: Steadfast Defender: Nato übt den Bündnisfall

von Gunnar Krüger
05.03.2024 | 12:55 Uhr
An der Weichsel übt die Nato den Bündnisfall. Und nennt Russland als Bedrohung: Für mehr Abschreckung, so ein deutscher Nato-General, bleiben "wenige Jahre".

In Polen haben NATO-Truppen eine Flussüberquerung mit Panzern geübt. Das Verteidigungsbündnis hält an seiner Ostflanke derzeit das größte Manöver seit Ende des Kalten Krieges ab.

05.03.2024 | 02:41 min
Sich auf der Stelle zu drehen, ist eine wertvolle Fähigkeit - in diesem Fall: Grünes Wasser schwappt über die Bordwand von Amphibie M3. Vier Soldaten reißen Joysticks im Takt der Gesten eines Kameraden nach links und rechts. Die Motoren des Wasserstrahlantriebs heulen, es stinkt nach Diesel beim Ballett auf dem Wasser.

Größte Nato-Übung seit Ende des Kalten Kriegs

Die Amphibie M3 ist zu Land ein unförmiger LKW und zu Wasser - einmal ausklappt und mit anderen gekuppelt - eine Brücke oder eben eine extrem wendige Fähre. Soldaten des deutsch-britischen Pionierbrückenbataillons 130 aus dem westfälischen Minden transportieren damit in einer Stunde 28 gepanzerte Fahrzeuge. An diesem Tag allerdings: Nicht auf der Weser, sondern auf der Weichsel in Polen.
Steadfast Defender (zu Deutsch: Standhafter Verteidiger) - die größte Nato-Übung seit Ende des Kalten Kriegs - tritt mit der Querung von Polens großem Strom in die heiße Phase. 90.000 Soldaten sind beteiligt, 3.500 Fahrzeuge, alle 31 Mitgliedstaaten plus Schweden. Allein bei dieser Teilübung - Dragon 24 - machen 20.000 Soldaten und 2.774 Fahrzeuge mit.

Deutschland und andere Nato-Mitglieder wollen mindestens zwei Prozent ihres BIPs für das Militär ausgeben. Dazu eine Einschätzung von ZDF-Korrespondent Florian Neuhann.

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Übung stärkt Fähigkeiten der Soldaten

Die meisten nehmen die neue Betonbrücke ein paar hundert Meter flussabwärts. Die anderen setzen auf die Fähigkeit der Fähre, die Stabsunteroffizier Justin trainiert: "Das ist viel wert und das bringt uns auch immer weiter und die Leute werden immer besser, immer schneller." Er messe die Zeit. "Es geht immer nur bergauf", sagt Justin, der zu seiner Sicherheit keinen Nachnamen nennt.

Wegen des Sondervermögens liegen die Bundeswehrausgaben seit Jahrzehnten erstmals im Nato-Soll. Über die Finanzierung der Aufrüstung auf lange Sicht wird diskutiert.

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Übung kommt zum richtigen Zeitpunkt

Kriegstüchtig soll die Bundeswehr werden - so will es Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius. Kampfunterstützende Einheiten, sogenannte Enabler, sind dafür unverzichtbar. Auch die Nato braucht sie: Sie übt ihr neues Streitkräftemodell. 100.000 Soldaten sollen in zehn Tagen und noch einmal doppelt so viele in einem Monat einsatzbereit sein. Pioniere ermöglichen die schnelle Verlegung dieser Truppen an die Ostflanke.
Gunnar C. Brügner ist ein deutscher Brigadegeneral, abgeordnet zum militärischen Hauptquartier der Nato im belgischen Mons. Drei Jahre hat er an dieser Teilübung geplant. "Aber jetzt kommt sie zum genau richtigen Zeitpunkt." Brügner schlendert mit Brille und grünem Barrett am Deich der Weichsel von Kamera zu Kamera. Medienauflauf in Korzeniewo - ein Dorf, eine Stunde südlich von Danzig.

Abschreckung und Abwehr gegen Russland

Nie warnten Nato-Generäle deutlicher: Russland könnte die Konfrontation suchen. Für mehr Abschreckung und Abwehr blieben wenige Jahre, heißt es. "Diese Zeit ist kostbar", meint Brügner.
Wachsamkeit ist der Preis der Freiheit. An dieser bitteren Wahrheit kommen Sie nicht vorbei.
Gunnar C. Brügner, Brigadegenereal
Brügner trat 1987 in die Bundeswehr ein, ein Jahr bevor die Nato zum letzten Mal so viel Mensch und Material zusammenzog. Damals flogen allein die USA 18.000 Soldaten über den Atlantik, die in Europa zuvor eingelagerte Ausrüstung übernahmen. Panzer richteten Flurschäden an, das ZDF mahnte Autofahrer zu Vorsicht auf den Straßen - Folklore des Kalten Kriegs.

Europäische Truppen zeigen, was sie können

36 Jahre später sagen viele in den USA - und nicht nur ein republikanischer Präsidentschaftsbewerber - die Europäer sollten sich mal selber schützen. In Korzeniewo zeigen sie, was sie haben, was sie können. Schulkinder schauen zu, Journalisten und Soldaten wuseln zwischen gepanzerten Fahrzeugen und Abwehrraketen. Doch was wäre das alles ohne die USA?

Der republikanische US-Präsidentschaftsbewerber Trump stellt die Nato infrage - und wirft einen dunklen Schatten auf die künftigen Sicherheitsgarantien zwischen Europa und den USA.

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Frage an den US-General Randolph Staudenraus: "Es stimmt: Die USA bringen viele Fähigkeiten ein. Aber durch die Lehren aus Russlands Krieg gegen die Ukraine kommt die Nato auch auf ein neues Niveau." Er kann nicht anders, die Nato ist sein Arbeitgeber und Generäle machen keine Politik.

Nato-General: USA bleiben Nato-Verbündeter

Gunnar C. Brügner, der deutsche Nato-General, wagt sich im Gespräch mit ZDFheute weiter vor: "Für mich ist entscheidend, nicht, was bestimmte Kreise in den USA sagen. Für mich ist entscheidend, was die Amerikaner tun." Er habe keinen Zweifel daran, dass der größte Verbündete engagiert bleiben wird. Dabei deutet er mit beiden Daumen über die Schulter auf das Geschehen hinter ihm.
Bei der Überquerung der Weichsel sind auch Amerikaner dabei. Aber es überwiegen deutsche und britische Truppen mit je 1.300 Soldatinnen und Soldaten. Das Rückgrat zu sein - auch das eine Erfahrung, die Europäer hier sammeln können.
Gunnar Krüger berichtet aus Korzeniewo über die Nato.

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