: Eine etwas andere WM für Fans in Katar

17.11.2022 | 18:46 Uhr
Ab Sonntag rollt der Ball bei der WM und die Fans sind dabei. Allerdings müssen die Fußball-Touristen in Katar einige Regeln beachten. Bei Zuwiderhandlungen drohen hohe Strafen.
Andere Länder, andere Sitten: Die Fußball-Fans in Doha sollten einige Regeln beachten.Quelle: epa
Wenn am Sonntag die Fußball-Weltmeisterschaft beginnt, soll der rollende Ball im Fokus des Interesses stehen. Doch abseits davon wartet auf die Fans vor Ort eine ganz besondere, eine etwas andere, WM. Denn in dem konservativ muslimischen Golf-Emirat sind für Besucher einige Gesetze und Sitten zu beachten.
In vielerlei Hinsicht wird dieses Turnier einzigartig,
schreibt FIFA-Präsident Gianni Infantino im offiziellen Fan-Leitfaden - und liegt damit wohl ziemlich richtig.

Kein Bier im und rund ums Stadion

So wird zum Beispiel in den Stadien und im direkten Umfeld der Stadien kein alkoholhaltiges Bier ausgeschenkt. Zunächst hat es geheißen, dass die Fans vor und nach den Spielen in speziellen Verkaufszelten Bier kaufen könnten. Zwei Tage vor der Eröffnung hat WM-Gastgeber Katar nun aber doch noch ein Verbot von alkoholischem Bier rund um alle Stadien durchgesetzt. Damit wurde die eigentlich mit der FIFA vereinbarte Aufweichung des Alkoholverbots wieder gekippt, wie der Fußball-Weltverband mitteilte.
Eigentlich ist Alkohol in Katar verboten, wird aber in einigen Hotels angeboten. Auch auf dem großen Fan-Festival im al-Bidda-Park im Zentrum von Doha wird es Bier geben - aber erst ab 18.30 Uhr Ortszeit. Und es wird teuer: 0,5 Liter kosten umgerechnet über 13 Euro. Dafür bekommt man auch einen Softdrink, plus Burger und Pommes.
Gegenüber Drogen pflegen katarische Behörden eine Null-Toleranz-Politik, warnt das Auswärtige Amt. Auch Cannabis ist verboten. Drogendelikte können die Ausweisung, hohe Geldstrafen oder lange Gefängnisstrafen zur Folge haben, beim Handel mit Drogen droht sogar die Todesstrafe. Bei Medikamenten sollten Einreisende vorab klären, ob diese in Katar legal sind.

Zu wenig Zimmer für zu viel Besucher

Weil Katar für die rund eine Million erwarteten Fans viel zu klein ist, sind etwa die Preise für Hotelzimmer explodiert - drei riesige Kreuzfahrtschiffe als schwimmende Hotels im Hafen sollen etwas Linderung verschaffen.
Wegen des Mangels wird auch das Camp des "Fan Clubs Nationalmannschaft" in Dubai aufgeschlagen, mit Flugzeugen geht es zu den Spielen nach Katar und wieder zurück. "Im Sinne der Nachhaltigkeit" hätte sich der DFB eine "andere Lösung gewünscht".
Die Umsetzung eines Fan-Camps im WM-Austragungsland Katar war organisatorisch nicht möglich.
DFB-Mitteilung
In Doha wurden für die WM extra neue, mehrspurige Straßen gebaut. Um dennoch einen Verkehrskollaps zu verhindern, sollen die Fans mit der neuen U-Bahn oder anderen öffentlichen Verkehrsmitteln zu den acht Stadien fahren. Diese sind für Ticketinhaber dank ihrer Hayya-Karte, die zur Einreise benötigt wird, kostenlos.

Öffentliche Küsse verboten, Händchenhalten geduldet

Und sonst? Zärtlichkeiten und Küsse in der Öffentlichkeit sind in Katar tabu - Händchenhalten wird allerdings in der Regel akzeptiert. Das Auswärtige Amt hebt hervor, dass nichtehelicher Geschlechtsverkehr verboten ist und strafrechtlich verfolgt werden kann. Homosexuelle Beziehungen sind in Katar verboten, die Behörden versicherten zuletzt aber, dass auch unverheiratete und gleichgeschlechtliche Paare, die ein WM-Spiel besuchen, im selben Zimmer schlafen dürfen.
Innenministerin Nancy Faeser hatte vom Premierminister ein "Sicherheitsgarantie" für alle Fans bekommen, homophobe Äußerungen eines offiziellen WM-Botschafters sorgten danach allerdings für Entsetzen. Der DFB richtet in Doha "eine Fanbotschaft mit geschultem Personal ein, die vor Ort für Fans ansprechbar ist und Unterstützung anbietet", wie es heißt. Diese werde "eng mit der deutschen Botschaft in Katar" zusammenarbeiten.

Eine WM in der Wüste. Im Winter. Aller Kritik zum Trotz: Sportjournalist Jochen Breyer und Autorin Julia Friedrichs gehen der Frage nach, wie Katar dieser Coup gelingen konnte.

15.12.2022 | 43:26 min

Sex-Spielzeug lieber zuhause lassen

Die Einfuhr von religiösen Büchern und Materialien sowie von pornografischem Material ist strengstens untersagt, auch Sex-Spielzeug bleibt besser zu Hause. Frauen sind nicht zum Tragen eines Schleiers verpflichtet. Allen Besuchern wird aber empfohlen, sich zumindest in öffentlichen Gebäuden "züchtig" zu kleiden, also auch Schultern und Knie zu bedecken.
In Deutschland unbedenkliche Äußerungen zu Religionsfragen können in Katar als Beleidigung des Islam oder des Propheten Mohammed mit Geld-, oder sogar Freiheitsstrafen geahndet werden. "Das Warten hat ein Ende", schreibt Infantino noch in seinem Grußwort. Die Fans könnten "lebenslange Erinnerungen" von der "größten Show der Welt" mitnehmen.
Quelle: sid

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