder die Fläche mit Munition kontaminiert ist. Defensiv bedeutet, es werden Feuerschneisen angelegt, die frei von trockenem Gestrüpp und oder dürren Sträucher sind. Feuerfeste Barrieren wie Straßen und Wege halten das Feuer ebenfalls auf. Auf den defensiven Angriff setzt man auch bei Waldbränden im Bergland. Dort breitet sich das Feuer hangaufwärts sehr viel schneller aus als hangabwärts. Mittels großer Planierraupen oder Bergepanzer der Bundeswehr werden Feuerschneisen angelegt. Der trockene Bewuchs wird plattgemacht. Die vegetationsfreie Schneise hilft, die Flammenausbreitung abzubremsen.

Schutz vor Hitze auch Frage des Geldbeutels

Laut der Expertin betrifft diese Entwicklung in den kommenden Jahren alle Regionen Europas. Insgesamt gelte auch: "Wer Probleme hat im Sommer, hängt davon ab, wer man ist." Wer etwa "reich" sei oder "in gut isolierten Häusern auf dem Berg" lebe, den störe fast nichts, so Otto.
Für die meisten Menschen seien die Sommer aber nirgendwo in Europa mehr das, was sie waren. Besonders zu spüren bekämen das beispielsweise auch Menschen, die an dicht befahrenen Straßen lebten. "Die Kombination von Luftverschmutzung durch Abgase und Hitzewellen führt zu extremen gesundheitlichen Problemen", erklärt die Klimaforscherin.
Die Auswirkungen von Dürren auf die Landwirtschaft werden sich laut Otto künftig noch deutlicher in der Preisentwicklung zeigen.
Quelle: ZDF

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