: Sind Nikes US-Damenoutfits zu freizügig?

von Louisa Kissel
20.04.2024 | 20:42 Uhr
Sexismus-Debatte vor den Olympischen Spielen 2024 in Paris: Die knappen Nike-Outfits für die US-Frauen lösen gemischte Reaktionen aus - Kritik und Zustimmung unter Athletinnen.
Die Athletin Athing Mu präsentiert das US-Leichtathletinnen-Outfit für Olympia.Quelle: Reuters
"Wenn dir der Stoff ausgeht, nachdem du das Männeroutfit entworfen hast" oder "Hat man eine Frau zu diesem Rennanzug gefragt?" - so lauten einige kritische Kommentare in den sozialen Medien zu dem knallpinken, hautengen Bodysuit von Nike für die US-Leichtathletinnen der Olympischen Spiele 2024 in Paris.
Ein entsprechender Beitrag des Fachmagazins "Citius Mag", welcher das US-Damen- sowie Männeroutfit zeigt, löste breite Kritik aus. Viele Athletinnen und Fans kritisieren die Bekleidung als zu knapp und zu freizügig, besonders im Vergleich zur kaum veränderten Männerausstattung: blaue Shorts, die bis zur Mitte der Oberschenkel reichen, und ein lila-rotes Tanktop.
Tweet des "Citius Mag"

Wie Kleiderregeln im Frauensport für Aufsehen sorgten

Ob Röcke, die Farbe der Unterwäsche oder knappe Bikinihosen: Die vorgeschriebenen Outfits von Sportlerinnen sorgten in den vergangenen Jahren immer wieder für Diskussion. So wurde 2012 das Frauenboxen erstmals olympisch und es gab den Vorschlag, Miniröcke zu tragen, der auf starken Widerstand stieß. Schließlich wurde entschieden, dass Boxerinnen Miniröcke tragen dürfen, aber nicht müssen.
Katie Taylor gegen Sofya Ochigava beim Frauenboxen 2012: Der Vorschlag, Miniröcke tragen zu müssen, wurde nicht umgesetzt.Quelle: Imago
Ein anderes Beispiel ist das Wimbledon-Tennisturnier in London, wo die "All-White-Regel" im Jahr 2023 gelockert wurde, sodass nun auch bunte oder dunkle Unterwäsche erlaubt sind. Diese Änderung folgte, nachdem die britische Tennisspielerin Alicia Barnett die Belastung thematisiert hatte, während der Periode weiße Unterwäsche tragen zu müssen.
Shelby Rogers aus den USA in schwarzer UnterwäscheQuelle: Imago
Während der Beachhandball-EM 2021 erregte die norwegische Nationalmannschaft Aufsehen durch ihren Protest gegen die Kleiderordnung. Statt der vorgeschriebenen Bikinihöschen wählten sie längere Shorts und wurden dafür mit einer Geldstrafe von 1.500 Euro belegt.
Shorts statt Bikinihosen: Die Norwegerinnen mussten Strafe zahlen.Quelle: Imago

Nike bietet Athletinnen vielfältige Outfit-Optionen

Anders als bei den norwegischen Beachhandballerinnen müssen die von Nike ausgestatteten Athletinnen bei den Olympischen Spielen jedoch nicht zwangsläufig knappe Outfits tragen. John Hoke, Designer und Chief Innovation Officer bei Nike, erklärte gegenüber der "New York Times", dass die beiden präsentierten Trikots lediglich zwei der vielen verfügbaren Optionen darstellen, die Athleten bei den Olympischen Spielen tragen können.

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Die Sportler könnten somit in Paris Outfits auswählen, die ihren persönlichen Vorlieben und dem eigenen Stil entsprechen, ohne Einbußen beim Komfort hinnehmen zu müssen.

Fleshman: "Patriarchale Outfits nicht nötig für Popularität"

Warum also die Aufregung über körperbetonte Outfits, wenn Sportlerinnen auch weniger figurbetonte Modelle wählen können? Lauren Fleshman, eine US-amerikanische Läuferin, kritisiert, dass schon die Entscheidung, besonders freizügige Outfits zu bewerben, problematisch sei.
Fleshman beschreibt in einem Instagram-Post den knappen Bodysuit als "ein Kostüm, das aus patriarchalischen Kräften entstanden ist, die weder erwünscht noch notwendig sind, um den Frauensport populärer zu machen".
Femita Ayanbeku, eine paralympische Athletin und Mutter, äußerte sich ebenfalls kritisch unter dem Instagram-Post des Leichtathletik-Magazins "Citius Mag": "Ist das ein Witz? Ich möchte mich nicht so entblößen."

In Paris laufen die Vorbereitungen für die olympischen Sommerspiele auf Hochtouren. Allein zur Eröffnungsfeier wird mit 600.000 Zuschauenden gerechnet.

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US-Leichtathletin: "Kleidung muss Komfort bieten"

US-Leichtathletin Sinclaire Johnson verteidigt die neuen Damenoutfits von Nike und erklärt, dass Nike einige von ihnen "in den Testprozess für das Kit einbezogen" habe und "die Unterteile nicht so aussehen, wenn sie ein echter Mensch trägt".
Auch Athleten des Deutschen Leichtathletik-Verbands, darunter Weitsprung-Olympiasiegerin Malaika Mihambo, tragen bei diesen Spielen Nike und waren bei der Outfit-Präsentation in Paris dabei. Gegenüber Sport1 sagte die Sportlerin, welche bei Nike unter Vertrag steht:
Ich habe mich bei dem Shooting und der Show in dem Ganzkörpertrikot wohlgefühlt.
Malaika Mihambo, Weitsprung-Olympiasiegerin
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