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: Daten zum Klimawandel im Überblick

von Michael Hörz, Moritz Zajonz
14.01.2022 | 17:38 Uhr
Wie hat sich das Klima bereits verändert? Wie könnte es künftig bei Ihnen vor Ort aussehen? Die wichtigsten Zahlen im KlimaRadar von ZDFheute.
Die zentrale Folge des menschengemachten Klimawandels: die Erwärmung des Planeten. In der Folge werden unter anderem deutlich mehr Dürren und Überflutungen erwartet - auch in Europa.
Die Weltgemeinschaft hat sich darauf verständigt, den Ausstoß von Treibhausgasen wie Methan und Kohlenstoffdioxid zu reduzieren, um die Erhitzung zu begrenzen. Sowohl in Deutschland als auch weltweit steigen die Temperaturen im Vergleich zum langfristigen Mittelwert:

Klimawandel: Die wichtigsten Zahlen

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Deutschland will die Treibhausgas-Emissionen bis 2030 um 65 Prozent reduzieren. Der Weg dahin ist noch weit, wie ein Blick auf Deutschlands Emissionen zeigt. Auch beim Ausbau der erneuerbaren Energien sind die Ziele noch längst nicht erreicht. Ein weiteres Anzeichen für den Klimawandel ist der weltweite Anstieg des Meeresspiegels - in manchen Regionen ist der Pegel sogar schon deutlich stärker angestiegen, zum Beispiel in Bangladesch.
Weitere Infos zu den hier verwendeten Daten:

Emissionen: Treibhausgas-Ausstoß

Ziel des Pariser Klimaabkommens von 2015 ist es, die Erderwärmung auf 2 Grad, idealerweise 1,5 Grad zu beschränken. Dazu müssen alle teilnehmenden Länder nationale Klimaschutzziele definieren. Für Deutschland ist dies im Klimaschutzgesetz festgelegt. Die dort formulierten Ziele für 2030 und 2045 gleicht ZDFheute mit der Veränderung des Treibhausgas-Ausstoßes im Vergleich zu 1990 ab.

Die Daten werden jährlich aktualisiert.

Ausbau: Erneuerbare Energien

Um Deutschlands Stromerzeugung klimaneutral zu machen, muss die Solar- und Windkraft ausgebaut werden. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme übersetzt die Vorgaben der deutschen Klimaschutzziele für 2030 in eine bestimmte Leistung, die in Gigawatt angegeben wird.

Die Daten werden monatlich aktualisiert.

Deutschland: Temperaturveränderung

ZDFheute vergleicht den aktuellsten Monatswert für Deutschland mit dem Mittelwert dieses Monats aus den Jahren 1881-1910. Ziel des Pariser Klimaabkommens ist die Begrenzung der Erderwärmung durch menschengemachten Klimawandel auf maximal 1,5 Grad Celsius. Die Erwärmung wird gemessen im Vergleich zur Temperatur zum Beginn der Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts.

Die Daten werden monatlich aktualisiert, zwischen der Aktualisierung für Deutschland und weltweit können allerdings einige Tage liegen.

Global: Temperaturveränderung

ZDFheute vergleicht den aktuellsten weltweiten Monatswert mit dem Mittelwert dieses Monats aus den Jahren 1881-1910. Ziel des Pariser Klimaabkommens ist die Begrenzung der Erderwärmung durch menschengemachten Klimawandel auf maximal 1,5 Grad Celsius. Die Erwärmung wird gemessen im Vergleich zur Temperatur zum Beginn der Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts.

Die Daten werden monatlich aktualisiert, zwischen der Aktualisierung für Deutschland und weltweit können allerdings einige Tage liegen.

Meere: Anstieg des Meeresspiegels

Satelliten messen seit 1993 den Meeresspiegel, davor wurden die Pegel an zahlreichen Orten erfasst. Die hier verwendeten Daten fassen die Ergebnisse mehrerer Satellitenmissionen zusammen. Grundsätzlich sind Abweichungen nach oben oder unten von etwa 4 Millimetern möglich. Gegenüber dem globalen Mittel kann der Meeresspiegel an einzelnen Orten schon deutlich stärker angestiegen sein.

Die Daten werden monatlich aktualisiert.

Wie wirkt sich der Klimawandel bei mir vor Ort aus?

Um Ihnen einen Eindruck zu vermitteln, wie sich bei Ihnen vor Ort das Klima entwickeln könnte, hat ZDFheute Ausblicke des Helmholtz-Zentrums "Hereon" auf einer Karte dargestellt. Dabei handelt es sich um Modellrechnungen, die Unsicherheiten haben und deshalb eher als möglicher Trend gesehen werden sollten. Die Modelle zeigen für alle deutschen Landkreise und kreisfreien Städte, wo es mehr Frosttage, Eistage und Starkregen geben könnte - zur Mitte und zum Ende des Jahrhunderts:
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Hinweis: Je nach Jahreszeit zeigen wir hier Karten mit Tropennächten, heißen Tage und Starkregen oder Frosttagen, Eistagen und Starkregen.
Frosttage kommen bereits im Herbst und noch im Frühjahr vor. An solchen Tagen liegt die niedrigste Temperatur unter null Grad, den Rest des Tages kann es deutlich wärmer sein. Dagegen sind Eistage solche Tage, an denen es nie wärmer wird als null Grad. Während manche sich im Alltag über weniger Glatteis freuen, sind kalte Tage in vielen Bereichen wichtig. Zum Beispiel für die Landwirtschaft, denn Frost lockert den Boden, Schnee schützt Pflanzen und Tiere darunter vor Kälte.
Die Forscher*innen haben bei diesen Modellen nicht nur verschiedene Zeitpunkte (Mitte des Jahrhunderts: 2035-2065 und Ende des Jahrhunderts: 2070-2100) berücksichtigt, sondern auch verschiedene Klimaschutzszenarien.
ZDFheute hat für die Karte das Szenario mit mäßigem Klimaschutz verwendet (wissenschaftliches Kürzel: RCP 4.5). Die Wissenschaft geht aktuell davon aus, dass dieses Szenario aufgrund der schleppenden Umsetzung von klimaschützenden Maßnahmen das wahrscheinlichste ist. Daneben gibt es auch ein Modell mit starkem (RCP 2.6) und eines ohne Klimaschutz (RCP 8.5).

Wichtige Fragen zur Klimakrise

beantworten Volker Angres und Christine Elsner von der ZDF-Umweltredaktion:

Warum heißt es menschengemachter Klimawandel?

Weil menschliche Aktivitäten den natürlichen Treibhauseffekt massiv verstärken. In der Atmosphäre gibt es Spuren der Treibhausgase Kohlendioxid, Methan und Lachgas sowie Wasserdampf. Sie wirken dort wie ein Reflektor, vergleichbar mit dem Glasdach eines Treibhauses: Wärmestrahlung der Sonne, die von der Erdoberfläche sonst ins Weltall abgestrahlt würde, bleibt im Erdsystem. Ohne diesen natürlichen Treibhauseffekt wäre die Erde im Mittel etwa minus 18 Grad kalt und für den Menschen unbewohnbar.

Seit der industriellen Revolution - gerechnet ab 1850 - ist der Anteil der Treibhausgase aus nichtnatürlichen Quellen sehr stark angestiegen. Darüber ist sich die Wissenschaft weitgehend einig, nachzulesen zum Beispiel im 6. Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC (International Panel on Climate Change).

Wie CO2 den Treibhauseffekt verursacht und wie man das nachweisen kann.

Was verursacht die Klimakrise?

Das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas setzt erhebliche Mengen CO₂ frei. Hauptquellen sind Kohlekraftwerke und Anlagen der Schwerindustrie (Stahl, Aluminium). Methan kommt vor allem aus der intensiven landwirtschaftlichen Tätigkeit. Zudem verschwinden natürliche Kohlenstoffsenken, die CO₂ dauerhaft aufnehmen, etwa durch Waldrodung und Austrocknung der Moore. Immer mehr Treibhausgase gelangen so in die Atmosphäre, verstärken den natürlichen Treibhauseffekt.

Und: In vielen Ländern entwickeln sich die Volkswirtschaften gerade, bisher fast immer auf Basis fossiler Energieträger wie Kohle und Öl. Noch mehr CO₂-Ausstoß ist die Folge.

Wir Menschen sorgen überall auf der Welt dafür, dass sehr viele klimaschädliche Gase und Stoffe in die Luft gepustet werden. Am schädlichsten ist der Energieverbrauch.

Welche Länder stoßen am meisten CO₂ aus?

China liegt an der Spitze mit circa 28 Prozent, gefolgt von den USA mit etwa 15 Prozent, Indien mit gut 7 Prozent und Russland mit knapp 5 Prozent. Der deutsche Anteil liegt bei knapp 2 Prozent (Stand: 2019). 2020 gab es pandemiebedingt einen leichten Rückgang der Emissionen, der mittlerweile überkompensiert wurde.

Global haben sich die energiebedingten CO₂-Emissionen - also die Treibhausgase, die bei der Umwandlung von Energieträgern etwa in Strom, Wärme oder im Verkehr entstehen - ständig erhöht: von 20,5 Gigatonnen (GT, eine Gigatonne entspricht einer Milliarde Tonnen) 1990 auf 33 GT 2021.

Allerdings hat sich die Anstiegskurve abgeflacht. Für einige Wissenschaftler ein Zeichen, dass Klimaschutzmaßnahmen anfangen zu wirken.

Das Treibhausgas CO2 wird am meisten produziert und bleibt extrem lange in der Atmosphäre. Der grafische Explainer zeigt die Pläne der Hauptverursacher, um klimaneutral zu werden.

Wie sehr hat sich die Erde bereits erwärmt?

Belastbare Wetterdaten gibt es seit 1881. Nimmt man dieses Jahr als Startpunkt, so hat sich der globale Temperaturdurchschnitt um gut ein Grad erhöht - mit starken regionalen Unterschieden. Auch differiert die Erwärmung über Land und über der Meeresoberfläche. Deutschland hat sich mit etwa zwei Grad stärker erwärmt als der globale Durchschnitt, bezogen auf das zurückliegende Jahrzehnt 2011 bis 2020.
Temperaturschwankungen im Verlauf der Erdgeschichte.

Welche weiteren Folgen hat der Klimawandel?

Die dauerhafte Erwärmung führt dem Erdsystem mehr Energie zu. Atmosphäre, Biosphäre, Landmassen, Ozeane und Eisregionen stehen in ständiger Wechselwirkung. Dadurch ändern sich bisher als stabil angesehene Vorgänge. So mäandert beispielsweise der Jetstream, bildet Ausbuchtungen, die dann regional das Wetter beeinflussen.

Starkregen, langanhaltende Dürren oder extrem starke Stürme verursachen direkte Schäden. Eher schleichend geht mit der Klimaerwärmung ein Verlust von Lebensräumen einher, der Verlust von fruchtbarem Land und die Produktivität der Ozeane. Kurz: Der Klimawandel bedroht in manchen Regionen die Lebensgrundlage der Menschen.

Klima-Mechanismen sind kompliziert: Die globale Erderwärmung kann an bestimmten Orten auch zu Kälte und Extremwetter führen.

Warum gibt es das 1,5-Grad-Limit?

Schon 1993 hat unter anderem der Physiker und Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber in einem wissenschaftlichen Diskurs angemahnt, die Erderwärmung unbedingt auf 1,5 Grad im globalen Mittel zu begrenzen. Dieser Wert wurde im Laufe der UN-Klimakonferenzen zu einer politischen Zielgröße, wenn er auch für viele Länder nicht erreichbar erscheint.

Daher sieht das Pariser Klimaschutzabkommen vor, die Erwärmung bei höchstens 2 Grad zu begrenzen, besser bei 1,5 Grad. Das schützt, so meinen Wissenschaftler, vor gravierenden Folgen: Der Meeresspiegelanstieg würde geringer ausfallen, das Meereis wäre als Kältefaktor stabiler, 20 bis 30 Prozent der Korallenriffe als Kinderstube der Ozeane könnten knapp überleben, das Dürre- und Überflutungsrisiko sinkt.

Der internationale Vertrag ist das zentrale Instrument zum Klimaschutz. Der grafische Explainer zeigt wichtige Säulen der Vereinbarung und die aktuelle Situation.

Sind extreme Wetter schon eine Folge des Klimawandels?

Quelle: Darryl Dyck/The Canadian Press via AP, File
Ja. Das jedenfalls bestätigt zuletzt der 6. Sachstandsbericht des Weltklimarats vom August 2021:

"Der vom Menschen verursachte Klimawandel wirkt sich bereits auf viele Wetter- und Klimaextreme in allen Regionen der Welt aus. (…) Viele Veränderungen im Klimasystem werden in unmittelbarem Zusammenhang mit der zunehmenden globalen Erwärmung größer. Dazu gehören die Zunahme der Häufigkeit und Intensität von Hitzeextremen, marinen Hitzewellen und Starkniederschlägen, landwirtschaftlichen und ökologischen Dürren in einigen Regionen, das Ausmaß tropischer Wirbelstürme sowie Rückgänge des arktischen Meereises, von Schneebedeckung und Permafrost."

Sind Folgen des Klimawandels bereits unumkehrbar?

Quelle:
CO₂ hält sich 1.000 Jahre in der Atmosphäre, verstärkt also sehr lange den Treibhauseffekt. Selbst wenn sofort alle Emissionen gestoppt würden, würden die Klimawandelfolgen noch viele Dekaden auftreten.

Uneins ist die Wissenschaft hinsichtlich sich verstärkender Effekte. Wenn beispielsweise Methan aus tauenden Permafrostböden austritt und bestimmte Mengen dieses Gases frei werden, könnte es eine Art Klimawandel-Turbo geben. Das heißt, die Erwärmung würde noch schneller voranschreiten. Auch sind die Effekte der schmelzenden Landeismassen nicht genau vorherzusagen.

Welche Folgen des Klimawandels sind noch beherrschbar?

Anpassungsmaßnahmen sind die einzige Möglichkeit, sich schnell gegen die Folgen des Klimawandels zu schützen. Dazu gehören etwa die Schaffung von Überflutungsräumen, das Erhöhen von Deichen, orkanfeste Bauten, die Züchtung dürrebeständiger Nutzpflanzen und die Sicherung der Trinkwasserversorgung.

Diese Maßnahmen erfordern sehr viele Investitionsmilliarden. Nicht jedes Land kann sich das leisten, vor allem die Entwicklungsländer sind betroffen. Daher müssen neue Konzepte der klimawandelbedingten, internationalen Zusammenarbeit umgesetzt werden.

von Volker Angres und Christine Elsner, ZDF-Umweltredaktion

Den Klimawandel bekommen fast alle zu spüren. Der grafische Explainer beleuchtet die Risikogebiete und zeigt, was jetzt getan werden muss.
Im Folgenden beantworten Angres und Elsner zudem Fragen zu so genannten Kipppunkten - Ereignisse auf der Erde, die den Klimawandel maßgeblich vorantreiben und sich nicht mehr rückgängig machen lassen.

Was sind Kipppunkte - und welche gibt es?

Kipppunkte sind erdsystemische Ereignisse von globaler Auswirkung, die nach menschlichem Ermessen nicht rückgängig gemacht werden können und den Klimawandel deutlich vorantreiben. Gefährliche Kipppunkte sind:

  • das Auftauen der Permafrostböden in den nördlichen Breiten (Sibirien, Alaska, Kanada)
  • das Abschmelzen der Landeismassen auf Grönland
  • das Abholzen der Regenwälder Amazoniens
  • die Veränderung des Golfstroms
  • die Sättigung der Ozeane mit CO₂

Die Erde verändert sich permanent. Seit rund 200 Jahren ist auch der Mensch ein Antriebsmotor dieses Wandels – durch fossile Brennstoffe befeuert er erderwärmende Prozesse.

Was passiert, wenn die Permafrostböden tauen?

In den dauerhaft gefrorenen Böden, den Permafrostböden, sind große Mengen organisches Material, also abgestorbene Pflanzen, enthalten. Tauen die Böden aufgrund der Erwärmung auf, verrottet das Pflanzenmaterial durch den Einfluss des Luftsauerstoffs, das Treibhausgas Methan wird freigesetzt. Methan hat ein rund 20-fach stärkeres Klimaerwärmungspotenzial als CO₂, hält sich aber mit rund zehn Jahren vergleichsweise kurz in der Atmosphäre.

Dennoch: Wenn eine genügend große Menge Methan nahezu zeitgleich frei wird, könnte sich die Erderwärmung drastisch beschleunigen. Tauende Permafrostböden werden bereits seit vielen Jahren beobachtet, die Methanmengen sind aber noch zu gering, um den Klimawandel merklich zu beeinflussen.

Wenn der Permafrost verschwindet, beginnen dort lebende Mikroben den Kohlenstoff umzuwandeln. Dabei entstehen die Gase Methan und Kohlendioxid. Diese verstärken die Erderwärmung.

Wie steht es um Arktiseis und Grönland-Gletscher?

Grönland verliert pro Jahr rund 250 Milliarden Tonnen Landeismasse. Das Schmelzwasser lässt den globalen Meeresspiegel um rund sieben Millimeter pro Jahrzehnt ansteigen. Schreitet die Erwärmung voran, schmilzt das Eis schneller, der Meeresspiegelanstieg würde sich ebenfalls beschleunigen.

Das Landeis der Antarktis verliert derzeit rund 150 Milliarden Tonnen pro Jahr und trägt mit rund vier Millimeter zum Meeresspiegelanstieg bei.

Die Eismassen der Arktis dagegen schwimmen im Meer. Ihr Schmelzen beeinflusst die Höhe des Meeresspiegels daher nicht. Aber: Die gewaltigen Mengen an Süßwasser verdünnen den Salzgehalt der Ozeane, die Dichte des Wassers ändert sich und damit die Meeresströmungen.

Der Eisschild der Antarktis ist die weltweit größte, permanent vereiste Fläche. Erwärmt sich das Meer um nur 0,5 Grad, schmilzt das Schelfeis von unten und bricht an den Kanten.

Welche Folgen hat das Abholzen des Amazonas-Regenwaldes?

Der Amazonas-Regenwald nimmt gewaltige Mengen Wasser auf und verdunstet es wieder. In der Atmosphäre bilden sich regelrechte Feuchtigkeitsflüsse, die auch die Niederschläge in Europa beeinflussen.

Intakte Wälder sind CO₂-Senken. Die Bäume nehmen CO₂ aus der Atmosphäre auf, per Photosynthese wird es in Kohlenstoff (C) und Sauerstoff (O) gespalten. Der Kohlenstoff dient dem Holzwachstum, der Sauerstoff wird frei. Derzeit sind bereits rund 17 Prozent der Amazonas-Regenwaldflächen abgeholzt. Sind etwa 25 Prozent erreicht, dann stirbt der Regenwald auch ohne Rodung langsam ab, weil die Feuchtigkeit fehlt. Eine wichtige CO₂-Senke wäre verloren.

Die Saison des Feuers hat wieder begonnen. Es brennt so viel Fläche wie nie zuvor. Die meisten der aktuellen Brände im Amazonas-Regenwald und im Pantanal sind menschengemacht.

Wie hängt der Golfstrom mit dem Klimawandel zusammen?

Der Golfstrom transportiert warmes Oberflächenwasser aus den Subtropen bis in die Arktis. Gleichzeitig strömt kaltes Tiefenwasser von Norden nach Süden. Insgesamt sorgt diese Golfstromzirkulation in West- und Nordeuropa für ein mildes Klima.

Die Klimaerwärmung lässt nun arktische Eismassen schmelzen, das Süßwasser verändert den Salzgehalt im Meerwasser, die Dichte nimmt ab, das Wasser wird leichter und sinkt demzufolge weniger tief ab. Dadurch - so meinen Wissenschaftler - verlangsame sich die Zirkulation des Golfstroms. Geht dieser Prozess weiter, würde die Durchschnittstemperatur in Nord- und Westeuropa deutlich sinken, Niederschläge würden zunehmen und das maritime Ökosystem würde sich mit nicht absehbaren Folgen verändern.

Das riesige Wassertransportsystem Golfstrom verlangsamt sich. Der wahrscheinliche Grund: Die Erderwärmung. Klimaexperten bereitet das Sorgen.

Welche Kipppunkte stecken in den Ozeanen?

Ozeane speichern bisher rund ein Drittel der menschengemachten CO₂-Emissionen. Doch irgendwann ist auch dieser gigantische Speicher voll. Ist das der Fall, würde das CO₂ in der Atmosphäre bleiben und den Klimawandel beschleunigen. Also bremsen die Meere den Klimawandel derzeit noch. 

Aber: CO₂ wird im Meerwasser gelöst, es entsteht Kohlensäure, das Wasser versauert. Ein hoher Säuregehalt schädigt die Kalkskelette der Korallen. Auch Muscheln und Krebse könnten keine stabilen Gehäuse mehr bilden. Hinzu kommt die Erwärmung der Weltmeere. Das Ökosystem rund um Korallenriffe ist ernsthaft gefährdet. Das sogenannte Korallensterben wurde bereits an mehreren Hotspots der Weltmeere nachgewiesen.

Korallenriffe sind die Schatzkammern der Meere, sie beherbergen ein Viertel aller marinen Lebens. Forscher fürchten, dass die meisten Korallen mit der fortschreitenden Erwärmung der Ozeane sterben werden. Lässt sich die Katastrophe noch aufhalten?

Wie bedeutend sind diese Kipppunkte?

Treten die Kipppunkte ein, besteht nach Meinung der Klimaforscher die Gefahr, dass abrupte, drastische Klimaänderungen die Anpassungsmöglichkeiten der menschlichen Gesellschaft übersteigen. Folge könnten weitreichende Verwüstungen sein, eine Ernährungskrise oder eine ernsthafte Gefährdung der Trinkwasserversorgung. Teile der Erde würden unbewohnbar, Flüchtlingsbewegungen gigantischen Ausmaßes kämen in Gang.

Einen exakten Grenzwert, ab welchem globalen Temperaturniveau Kipppunkte überschritten werden, können Klimawissenschaftler nicht angeben. Daher werden statistische Temperaturkorridore festgelegt, in dem das Risiko für das Erdsystem wächst.

von Volker Angres und Christine Elsner, ZDF-Umweltredaktion

Daten zum Klimawandel: Quellen und Methodik

Welche Daten hat ZDFheute verwendet? Auf welcher Datengrundlage beruhen die interaktiven Darstellungen und welche zusätzlichen Berechnungen wurden gegebenenfalls noch angewandt?

Emissionen

Die Klimakrise wird nicht allein durch den Ausstoß von CO₂, Kohlenstoffdioxid, verursacht. Auch Gase wie Methan zählen zu den Treibern des Klimawandels. Diese werden unter dem Begriff "Treibhausgase" zusammengefasst. Sie führen zum Treibhauseffekt, der die menschengemachte Erderwärmung verursacht.

Im Klimaschutzgesetz für Deutschland von 2019 sind deshalb Ziele für Treibhausgas-Emissionen in sogenannten CO₂-Äquivalenten festgelegt. Da beispielsweise eine Tonne Methan und eine Tonne CO₂ nicht die gleiche Wirkung auf den Treibhauseffekt haben, werden Methan und andere Gase zur Vereinfachung in CO₂-Äquivalente umgerechnet.

Das Umweltbundesamt veröffentlicht jedes Jahr neue Daten, darunter eine Vorjahresschätzung der Emissionen für das vorangegangene Jahr. Diese Schätzung ist vorläufig und wird in späteren Veröffentlichungen aktualisiert. Da sich mindestens jedoch der Trend (mehr oder weniger Emissionen) daraus ablesen lässt, verwendet ZDFheute bereits die Vorjahresschätzung.

Die absoluten Emissionen in Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten vergleicht ZDFheute mit dem Ausstoß in 1990, um zu erfassen, wie viel weniger Deutschland im Vergleich zu 1990 ausstößt. An diesem Jahr orientieren sich auch die Ziele im Klimaschutzgesetz.

Ausbau der erneuerbaren Energien

Essenziell für eine Begrenzung der Erderwärmung durch den menschengemachten Klimawandel ist die Umstellung der Energiegewinnung von fossilen Brennstoffen wie Erdöl und Erdgas auf erneuerbare Energien.

Hierbei spielen in Deutschland Sonnenenergie (Photovoltaik) und Windenergie an Land und auf dem Meer die größte Rolle. Das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme (ISE) betreibt ein Portal mit Daten der bisher gebauten Energieleistung und Szenarien für den benötigten Ausbau.

Auf beide Quellen greift ZDFheute zurück, um daraus abzuleiten, wie weit Deutschland beim Ausbau der erneuerbaren Energien ist. Dazu werden die monatlich aktualisierten Stände der installierten Leistung von Wind- und Solarkraft verglichen mit den vom Fraunhofer ISE aufgestellten jährlichen Zielen.

Das verwendete Szenario des Fraunhofer ISE hat modelliert, wie Deutschland die Solar- und Windenergie ausbauen müsste, um bis zum Jahr 2030 das Ziel von 65 Prozent weniger Treibhausgas-Emissionen zu erreichen. Dieses Ziel wurde mit dem Klimaschutzgesetz beschlossen.

Die Kernkraft als emissionsarmer Ersatz für Brennstoffe wie Erdöl und Erdgas spielt in Ländern wie Frankreich eine große Rolle, in Deutschland jedoch keine, da die Bundesregierung 2011 den Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen hat.

Temperatur in Deutschland

Für eine Einordnung der aktuellen Klimaentwicklung in Deutschland zeigt ZDFheute, wie sich die Durchschnittstemperatur des letzten abgeschlossenen Monats im Vergleich zum langfristigen Mittel entwickelt hat. Das Mittel ist die Durchschnittstemperatur des jeweiligen Monats über die Periode von 1881 bis 1910. Dadurch lässt sich abschätzen, wie sehr die heutige Temperatur von der Temperatur vor der Industrialisierung abweicht.

Die Wissenschaft ist sich einig, dass der Großteil der menschengemachten Erderwärmung durch die Industrialisierung und die damit einhergehende Verbrennung von Kohle und anderen fossilen Brennstoffen verursacht wird.

ZDFheute verwendet für diese Grafik Zeitreihen des Deutschen Wetterdiensts (DWD), die seit 1880 in sehr verlässlicher Form vorliegen. Da auch diesen Werten wissenschaftliche Modelle zugrunde liegen, handelt es sich um Schätzwerte, die eine bestimmte Unsicherheit aufweisen. Der DWD berechnet die Unsicherheit für diese Daten nicht.

Temperatur weltweit

Der Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur wird mithilfe der Land- und Meeresoberflächen-Temperatur berechnet. ZDFheute verwendet die Daten der US-amerikanischen Non-Profit-Organisation Berkeley Earth. Die Organisation hat die globalen Temperaturwerte in einem Datensatz zusammengefasst, der monatlich aktualisiert wird und zurückreicht bis ins Jahr 1850.

In diesem Kontext ist es gängig, die Abweichung (Anomalie) der Temperaturen von einem langjährigen Mittelwert zu berechnen. Als langjährige Mittel verwendet ZDFheute die durchschnittlichen Monatstemperaturen im Zeitraum 1881 bis 1910. Dadurch lässt sich abschätzen, wie sehr die heutige Temperatur von der Temperatur vor der Industrialisierung abweicht.

Die Wissenschaft ist sich einig, dass der Großteil der menschengemachten Erderwärmung durch die Industrialisierung und die damit einhergehende Verbrennung von Kohle und anderen fossilen Brennstoffen verursacht wird.

Da auch diesen Werten wissenschaftliche Modelle zugrunde liegen, handelt es sich um Schätzwerte, die eine bestimmte Unsicherheit aufweisen. Die Unsicherheit ist zu Beginn der Messungen ab 1850 etwas größer und hat seitdem sehr stark abgenommen. Sie liegt für die letzten Jahrzehnte bei etwa einem Zwanzigstel Grad.

Meere

Den weltweiten Anstieg des Meeresspiegels können Satelliten sehr präzise erfassen. ZDFheute verwendet die Satellitendaten des französischen Nationalen Zentrums für Raumfahrtforschung (CNES). Die Daten fassen die Ergebnisse mehrerer Satellitenmissionen zusammen und sind daher umfassender als andere Quellen, etwa die der NASA.

Klimaausblicke

Als Grundlage der Klimaausblicke verwendet das Climate Service Center fein aufgelöste Daten des Deutschen Wetterdienstes (HYRAS), aus dem die Durchschnittswerte für den Zeitraum 1971-2000 berechnet wurden. Dieser Zeitraum ist relativ aktuell, aber noch nicht so stark vom Klimawandel betroffen. Auf Grundlage dieser Daten haben die Wissenschaftler*innen verschiedene Simulationen durchgespielt, die alle bei den Ausblicken berücksichtigt wurden.

Kleinere Gebiete, etwa kreisfreie Städte, wurden mit umliegenden Gebieten zu einer Ausblicks-Region zusammengefasst, weil die Werte sonst nicht zuverlässig gewesen wären. ZDFheute gibt für jeden Kreis Werte auf der Karte an, diese können jedoch bei benachbarten Gebieten identisch sein.

Alles gut? Danke für Ihr Interesse am ZDFheute-Klimaradar! Wir möchten unsere Grafiken für Sie noch nützlicher machen. Dafür sind wir auf Ihre Hilfe angewiesen: Was hat Ihnen gefallen? Was können wir besser machen? Und welche Zahlen zur Klimakrise fehlen Ihnen? Schreiben Sie uns mit dem Betreff "KlimaRadar" an zdfheute-feedback@zdf.de.
Autoren: Michael Hörz, Moritz Zajonz
Fragen und Antworten: Volker Angres, Christine Elsner
Redaktion: Robert Meyer, Kevin Schubert, Jennifer Werner
Mitarbeit: Nathan Niedermeier
Design: Jens Albrecht (im Auftrag des ZDF)
Der Temperaturanstieg auf der Erde muss schnell gebremst werden. Ein grafischer Blick auf die CO2-Hauptverursacher, das Klimaabkommen von Paris und Probleme des Emissionshandels.

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