: Neue Technik: Geothermie bald überall möglich

von Elisa Miebach, Julian Schmidt-Farrent
24.08.2023 | 18:45 Uhr
Geothermie-Kraftwerke liefen bisher nicht ohne heiße Thermalquellen. Das soll sich mit einer neuen Technik nun ändern. Dafür reiste auch der Bundeskanzler nach Bayern.

Für eine erfolgreiche Energiewende braucht es Innovationen. Im bayrischen Geretsried wird eine neue Geothermie-Anlage eingeweiht. Bundeskanzler Scholz, CSU-Chef Söder und Forschungsministerin Stark-Watzinger sind vor Ort.

24.08.2023 | 01:42 min
Viereinhalb Kilometer in die Erde arbeiten sich die Bohrer. So tief geht ein Geothermiekraftwerk normalerweise nicht. Die neue Technik, die bei Geretsried in Bayern aufgebaut wird, gibt es bisher nur als Pilotprojekt in Nordamerika. Um sich diese Bohrungen anzuschauen, reisen auch Bundeskanzler Olaf Scholz und Forschungsministerin Bettina Stark-Watzinger in das kleine bayerische Örtchen.
Die Wärme aus der Erde soll klimafreundlich Strom erzeugen und Gebäude heizen. Er wolle einen Beitrag zur Energiewende leisten, sagt der Geschäftsführer des Projekts Daniel Mölk. Der gebürtige Isländer kennt sich aus mit Geothermie:
Standortunabhängig sehen wir hier die Chance zur dritten Säule der erneuerbaren Energien zu werden.
Daniel Mölk, Geschäftsführer des Projekts in Geretsried

Forscher: Großes Potenzial für Geothermie in Deutschland

Neben dem Ausbau Solar- und Windkraft prognostizieren auch unabhängige Forscher ein großes Potenzial für die Geothermie. Insgesamt, das heißt von der Erdwärmepumpe am Einfamilienhaus mit Bohrungen von rund 100 Metern bis zur Tiefengeothermie mit Bohrungen von mehr als vier Kilometern, könnte die Geothermie in Deutschland ein Viertel bis sogar ein Drittel des Energiebedarfs decken, sagt Inga Moeck vom Leibniz Institut für angewandte Geophysik. 
Wie werden wir in Zukunft heizen? Wie Geothermie funktioniert:

Geothermie im 3D-Studio erklärt.

02.05.2023 | 00:46 min
Bisher macht die Geothermie nur vier Prozent der erneuerbaren Energie in Deutschland aus. Mit der neuen Technik soll die tiefe Erdwärme in Deutschland an noch mehr Standorten nutzbar werden. Denn bisher waren die Kraftwerke auf heiße Thermalquellen angewiesen, die nicht überall in Deutschland zugänglich sind.

Wärme aus der Erde für Wassererwärmung nutzbar

Auch in Geretsried wurde seit 2013 nach diesen heißen Quellen gebohrt - vergeblich. So kam der Ort erst einmal nicht für ein herkömmliches Erdwärme-Kraftwerk infrage. Doch sie konnten trotzdem hohe Temperaturen in der Tiefe messen, erinnert sich Geowissenschaftlerin Inga Moeck, die bei den Bohrungen dabei war:
Wir haben herausbekommen, dass in der Tiefe von viereinhalb bis fünf Kilometern 160 Grad Celsius herrschen.
Inga Moeck, Geowissenschaftlerin
Und diese Wärme wird nun anders genutzt. Kaltes Wasser fließt von oben in die Tiefe und erwärmt sich am heißen Gestein. Warm fließt es wieder hoch, gibt die Wärme ab und fließt zurück - ein Kreislauf.
Geothermie nutzen fürs Eigenheim - ein Beispiel bei Familie Conring:

Nach monatelangem Warten wegen Lieferengpässen und Genehmigungen, darf jetzt vor dem 30 Jahre alten Eigenheim gebohrt werden.

17.11.2022 | 01:47 min

Neue Technik kostenintensiver

Doch die neue Technik ist sehr viel aufwendiger als bei herkömmlichen Kraftwerken. "Je tiefer man bohrt, desto größer werden auch die Kosten, weil einfach die Bohranlage auch viel größer wird", erklärt Forscherin Moeck.
Das neue Modell kostet mit 180 Millionen Euro rund sechs Mal mehr als ein herkömmliches Geothermiekraftwerk. Rund die Hälfte der Kosten werden durch eine Förderung der Europäischen Union gedeckt.
Geothermie ist zwar noch aufwendig und teuer, soll künftig aber gefördert werden:

Rund ein Viertel des Heizbedarfs für Deutschland könnte mit Erdwärme gedeckt werden.

24.03.2022 | 28:27 min

Scholz: Geothermie könnte uns näher an Klimaziele bringen

Bundeskanzler Olaf Scholz sagte bei seinem Besuch am Donnerstag:
Wenn dieser Versuch gelingt, wäre das nicht nur ein großes Stück Ingenieurskunst, sondern ein noch größerer Fortschritt für unsere Wärmewende.
Olaf Scholz, Bundeskanzler
Könnte man die Geothermie unabhängig vom Thermalwasser an mehr Orten nutzen  "hieße das mehr saubere Wärmeversorgung, die uns näher an unsere Klimaziele bringt", so der Bundeskanzler.
Funktioniert alles wie geplant, soll das Kraftwerk bis zu 30.000 Menschen in der Region mit Wärme und Strom versorgen. 2024 soll zum ersten Mal Strom produziert werden.

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