FAQ

: Wieso ein Tempolimit noch mehr CO2 einspart

von Christine Elsner
24.01.2023 | 12:47 Uhr
Eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Deutschlands Autobahnen könnte laut Umweltbundesamt wesentlich mehr CO2 einsparen als bisher gedacht. Die Gründe.
Ein Tempolimit von 120 km/h spart mehr CO2 ein, als gedacht. (Archivfoto)Quelle: dpa

Wie groß ist der CO2-Ausstoß im Verkehrssektor?

Laut Bundes-Klimaschutzgesetz muss der Verkehrssektor seine CO2-Emissionen bis zum Jahr 2030 um 48 Prozent im Vergleich zu 1990 reduzieren - also fast eine Halbierung der Emissionen.
In Tonnen ausgedrückt heißt das: Der Verkehrssektor darf im Jahr 2030 nur noch 85 Millionen Tonnen CO2 emittieren. Die Zahl für 2021 ist allerdings ernüchternd. Laut Umweltbundesamt hat der Verkehr rund 148 Mio. Tonnen CO2 ausgestoßen.
Grund für die hohen Emissionen ist der Straßengüterverkehr auf den Autobahnen. Um das Klimaziel für 2030 noch zu erreichen, müssten die Emissionen 14-fach so schnell sinken wie bisher. 

Was würde ein Tempolimit auf Autobahnen bringen?

Laut der jüngst veröffentlichten Studie des Umweltbundesamtes (UBA) bringt ein Tempolimit doch mehr als bislang errechnet. Demnach könnten durch ein Tempolimit von 120 Kilometern pro Stunde auf Deutschlands Autobahnen und autobahnähnlich ausgebauten Straßen jährlich 6,7 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente eingespart werden.

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Das UBA erklärt die Neuberechnung damit, dass Floating-Car-Daten für das gesamte Autobahnnetz in Deutschland und einem deutschlandweiten Verkehrsmodell herangezogen wurden.
Bei Floating-Car-Data geht es um das Messen und Auswerten der Fahrzeugbewegungen anhand von Daten, die direkt aus dem Fahrzeug kommen und via GPS übertragen werden. Dadurch entsteht im Fahrzeug eine Art "mitfahrende" Messstation für Verkehrsdaten.
Standzeiten sowie Wartezeiten an Ampeln oder im Stau fließen dadurch in die CO2-Berechnung mit ein. Frühere Berechnungen des UBA gingen von 2,6 Millionen Tonnen aus.

Welches Potential steckt in einem erweiterten Tempolimit?

Würde neben dem 120 km/h-Tempolimit auf Autobahnen auch eine zulässige Höchstgeschwindigkeit von 80 Kilometern pro Stunde auf Straßen außerhalb von Ortschaften eingeführt werden, brächte dies eine zusätzliche CO2-Einsparung.
Durch ein ab 2024 eingeführtes Tempolimit im "Doppelpack" könnten laut UBA-Berechnung in Summe bis zum Jahr 2030 rund 47 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente eingespart werden.

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Inwieweit nützt ein Tempolimit dem Klima?

Die Einsparungen lösen nicht die für den Verkehrssektor vorgegebenen Klimaschutzziele ein. Aber sie sind auch keine Kleinigkeit, wie UBA-Präsident Dirk Messner auch betonte. Um die gleiche Minderung wie für das Tempolimit zu erreichen, müssten drei Millionen mehr reine Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen unterwegs sein.
Derzeit ist das aus vielen Gründen unrealistisch. Durch die stark gestiegenen Strompreise wird der Betrieb von Elektrofahrzeugen deutlich teurer und damit für viele Interessenten unattraktiv. Zudem wurde die Förderung von Batteriefahrzeugen eingestellt. Auch die Infrastruktur für E-Autos wird nur schleppend ausgebaut. 

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Beeinflusst ein Tempolimit die Luftqualität?

Verbrennungsmotoren erzeugen unterschiedliche Abgase, die die Luftqualität mehr oder weniger stark belasten - zum Beispiel Stickoxide oder auch Feinstaub. Ein Tempolimit kann dennoch einen reduzierten Ausstoß von beispielsweise Stickstoffdioxid bewirken.
Dem UBA zufolge hat zudem die Qualität des Verkehrsflusses einen großen Einfluss auf die Luftschadstoffbelastung. Messungen zeigen, dass eine Verstetigung des Verkehrsflusses die Schadstoffe deutlich reduziert.
Zudem vermindert eine gleichmäßige Geschwindigkeit die Staubildung, die ebenfalls negative Auswirkungen auf die Luftqualität hat. 

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Welche weiteren Vorteile hätte ein Tempolimit?

Ein wichtiges Argument ist die Verkehrssicherheit. Je schneller ein Fahrzeug unterwegs ist, desto länger dauert es, bis es auf null gebremst wird.
Zahlen aus dem Unfallatlas der statistischen Ämter des Bundes zeigen: Je eine Milliarde gefahrener Kilometer sind auf Autobahnabschnitten mit Tempolimit 0,95 Todesfälle zu verzeichnen. Auf Abschnitten ohne Tempolimit sind es 1,67 Unfälle mit Todesopfern - und somit rund 75 Prozent mehr.
Ein weiterer Punkt ist der Stressaufbau. Hohe Geschwindigkeit, Drängeln, große Tempounterschiede: das alles erhöht die Adrenalinausschüttung.      

Wer ist für, wer ist gegen ein Tempolimit?

Der ADAC befragt regelmäßig seine Mitglieder zu deren Einstellung gegenüber einer Tempolimit-Einführung. Demnach votierten 2022 für ein Tempolimit 52 Prozent, 44 Prozent sind dagegen.
Im Zuge der neuen UBA-Studie zum CO2-Einsparpotentials eines Tempolimits von 120 auf Autobahnen hat sich Bundesverkehrsminister Volker Wissing abermals gegen eine allgemeine Geschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Autobahnen ausgesprochen. Das Tempo gehöre in die Eigenverantwortung der Bürger, solange andere nicht gefährdet werden. Der Staat solle sich zurückhalten - so seine Position.
Christine Elsner ist Autorin der ZDF-Umweltredaktion.

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