: Mord in Lohr: War US-Serienmörder Vorbild?

02.01.2024 | 12:00 Uhr
Anfang September erschüttert ein Mord die Stadt Lohr am Main: Ein 14-Jähriger erschießt einen Gleichaltrigen. Jetzt sagen Ermittler, der Täter habe aus reiner Mordlust gehandelt.
Trauer nach dem Mord in Lohr am Main.Quelle: dpa
Er soll aus reiner Mordlust gehandelt haben, nach dem Vorbild eines amerikanischen Serienmörders: Keine vier Monate nach dem gewaltsamen Tod eines 14-Jährigen im unterfränkischen Lohr am Main in Bayern hat die Staatsanwaltschaft einen Gleichaltrigen wegen Mordes angeklagt.
Ein Sprecher der Behörde sagte in Würzburg:
Er hat die Tat nur begangen, um jemanden zu töten.
Sprecher der Staatsanwaltschaft

Ein 14-Jähriger soll in Lohr am Main einen Gleichaltrigen getötet haben. Der mutmaßliche Täter ist in Untersuchungshaft, doch es bleiben viele Fragen.

11.09.2023 | 02:04 min

Angeklagter bewunderte US-Serienmörder Dahmer

Der Angeklagte habe nach bisherigen Erkenntnissen wohl den Serientäter Jeffrey Dahmer verehrt, die "Main-Post" hatte darüber zuerst berichtet. Dahmer hatte eine der grausigsten Mordserien der USA verübt, über ihn gibt es auch eine Netflix-Serie. Der 1994 verstorbene Mörder zerstückelte seine mindestens 17 männlichen Opfer zwischen 1978 und 1991 und aß Leichenteile.
Der nun angeklagte Deutsche soll sein Opfer am 8. September 2023 auf einem Schulgelände der Kleinstadt Lohr im Landkreis Main-Spessart mit einem Kopfschuss von hinten getötet haben. Hinweise auf andere Täter oder Helfer haben sich laut der Ermittler bislang nicht ergeben. Das Landgericht Würzburg muss nun entscheiden, ob die Anklage zugelassen wird und Prozesstermine festlegen.

Mitte September ist in Mecklenburg-Vorpommern ein Sechsjähriger getötet worden.

26.09.2023 | 02:12 min

Jugendlicher mit purer Mordlust?

Der Verdächtige schweigt seit seiner Festnahme zu den Vorwürfen. Die Tat habe er aus purer Mordlust verübt, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Seine Faszination für den "Kannibalen von Milwaukee", wie Dahmer genannt wird, habe dabei eine große Rolle gespielt.
Er hat sich wohl von Freunden mit dessen Namen bezeichnen lassen.
Sprecher der Staatsanwaltschaft
Sein Opfer war italienischer Staatsbürger und wohnte seit Jahren in Lohr. Der Junge lag in einem Gebüsch in der Nähe des Schulzentrums, in dem er die Mittelschule besuchte.
Die Tatwaffe, eine 9-Millimeter-Pistole, gehörte legal einem Nachbarn des Angeklagten. Wie der Schüler an die Pistole kam, ist nicht bekannt. Der Waffenbesitzer konnte nach der Tat nicht befragt werden, weil er im Krankenhaus lag. Er starb wenige Wochen nach dem Verbrechen. Der 66-Jährige soll den jungen Mann aber gekannt haben.

Angeklagter Jugendliche ist strafmündig

Die Strafmündigkeit beginnt mit dem 14. Geburtstag. Im deutschen Strafrecht kann man, auch bei schweren Delikten, nur bestraft werden, wenn man schuldhaft gehandelt hat - und dazu braucht es Einsichts- und Steuerungsfähigkeit. Bei strafmündigen Jugendlichen muss ihre Reife, das Unrecht der Tat einzusehen und entsprechend zu handeln, feststehen.
Bei dem Angeklagten handelt es sich um einen Jugendlichen im Sinne des Gesetzes, der besonders schutzwürdig ist. In Jugendverfahren steht der Erziehungsgedanke im Vordergrund, wie ein Gerichtssprecher erläuterte.
Für Jugendliche beträgt bei Mord das Höchstmaß der Jugendstrafe zehn Jahre. Sicherungsverwahrung ist aber unter engen Voraussetzungen prinzipiell möglich.

Häufung von schweren Verbrechen von Minderjährigen

Bundesweit haben in den vergangenen Monaten mehrere Gewaltverbrechen von Teenagern aufgeschreckt. Die Zahl der 14- bis 18-jährigen Verdächtigen stieg bundesweit 2022 innerhalb eines Jahres laut Polizeilicher Kriminalstatistik um 22,1 Prozent auf gut 189.000.
Quelle: dpa

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